Rallye Dakar: Alle Sieger der Auto-Wertung

Rallye Dakar: Interview Peterhansel

"Beim ersten Mal fünf Stunden zu Fuß!"

Stéphane Peterhansel ist der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Rallye Dakar. Der Franzose schwelgt im ABMS-Interview in den Erinnerungen.
Herr Peterhansel, es heißt immer, der Rallye-Dakar-Peterhansel ist ein ganz anderer als der Private. Stimmt das?
Stéphane Peterhansel (52): Im privaten Leben bin ich ganz anders. Bei der Rallye Dakar bin ich ein Killer. Ich versuch alles zu geben, was in meiner Macht steht. Zuhause bin ich wesentlich softer, ruhiger, gelassener. Ich habe da ein ganz anderes Gesicht. Das erste Mal war ich mit 13 in einem Wettbewerb – noch mit einem Skateboard. Schon damals wollte ich immer der Beste sein. Das ist einfach eine Einstellungssache. Keiner hat je zu mir gesagt, du musst hier oder da gewinnen. Das kam immer von meinem Inneren heraus. Ich wollte immer allen zeigen, dass ich der Beste bin. Und diese Einstellung habe ich heute noch. Im privaten Leben, wenn da mal was nicht in die Richtung läuft, die ich gerne hätte, sag ich oft auch mal: „Na und? Kein Problem!“
Wie kommt man dazu, ein Skateboard gegen ein Motorrad zu tauschen?
Diese Geschichte ist zu lang (lacht). Ich bin schon mit acht Motorrad gefahren, aber keine Rennen. Mein Vater fuhr auch Motorrad. Mit 13 habe ich damit aufgehört und bin stattdessen bei Skateboard-Wettbewerben angetreten. Dann habe ich damit wieder aufgehört und bin zurück auf die Motorräder. Aber selbst zu der Zeit war das für mich erst Mal nur zum Spaß.
Haben Sie mit dem Skateboard auch etwas für Ihre Rennkarriere lernen können?
Ja, auf dem Skateboard brauchst du ein gutes Gleichgewicht. Und auf dem Motorrad auch.
Dieser Wille erfolgreich zu sein, ist Ihnen das in die Wiege gelegt worden?
Nein. Weder mein Vater, noch meine Mutter waren Sportler. Sie hatten diesen Geist nicht. Ich habe auch nie mentales Training gemacht, nie speziell mein Gehirn geschult. Ich war da der Erste, die erste Generation (lacht).
Wie ist dieses Rennen im Vergleich zu Afrika. Ist das für Amateure immer noch ein Abenteuer?
Nein, Afrika war etwas komplett anderes. Selbst wenn die Strecken jetzt mehr Wüsten-Anteil haben – in Afrika mussten wir mitten in der Wüste schlafen. In einem Zelt. Teilweise hast du zwei Tage oder 2000 Kilometer lang überhaupt kein Dorf, keine Menschenseele gesehen. Als ich angefangen habe, gab es auch noch kein GPS. Was wir hatten, war ein Kompass. Beim ersten Mal bin ich mitten in der Wüste mit meinem Motorrad gestrandet, musste dort schlafen, hatte kein Benzin mehr. Ich musste fünf Stunden zu Fuß gehen bis ich ein kleines Dorf erreicht habe und nach ein bisschen Sprit fragen konnte. Ich kam mit einem Tag Verspätung ins Ziel. Und da hatte ich noch Glück – ich konnte das Rennen beenden.

Rallye Dakar: Alle Sieger der Auto-Wertung

Gibt es für Amateure also gar keinen Abenteuercharakter mehr?
Weniger. Wir haben alle Technologie, Telefone, Satelliten – das hatten wir anfangs nicht. Das heißt: Du hast auch keinen Kontakt zur Familie. Vielleicht mal einen Anruf am Ruhetag. Mit der ganzen Technologie jetzt ist es zwar noch ein Abenteuer, aber halt in einer ganz anderen Epoche. Man darf nicht vergessen: Meine erste Rallye Dakar liegt genau 30 Jahre zurück.
Als Sie in der Wüste gestrandet sind, hatten Sie da auch Todesangst?
Nicht wirklich. Ich hatte meinen Teamkollegen. Wir waren zu zweit für Yamaha unterwegs. Aber es war definitiv ein großer Stress. Meine erste Rallye Dakar war nichts weiter als ein Traum meinerseits. Ich war glücklich es zu machen, aber ich wusste nicht, was mich erwartet. Es war ein ganz seltsames Gefühl. Auf der einen Seite, war ich glücklich, auf der anderen Seite wusste ich nicht, ob ich wieder zurückkommen werde.
Peugeot steigt ja aus. Sollten Sie diese Rallye Dakar gewinnen – wird es dann vielleicht noch einen 15. Sieg geben?
Ich weiß es nicht. Klar ist: Meine Zukunft ist offen, aber vor dieser Rallye Dakar wollte ich nicht darüber nachdenken. Ich bin fokussiert auf dieses Rennen, habe hart für dieses Event trainiert und hinterher werde ich mal schauen. Dann werde ich abwägen, ob ich noch ein bisschen in den Wettbewerb treten oder zurücktreten und mehr Reisen will. Ich weiß es noch nicht.
Rallye Dakar 2018: Rückschlag für Peterhansel
Sie sind ja mit Andrea Meyer zusammen, die ebenfalls eine deutsche Offroad-Rallye-Fahrerin ist und auch schon bei der Dakar dabei war. Wenn man eure Social-Media-Seiten verfolgt dann sieht man, dass ihr viel zusammen mit den Yamaha-Buggys macht. Wäre es möglich, dass ihr zusammen die Rallye Dakar fahrt? Ist das ein Traum?
Ja, ich denke darüber nach. Eine Rallye Dakar gemeinsam zu bestreiten heißt: Etwas ziemlich Heftiges zusammen zu erleben. Aber ich bin ein bisschen zwiegespalten, ob es eine gute oder eine schlechte Idee ist. Ich weiß nicht, ob ich mit ihr im Auto so schnell wäre, weil ich Angst hätte, wenn ich mit ihr einen Unfall habe. Es wäre nicht dasselbe. Mit meinem jetzigen Co-Piloten ist das sehr professionell, wir gehen beide dieses Risiko ein. Mit Andrea wäre das komplizierter.
Was wäre, wenn sie fährt und Sie der Co-Pilot wären?
Nein, nein, nein! Keine Chance! (lacht). Das ist nicht möglich. Das hat auch nichts mit Andrea zu tun, das wäre mit jedem so.
Dieses Interview führte Ellen Lohr

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Picture-alliance; Ellen Lohr

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