Rallye Dakar 2011 Logistik

Rallye Dakar 2011: Logistik

— 27.01.2011

Helden ohne Helm

Wie gewinnt man die härteste Rallye der Welt? Während Fahrer und Navigatoren im Rampenlicht stehen, leisten hinter den Kulissen Mechaniker und Ingenieure ihren Teil zum Teamerfolg.

Nasser Al-Attiyah (40) und sein Co-Pilot Timo Gottschalk (36) haben die Rallye Dakar nicht allein gewonnen. "Ohne das Team, ohne die Mechaniker könnten wir nicht eine einzige Etappe fahren. Das darf man nie vergessen", zeigt sich Al-Attiyah der VW-Truppe gegenüber dankbar. Allein in Südamerika waren 72 Teammitglieder im Einsatz, um die vier Race Touareg auf den Plätzen eins, zwei, drei und sechs erfolgreich ins Ziel nach Buenos Aires zu bringen. Ein gemeinsamer Erfolg.

Überblick: Alle Etappen der Rallye Dakar 2011

Abenstimmung im Dakar-Biwak: Die Idylle trügt – die Mechaniker arbeiten oft bis spät in die Nacht.

Einer von ihnen ist Lutz Meyer (42), der bei Volkswagen für die Logistik zuständig ist. Dass nach jeder Etappe das Service-Biwak stand, lag wesentlich in seiner Verantwortung. "Wir mussten etwa zwei Stunden vor den Race Touareg am Tagesziel sein, um alles aufzubauen", erklärt er. Oftmals standen er und seine Kollegen zuvor um halb fünf auf, saßen über zehn Stunden in einem der Begleitfahrzeuge, legten selbst über 700 Kilometer auf der Verbindungsroute zurück. "Bei uns hat niemand nur einen Job", erklärt Meyer. "Es gibt kein extra Fahrpersonal." Dabei galt die eiserne Regel: Wer am nächsten Tag ans Steuer musste, durfte nicht unter sechs Stunden geschlafen haben. "Wenn ein größerer Schaden zu reparieren ist, ruhen sich die Mechaniker am nächsten Tag als Passagiere aus", so Meyer.

"Unsere Familien mussten während der Dakar viel zurückstecken"

Die Service-Lkw sind bestens ausgerüstet und haben für jede erdenkliche Panne alles an Bord.

Nach genauen Ablaufplänen baute die Mannschaft den 40 mal 75 Meter großen Biwak täglich auf. Service-Plätze für die vier Rallyewagen, Arbeitszelte und Überdachungen entstanden in nur einer Stunde auf 3000 Quadratmetern. Um nach den geplanten Wartungsarbeiten an den Race Touareg nachts zügig wieder abgebaut und verladen zu werden. Doch nicht nur Al-Attiyah weiß, wem er den Erfolg zu verdanken hat. "Unsere Familien mussten während der Dakar viel zurückstecken. Meine Frau war zu Hause die Managerin, alles musste ohne mich laufen", gibt Meyer das Lob weiter.

Zahlen zum Sieger VW

• 72 Teammitglieder begleiteten den Dakar-Einsatz. Sie fuhren selbst in 20 Service-Fahrzeugen
die knapp 7000 Kilometer lange Service-Route durch Südamerika.
• 50 Tonnen Material
reisten dabei an Bord von neun Service- und Ausrüstungs-Lkw von Biwak zu Biwak – stets vor den Race Touareg.
• 350 Räder
in fertig montiertem Zustand verschiffte VW für die vier Einsatz-Wagen nach Südamerika – um dort Gummi zu geben.
• 57 Tage hatte die Mannschaft im Vorfeld Zeit, um alle Sachen für die Dakar 2011 zu packen. Nachdem der Tross am 27. September 2010 von der Silk-Way-Rallye zurückkehrte, fiel der Startschuss. Am 23. November brach der fertiggestellte Konvoi zur Übersee-Verschiffung nach Le Havre (Frankreich) auf.
• 500 Aluminium-Transportboxen
mit Ersatzteilen führen die Service-Lkw mit sich. Dazu kommen etwa 60 Holzboxen für größere Einheiten wie etwa Ersatz-Getriebe.
Ein Werkzeugset an Bord eines jeden Service-Lastwagens besteht unter anderem aus 27 verschiedenen Zangen, 58 Schraubenschlüsseln, 48 Schraubendrehern und neun Spezialwerkzeugen.
• 88 Kilowatt
Nennleistung liefern die Strom-Aggregate zusammen im Biwak – das ist die Anschlussleistung von vier Einfamilienhäusern.

Autor: Martin Westerhoff

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