Rallye Dakar 2012: Porträt Stefanie Manns

Rallye Dakar 2012: Stefanie Manns im Interview

— 10.01.2012

Deutsche kämpft sich nach vorn

Stefanie Manns hat Blut geleckt. Zuerst wollte die einzige deutsche Fahrerin bei der Rallye Dakar 2012 nur heile ankommen. Doch jetzt schlägt sie sich so gut, dass das Ziel lautet: "unter das erste Drittel".

Es hat tatsächlich ganze zwei Tage gedauert, bis ich herausgefunden habe, dass es eine deutsche Teilnehmerin in der Autokategorie gibt. Ursprünglich dachte ich, dass wir genau zwei Deutsche im Rennen haben: Matthias Kahle, der sich nach dem zweiten Tag jedoch bereits mit Motorschaden verabschiedet hat, und Stephan Schott, Privatier im Team von Sven Quandt. Und dann ist da noch Stefanie Manns – die einzige deutsche Fahrerin im Feld. Eine sympathische Racerin, die früher auch auf der Rundstrecke in der Formel Ford und im Puma Cup unterwegs war.

Überblick: Alle Berichte zur Rallye Dakar 2012

Das Einsatzgerät von Stefanie Manns bei der Dakar 2012: ein Pro Dakar McRae Enduro 4x4 (3,0-Liter-Diesel, 250 PS).

Wie kam es dazu? Steffis Eltern waren nicht mit dem Virus Motorsport infiziert – insofern ist es umso herausragender, dass sie sich im Alter von 16 Jahren alleine dafür entschieden hat. Alles begann mit dem Besuch eines Formel 1-Rennens. Dort schnappte sich die damals 15-Jährige den Flyer einer Rennfahrschule, nahm ihn mit und ließ sich kurzerhand zum nächsten Geburtstag einen Kurs schenken. Von Anfang an zeigte Stefanie Talent, und kurz darauf stieg sie richtig in den Sport ein. Drei Jahre in Folge war sie aktiv. Von Anfang an kämpfte sie für sich allein, wurde aber stets von ihrer Familie unterstützt. Ihr persönliches Highlight während dieser Periode: Ein zweiter Platz beim 24h-Rennen am Nürburgring.

Lesen Sie auch: Dicke Dinger – die Renntrucks der Rallye Dakar

Aber Stefanie, die in München lebt und arbeitet, gab ihrer Ausbildung den Vorrang vor dem professionellen Rennsport und absolvierte ein Studium der Fahrzeugtechnik. Nach sechs Jahren Pause kehrt sie nun wieder in den Motorsport zurück. Auslöser war eine Karpaten-Tour mit ihrem Bruder: "Mein älterer Bruder hatte gar kein Interesse an Motorsport, war aber mein Ideengeber für die Offroad-Rallies", erzählt Stefanie. Zu Beginn war sie noch ein wenig unentschieden, ob Asphalt oder Schotter und Sand der bessere Rennuntergrund für sie ist.

Inzwischen ist sie völlig dem Thema Offroad verfallen: "Die Dakar ist mein Traum, den ich mir jetzt mit Hilfe meiner Partner und viel Eigeninitiative erfüllen konnte. Darauf bin ich sehr stolz. Zunächst wollte ich ja eigentlich nur heil durchzukommen. Nach den guten Ergebnissen in den einzelnen Stages habe ich aber "Blut geleckt" und das eigentliche Ziel, nur durchzukommen nach oben verschoben. Ich will unter das erste Drittel fahren." Und Stefanies Einzelergebnisse zeigen, dass sie das auch kann.

Stefanie Manns hat ehrgeizige Ziele: "Ich will unter das erste Drittel fahren."

"Natürlich habe ich festgestellt, dass die Dakar ein Techniksport ist: Je mehr Budget, desto besser die Vorbereitung und das Auto. Aber auch mit Erfahrung und Engagement kann man viel erreichen. Zumindest lernt man im hinteren Feld, wie man kämpft", lacht sie und spielt damit auf die Schleife um das Wüstennest Fiambala in Argentinien an, bei der sie über fünf Stunden durch einen Technikdefekt verlor. Als es endlich weiter ging, machte sie eine weitere nützliche Erfahrung: Im staubfeinen Wüstensand "Fech-Fech" sollte man sich besser nicht fest fahren.

"Die Dakar wird auch im Kopf entschieden"

"Als ich im Fech-Fech aus dem Auto aussteigen musste, bin ich bis zu den Knien im Sand versunken. Dann hat mir auch noch der Wind des Sandsturms die Tür auf die Nase gehauen. In dem Moment dachte ich: Mist, das wird knapp mit dem heutigen Tag – aber aufgeben gibt es auf einer Dakar nicht. So lange sich noch ein Rad dreht, kämpft man weiter. Die Dakar ist auch eine Sache, die im Kopf entschieden wird."

Stefanies Traum für die Zukunft: "Eine Dakar im Renntruck, das wäre was!" Kein Zweifel, diese Frau hat vor nichts Angst. Ich bin nach unserem Gespräch fest überzeugt, dass wir sie in genau einem solchen Arbeitsgerät bei der nächsten Ausgabe der Rallye Dakar wiedersehen werden.

Autor: Ellen Lohr

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.