Rallye-Legende Röhrl wird 60

Rallye-Legende Walter Röhrl wird 60 Rallye-Legende Walter Röhrl wird 60

Rallye-Legende Walter Röhrl wird 60

— 01.03.2007

Und ewig lockt das Auto

Autos am Limit bewegen ist das Lebenselixier von Walter Röhrl. Am 7. März wird er 60 Jahre alt – und geht längst noch nicht vom Gas. AUTO BILD MOTORSPORT gratuliert herzlich!

Walter Röhrl kann nicht anders. Zum ersten mal arbeitete Deutschlands einziger Rallye-Welmeister (1980 und ’82) als Jury-mitglied bei "Auto1", dem europäischen Vergleichstest von AUTO BILD. Und er verblüfft die Beobachter mit akribischer Arbeitsweise und druckreifen Urteilen zu den Testautos. Am 7. März feiert Röhrl seinen 60. Geburtstag. Doch von den Fähigkeiten, die ihn schon in seiner aktiven Zeit auszeichneten, hat er nichts verloren. "Wenn ich was mache, mache ich es richtig." Das war schon immer Röhrls Leitspruch.

Mit 18 als Fahrer beim Bischof

Bei den Regensburger Pfadfindern brachte er es so zum Stadtmeister im Tischtennis. Skifahren "einfach nur so" reichte ihm nicht. Es musste der Skilehrer-Schein sein. Tourenrudern? Nein danke. Röhrl wollte lieber Siege. Mit 18 Jahren chauffierte er beim Bischöflichen Ordinariat im Ford 17M den Finanzchef des Kirchenmannes durch die Gegend. Dabei auf der Landstraße immer auf der Suche nach der Ideallinie. Ungeachtet des armen Oberfinanzdirektors, der sich auf dem Rücksitz verzweifelt an den Haltegriff klammerte.

Sechs Siege in acht Läufen: Im Ascona 1,9 SR (206 PS) wurde Röhrl 1974 Europameister

1968 stand Röhrl zum ersten Mal bei einer Rallye am Start. "Mein Freund Herbert Marecek hat so lange gedrängelt, bis ich nachgegeben habe", erinnert sich Röhrl. Schnell wurde klar, dass in dem rotblonden 1,96 Meter langen Schlaks ein Riesentalent schlummern musste. Der Durchbruch gelang bei der Olympia-Rallye 1972. Bis zum Motorschaden an seinem Ford Capri führte Röhrl überlegen – vor internationalen Stars wie Jean-Pierre Nicolas (Renault Alpine) und Hannu Mikkola (auf Ford Escort). "Es war Zeit, den Job beim Bischof an den Nagel zu hängen", sagte Röhrl lapidar. Er nahm für 1973 ein Angebot von Opel an. "Fortan war ich Profi." 1974 wurde Röhrl Europameister, 1975 gewann er im dickbackigen Gruppe-2-Ascona in Griechenland seinen ersten WM-Lauf.

1980 zum ersten Mal Weltmeister

Walter Röhrl: Deutschlands (bislang) einziger Rallye-Weltmeister, ein Virtuose am Steuer.

Frustriert von zahlreichen technisch bedingten Ausfällen mit dem Ascona-Nachfolger Kadett erlag Röhrl 1977 dem Werben von Fiat-Rennleiter Daniele Audetto. Von 1978 bis 1980 fuhr "der Lange", wie Röhrl gerufen wurde, für die Italiener. In diese Zeit fiel sein erster WM-Titel (1980) und sein erster Sieg bei der Rallye Monte Carlo. Noch dreimal gewann Röhrl die berühmteste Rallye der Welt. Auf vier verschiedenen Autos (Fiat 131 Abarth, Opel Ascona, Lancia 037 rally und Audi quattro) – das schaffte kein anderer.
Zur Person:
Walter Röhrl: Rallye Weltmeister 1980 und 1982
Geboren: 7. März 1947
Geburtsort: Regensburg
Wohnort: St. Englmar
Nationalität: Deutscher
Familienstand: verheiratet mit Monika
Erlernter Beruf: Chauffeur, Rallye-Fahrer
Hobbys: Skifahren, Radfahren

Ärger mit Mercedes, Höhenflug mit Audi

Seine Fähigkeit, Rallyes auf Asphalt, auf Schnee und auf Schotter zu gewinnen, brachten Röhrl später die Auszeichnung als "Rallyefahrer des Jahrhunderts" ein. Dass Röhrl schwierig sein kann, erlebte dann Mercedes.

Ausflug ins Allrad-Lager: Freiflug im Audi quattro A2 (370 PS).

Ende 1980 heuerten die Stuttgarter den frisch gebackenen Weltmeister an, um 1981 selbst den Titel zu holen. Nach ersten Tests mit dem SL-Coupé sagte der Bayer den Schwaben unverblümt, dass sie sich dieses Vorhaben mit diesem Auto abschminken könnten. Mercedes zog sich zurück, der Champion stand ohne Cockpit da. Opel sprang in die Bresche, im Ascona 400 wurde Röhrl 1982 erneut Weltmeister.1984 stellte sich Röhrl einer neuen Herausforderung. Erstmals versuchte er sich am Allradantrieb. Nach wenigen Testkilometern war er im Audi quattro schneller als Weltmeister Hannu Mikkola im gleichen Auto. Wie kein anderer konnte Röhrl mit den zeitweise mehr als 500 PS starken Fahrzeugen der sogenannten Gruppe B umgehen. "Du musst das Verhalten des Autos vorherahnen", beschrieb er die für weniger talentierte Fahrer gefährlichen Boliden.

Rallye in der Familienkutsche? Nicht mit Walter!

Ende 1986 ersetzte der Weltmotorsportverband FIA die Gruppe B durch die nur halb so leistungsstarke Gruppe A. Nach einigen Rallyes in der Familienkutsche Audi 200 quattro war für Röhrl klar: "Ohne mich."

Classic-Fan: Walter Röhrl in einem Porsche 550 Spyder.

Noch ein Sieg beim Bergrennen am Pikes Peak und bei der Drei-Städte-Rallye, dann sagte er dem Rallyesport 1987 ade. Für Audi siegte er dann noch auf der Rundstrecke. In Amerika und in der DTM. 1992 war Schluss mit dem Fulltime-Job als Profi. Doch ganz ohne Auto ging es nicht. Röhrl wurde Repräsentant und Fahrwerksentwickler bei Porsche.

Nebenbei startete er immer wieder bei Oldtimer-Rallyes. Auch 2007 geht nicht über die Bühne, ohne dass Röhrl dann und wann den Helm aufsetzt. Bei der Ennstal-Classic (24. bis 28. Juli) will er einen Porsche 718 RS Spyder ausführen. Für die Youngtimer-Rallye Köln-Ahrweiler (9. bis 11. November) baut ihm Stoßdämpfer-Hersteller Bilstein eigens einen Porsche 911 auf. Freunde haben ihm einen Lancia 037 rally für die historische Rallye Korsika (4. bis 7. Oktober) angeboten. Die Gegner sollten sich schon mal warm anziehen.

Die Motorsportwelt gratuliert Walter Röhrl

• "Früher habe ich Röhrl die Daumen gedrückt und für seine Fahrten bewundert. Heute schicke ich ihm auf diesem Weg alle guten Wünsche zu Geburtstag."
Michael Schumacher (38), siebenmaliger Formel-1-Weltmeister.

•"Lieber Walter, zum 60. alles Liebe. Du bist für alle Motorsportler ein Vorbild, und ich hoffe, dass Du dem Motorsport noch lange erhalten bleibst."
Bernd Schneider (42), fünfmaliger DTM-Champion.

• "Ich war fasziniert davon, wie Walter auf den Pedalen tanzte. Daran musste ich denken, als ich mein erstes Auto fuhr."
Sëbastien Loeb (33), Rallye-Weltmeister, zu TV-Aufnahmen von der Rallye Portugal 1984, bei denen nur Röhrls Füße im Bild waren.

• "Fahrer wie Röhrl hatten es gut. Die durften noch Autos mit mehr als 500 PS fahren."
Petter Solberg (32, Subaru), Rallye-Weltmeister von 2003, der sich heute mit 300 PS zufrieden geben muss.

Co-Pilot Geistdörfer: "Ich wünsche Dir täglich ein Lachen"

"Die Genialität mit der Du, lieber Walter, auch heute noch Fahrzeuge am Limit bewegst, ist für jeden Mitfahrer spürbar. Ohne Hektik, fast wie in Superzeitlupe, zelebrierst Du den Ritt auf der Rasierklinge. Ein Mega-Erlebnis für jeden. Zehn Jahre durfte ich als Beifahrer Dein intuitives Fahrkönnen genießen. 1974 haben wir uns bei Opel kennengelernt.

Christian Geistdörfer, zehn Jahre Co-Pilot von Walter Röhrl.

Ich durfte Servicepläne und Landkarten für Deine Rallye vorbereiten. 1977 ging mein größter Wunsch in Erfüllung. Wir fuhren als Team Rallye. Es folgten extrem erfolgreiche Jahre. Wir waren ein Superteam, das sich blind verstand und vertraute. Es ist mir unmöglich, alle emotionalen Augenblicke wiederzugeben. Die Entscheidung, eine Begebenheit stellvertretend zu erzählen, war mir unmöglich. Ich verneige mich vor dem Menschen Walter Röhrl. Deine fahrerischen Qualitäten sind unbestritten. Dein Wandel vom ungezügelten Jähzorn früher Jahre zum geduldigen, milden Genießer ist sehr angenehm. Der Tierliebhaber (Röhrl hat eine Katze; die Red.) hat mich überrascht. Das ist eine ganz neue Facette an Dir. Ich wünsche Dir noch viele erfüllte Jahre, Gesundheit und täglich ein herzerfrischendes Lachen. Vielen Dank für Deine Freundschaft und alles Gute zum 60. Dein Cristian Geistdörfer"

Das Walter-Röhrl-Museum kommt, ...

Klein, aber fein: das Röhrl-Museum Rallye-Fan Alfons François Bauer.

Noch ist es ein Privatvergnügen. Rallye-Fan Alfons François Bauer (31) aus Straubing hat in seinem Haus ein Röhrl-Museum mit zahlreichen einzigartigen Stücken aus der Karriere des Ex-Weltmeisters aufgebaut. Die Verlegung des Museums nach Regensburg, in Röhrls Elternhaus, ist geplant. Dann soll die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

... die DVD ist schon da (und bereits wieder weg)

Die Karriere der Rallye-Legende gibt es ab sofort auf einer neuen DVD. Wer eine ergattern konnte, darf sich glücklich schätzen: Bereits nach einem Monat war das gesamte Kontingent restlos ausverkauft. Mit Recht: AUTO BILD zeigt die spektakulärsten Bilder aus Walter Röhrls Rennfahrerleben anhand historischer Aufnahmen. Interviews mit seinen wichtigsten Beifahrern und Kollegen sowie Beiträge über seine Teilnahme an Classic-Renn-Events beleuchten einen Ausnahme-Könner am Lenkrad.

Autor: Christian Schön

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