Rallye Dakar 2012 - Interview Etienne Lavigne

Rallye Dakar 2012: Interview Etienne Lavigne

— 17.01.2012

"Die Dakar ist ein Fulltime-Job"

Wie organisiert man eine 15-tägige Marathon-Rallye quer durch Südamerika? Etienne Lavigne, Chef-Organisator der Rallye Dakar, berichtet im Interview mit Ellen Lohr über Herausforderungen, Probleme und Pläne für die Zukunft.

15 Tage lang quer durch Südamerika – hinter den Piloten der Rallye Dakar liegen über 8000 Kilometer Sand, Staub, Hitze und jede Menge Stress. Den hatten allerdings nicht nur die Fahrer, sondern auch die Menschen hinter der Dakar. Die Veranstalter hatten ein wahres Mammutprojekt zu stemmen: 15 Etappen (von denen 2012 eine wegen Schlechtwetters ins Wasser fiel) mussten auf der Strecke zwischen dem argentinischen Mar del Plata und dem Zielort Lima in Peru geplant, Wertungsprüfungen ausgearbeitet, Sponsoren angeheuert werden, ganz zu schweigen von der Logistik der Marathon-Veranstaltung. Chef-Organisator Etienne Lavigne gewährt im Interview mit Rallye-Expertin Ellen Lohr einen Blick hinter die Kulissen der Dakar.

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Etienne Lavigne: "Grundsätzlich arbeiten wir immer an drei Dakars gleichzeitig." 

Ellen Lohr: Ist die Dakar ein Fulltime-Job oder organisieren Sie auch noch andere Events? Etienne Lavigne: Die Dakar ist ein Ganzjahres-Job. Wir reisen unheimlich viel. Allein drei Monate im Jahr brauchen wir, um die Strecken zu erkunden, Gespräche mit Behörden zu führen und die Logistik vorzubereiten. Ich selbst bin bei den Besichtigungen nur noch bei den neuen Etappen dabei. Ich vertraue da meinem Team, geeignete Strecken auszusuchen. Grundsätzlich arbeiten wir das Jahr über immer an drei Dakars gleichzeitig: An der Aufarbeitung der vergangenen, an den Nachbesprechungen mit den Behörden in den einzelnen Ländern – und natürlich der aktuellen Dakar. Außerdem beschäftigen wir uns zwei Jahre vorher schon mit der übernächsten Veranstaltung.

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Waren Sie selbst ein Rennfahrer, bevor sie für den Veranstalter ASO die Dakar organisierten? Nein. Ich bevorzuge die ruhigen Sportarten, wie Segeln oder Klettern. Und wie glauben Sie dann, die Rennfahrer verstehen zu können? Ich bemühe mich natürlich immer, mich in die Rennfahrer hineinzuversetzen. Wir versuchen als Team, eine Dakar zu kreieren, die eine große Herausforderung ist. Gleichzeitig müssen wir aber die Balance wahren und die Möglichkeiten der Amateure und der Profis gleichermaßen berücksichtigen.

Sind Sie in Reglementsfragen eingebunden? Nur vor der Dakar. Wir erstellen ein Reglement und sichern die Umsetzung auf der Veranstaltung. Das Reglement wird von der FFSA, das ist die oberste französische Sportbehörde, abgesegnet. Das wars dann für uns. Wenn es dann zu Ungereimtheiten kommt, entscheidet eine Jury, der wir aber nicht angehören. Was ist Ihre Passion auf der Dakar? Meine Leidenschaft ist es, ein großes Team zu führen. Die Richtung vorzugeben. Ich habe dabei das Bild eines Bergführers mit einem Kletterer im Kopf. Man ist verantwortlich und muss ein guter Guide sein, damit man als Team den Gipfel sicher erreicht. Meine grösste Genugtuung ist die Zeit auf dem Podium im Ziel – wenn alle glücklich sind. Das ist ein sehr emotionaler Moment für die Fahrer, die Beifahrer und mein gesamtes Team.

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Es gab bei dieser Dakar eine Art Marathonetappe, bei der die Motorradfahrer eine Nacht ohne richtigen Service auskommen mussten. Wird es das auch für die Autos wieder geben? Ganz bestimmt nicht. Ich halte eine Marathonetappe für überholt. Wir haben damit in der Vergangenheit meist nur den Amateuren geschadet. Es mussten unverhältnismässig viele von ihnen aufgeben. Insofern wird es eine echte Marathonetappe nicht so schnell wieder geben. Schlafen Sie eigentlich im Bivak oder im Hotel? Immer im Bivak.

Ihre Beurteilung der diesjährigen Dakar? Es war sicher die schwerste Dakar, die wir jemals in Südamerika veranstaltet haben. Wird Brasilien ein Thema in der Zukunft sein? Nein. In Brasilien dreht sich gerade alles um die Fußball-WM 2014. Da steht nicht mehr genug Geld zur Verfügung, um noch eine Dakar zu stemmen. Wir haben dort mal Gespräche mit Politikern geführt. Die waren aber erfolglos. Im nächsten Jahr haben wir mit Santiago de Chile eine würdige Stadt als Zielort gewählt. Ob der Start in Lima stattfindet, ist allerdings noch nicht klar. Auf jeden Fall heißen die austragenden Länder wieder Argentinien, Chile und Peru. Never change a winnig combination.

Autor: Ellen Lohr

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