WRC

Rallye Finnland: Sieg im Rekordtempo

— 31.07.2016

Meeke bezwingt die Finnen

Kris Meeke schlug als erster Brite die Finnen beim Heimspiel. Nebenbei stellte er mit einem Durchschnitt von 126,6 km/h einen neuen WM-Bestwert auf.

Kris Meeke dachte zunchst an einen Scherz der Zeitnehmer. Nach der legendren Wertungsprfung Ouninpohja reichten sie dem Citron-Piloten aus Nordirland eine Fahrtzeit ins Cockpit, die um 13,6 Sekunden unter der von Jari-Matti Latvala (Volkswagen) lag. Auf 33 Kilometern so viel schneller als der Lokalheld auf seiner Heimstrecke? Kann nicht sein...

Konnte doch. Und war symptomatisch fr die berlegenheit, mit der Meeke seinen insgesamt dritten WM-Sieg einfuhr. Abgesehen von der kurzen Wertungsprfung (WP) im Stadtzentrum von Jyvskyl zum Auftakt am Donnerstagabend gab der 37-Jhrige die Fhrung niemals aus der Hand. In Finnland zu gewinnen, ist fr jeden Rallyefahrer ein Traum. Und die WP Ouninpohja ist der Heilige Gral des Rallyesports. Der gehrt jetzt auch mir, strahlte er.

Jubel bei Citron und Pilot Meeke nach dem Sieg

Meekes Sieg war der erste eines Briten in der Geschichte der seit 1951 zunchst als 1000-Seen-Rallye ausgetragenen Veranstaltung. Gleichzeitig stellte er mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 126,6 km/h einen neuen Rekord fr WM-Lufe auf. Einige Prfungen lagen oberhalb des von der FIA verordneten Maximums von 130 km/h. Was bereits Diskussionen darber entfachte, wie es wohl 2017 aussehen wird, wenn die World Rally Cars 60 PS mehr und auerdem eine effektivere Aerodynamik haben werden. Um 29,1 Sekunden musste sich Latvala am Ende geschlagen geben. Ein Rckstand, den er nicht nur auf Meekes vorteilhafte Startposition (acht) zurckfhrte. Kris ist eine sensationelle Rallye gefahren. Ich habe dagegen nie den perfekten Rhythmus gefunden, den du brauchst, um hier zu gewinnen, rumte der Volkswagen-Pilot ein. Groen Anteil daran hatte ein Ausrutscher schon in WP 4. Latvala beschdigte eine Felge und verlor durch einen schleichenden Plattfu 16 Sekunden auf einen Schlag. Hinderlich fr eine bedingungslose Aufholjagd war auch, dass Teamkollege Sbastien Ogier wenig spter (WP 10) sogar fr 16 Minuten in einem Graben feststeckte. Danach war der bis dahin drittplatzierte Weltmeister raus aus dem Kampf um eine Spitzenposition und Latvala Volkswagens einzige Hoffnung auf nennenswerte Punkte in der Hersteller-Wertung.

Mit dieser Verantwortung im Hinterkopf bin ich natrlich keine wahnsinnigen Risiken mehr eingegangen, sagte der Finne. Das Absurde daran: Obwohl Latvala nur Zweiter wurde, kassiert Volkswagen volle 25 WM-Punkte. Citron ist nicht in die WM eingeschrieben, Meeke wird bei der Punktevergabe in der Hersteller-Wertung praktisch als nicht existent eingestuft.

VW-Pilot Latvala wurde beim Heimspiel Zweiter

Um Rang drei entwickelte sich ein spannender Mehrkampf zwischen Andreas Mikkelsen (Volkswagen), Craig Breen (Citron), Thierry Neuville, Hayden Paddon (beide Hyundai), Mads stberg und Ott Tnak (beide Ford). Aus dieser Gruppe verabschiedete sich zunchst Rallye-Polen-Sieger Mikkelsen. Der Norweger rodelte erst kurz durch einen Graben und musste spter die ungeliebte Startposition eins bernehmen, als Sbastien Oger wegen eines Bremsproblems eine Zeitstrafe bekam. Kurz vor dem Ziel landete Tnak sogar endgltig im Unterholz. Schlielich eroberte Breen den letzten Platz auf dem Podium, der angesichts des besten Resultats seiner Karriere in Trnen ausbrach. Das starke Ergebnis der Citron fhrte prompt zu Spekulationen, der franzsische Hersteller habe bei der Entwicklung des 2017er World Rally Car auch gehrige Fortschritte beim aktuellen Auto erzielt.

Quatsch, wir fahren genau mit der selben Spezifikation wie bei der Rally Finnland 2015, widersprach Sieger Kris Meeke. Der entscheidende Unterschied ist vielmehr, dass ich das Auto inzwischen viel besser beherrsche und entsprechend aggressiv ans Werk gehe. Auf die bevorstehende Rallye Deutschland (18. bis 21. August) verzichtet Citron. Mindestens bis dahin bleibt Ogier auch nach der Nullrunde von Finnland Tabellenfhrer. Ich freue mich auf die Deutschland, wo ich seit sechs Monaten endlich mal wieder eine echte Siegchance habe, blickte der Franzose auf die erste Asphalt-Rallye der Saison voraus. Dann wird die Startposition eins fr den Tabellenfhrer kein Nachteil mehr sein, sondern eher ein Vorteil.

Autor: Christian Schn

Fotos: Picture-Alliance

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