Rallye Dakar

— 23.01.2008

Noch mehr Last mit der Dakar?

Nach der Absage des Wüstenklassikers ist die Zukunft der Marathon-Rallye offen. Startet die Dakar 2009 in Südamerika oder China? Die Organisatoren müssen sich etwas einfallen lassen.



So viele Zuhörer hatte er noch nie. Rund 2000 Menschen hingen am 4. Januar 2007 an den Lippen des Dakar-Organisationsleiters, als dieser verkündete: Die Rallye findet nicht statt. Fahrer, Teamchefs, Mechaniker und Journalisten waren wie vom Donner gerührt. Viele brachen in Tränen aus. Statt in die 30. Ausgabe des legendären Wüstenmarathons zu starten, hieß es nun einpacken. Zum ersten Mal in ihrer von Skandalen durchzogenen Geschichte kapitulierte die Rallye Dakar vor einer Drohung. Was weder Polisario (kämpft für die Unabhängigkeit der Westsahara) noch Tuareg-Rebellen (nutzten die Rallye als Plattform für ihre Forderungen) schafften, gelang nun dem nordafrikanischen Arm der Al-Qaida.

Todeszone Westsahara

Erklärungsnot: ASO-Organisationschef Étienne Lavigne erklärt den Medienvertretern die Gründe für die Absage.

Erklärungsnot: ASO-Organisationschef Étienne Lavigne erklärt den Medienvertretern die Gründe für die Absage.

Nach zwei tödlichen Anschlägen Ende Dezember 2007 in Mauretanien verbot die französische Regierung ihren Bürgern Reisen in den Sahara-Staat. Obwohl sich das dortige Militär für die Sicherheit der Rallye (durch Mauretanien führte rund zwei Drittel der Strecke) verbürgte und dazu eigens 4000 Soldaten abstellte, blieb Lavigne keine Wahl. "Eine offizielle Warnung unserer Regierung können wir nicht ignorieren." Zu konkret waren offenbar Hinweise auf Attentatsvorbereitungen für den Rallye-Zeitraum. Sogar von Boden-Boden-Raketen war die Rede. Davon war wohl auch Marokko betroffen. Was erklärt, warum Lavigne keine verkürzte Rallye in Betracht zog. Zudem war eine Absage die einzige Chance für Veranstalter ASO, finanziell unbeschadet aus der Klemme zu kommen. Wäre es bei einem Start trotz Warnung zu Zwischenfälle gekommen, hätte sich die ASO unbezahlbaren Regressforderungen gegenüber gesehen. Die teilweise existenzbedrohenden Folgen für die Teilnehmer – viele müssen Sponsorengelder zurückzahlen – nahmen die Dakar-Macher in Kauf. Immerhin kündigte Lavigne die Rückzahlung der Startgebühren – je nach Teamgröße zwischen 30.000 und einer halben Million Euro – bis zum 28. Februar an. Und eine großartige Rallye Dakar 2009.

Was wird 2009?

Por las Pampas: Auch die Verlegung nach Argentinien, den WM-Lauf 2007 gewann Mitsubishi, ziehen die Dakar-Organisatoren in Betracht.

Por las Pampas: Auch die Verlegung nach Argentinien, den WM-Lauf 2007 gewann Mitsubishi, ziehen die Dakar-Organisatoren in Betracht.

Ob die aber nach Dakar führt, ist fraglich. Al-Qaida hat alle Sahara-Staaten vor einer Zusammenarbeit mit den "ungläubigen Gotteslästerern" gewarnt. Eine Ausweichroute durch Libyen und Tunesien könnte wie 2003 nach Ägypten führen. Eine andere Alternative ist die Verlegung in den Mittleren Osten, wo Al-Qaida – ironischerweise wegen funktionierender Alleinherrschaften – kaum präsent ist. Als Startort bietet sich Budapest an. Ungarns Hauptstadt hatte sich dafür ab 2010 beworben. Aber auch andere Lösung sind möglich. "Der Name Dakar ist ein Symbol, das weltweit funktioniert", glaubt Lavigne. Kontakte zu Veranstaltern des Weltcup-Laufs Por las Pampas in Argentinien und dem Organisator der neuen Rallye Paris-Peking (10.–30. Juni) bestehen.

Rallye Dakar: Skandal-Chronik

1986 Dakar-Erfinder Thierry Sabine (und vier Begleiter) verunglücken bei einem Hubschrauberabsturz in Mali tödlich • 1988 Im Übernachtungscamp von Bamako (Mali) wird der Peugeot des Führenden, Ari Vatanen, gestohlen. Bis sich Teamleitung und Diebe auf ein "Lösegeld" einigen, ist die Karenzzeit für den Finnen abgelaufen – die Rallyeorganisation nimmt ihn ungerührt aus der Wertung • 1991 Zwischen Tillia und Gao (Mali) schießen Terroristen auf einen Servicetruck von Citroën. Der Franzose Charles Cabannes wird tödlich getroffen • 1992 Bürgerkrieg im Tschad, Rebellen bedrohen die Rallye, die nach Kapstadt/Südafrika führt. Eine Etappe wird neutralisiert und unter Militärschutz gefahren.
Bei der Dakar 2003 faährt ein KTM-Service-Truck auf eine Landmine.

Bei der Dakar 2003 faährt ein KTM-Service-Truck auf eine Landmine.

• 1996
An der Grenze zwischen Marokko und dem nach Unabhängigkeit strebenden Gebiet der Westsahara fährt ein Rallye-Lkw auf eine Landmine. Der Franzose Laurent Guéguen kommt ums Leben • 2000 Mit Start in Dakar führt die Rallye jetzt nach Kairo/Ägypten. Im Niger stockt die Karawane für fünf Tage, weil Rebellen mit Anschlägen drohen. Mit riesigen Antonov-Frachtflugzeugen wird der Rallye-Tross von Niamey nach Alwyg/Libyen geschafft und die Rallye fortgesetzt • 2003 An der Grenze zwischen Libyen und Ägypten (Ziel ist in Sharm-el-Sheik) fährt ein Service-Lkw von KTM auf eine Mine. Niemand wird verletzt • 2004 Der französische Geheimdienst warnt vor Anschlägen in Mali. Folge: Zwei Etappen im Konvoi unter Militärschutz • 2007 Wieder drohen Anschläge in Mali. Bereits vor dem Start wird die Strecke geändert, zwei Etappen abgesagt • 2008 Anschläge auf französische Touristen (24. Dezember 2007, vier Tote) und mauretanische Soldaten (27. Dezember, drei Tote). Absage der Rallye Dakar.

Autor: Christian Schön

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