Rallye: Röhrl feiert den 70.

Rallye: Röhrl feiert Geburtstag

— 07.03.2017

Auch mit 70 gibt er noch Gas

Der doppelte Rallye-Weltmeister ist einer der besten Autofahrer aller Zeiten. Nun feiert er runden Geburtstag, fährt nach wie vor Rennen.

Herr Röhrl, am 7. März werden Sie 70 Jahre alt. Was treiben Sie gerade so?

Walter Röhrl (69): Heute habe ich den ganzen Vormittag damit verbracht, Holz zu spalten. Muss auch mal sein. Ansonsten führe ich das ganz normale Leben eines Pensionärs. 170 Tage war ich letztes Jahr unterwegs. Hauptsächlich für Porsche. Südafrika, Südfrankreich, Finnland, Österreich. Ansonsten fahre ich viel Rad oder bewege meine Oldtimer. Im Winter rumpel ich öfters den Berg rauf und wieder runter mit meinen Skiern.

Wieso rauf?

Skilifte sind nichts für mich (lacht). 

Sie fahren auch Oldtimer-Rallyes. Zuletzt  nahmen Sie an der Histo Monte teil.

Ja. Ich fuhr in einer Replika meines Audi Quattro von 1984. Bei so einer Gleichmäßigkeitsprüfung ist es ja im Prinzip so, dass der Langsamste gewinnt. Der, der am schnellsten fährt, wird also Letzter. Das war mein Ziel, und das habe ich geschafft.

Sie sind zweifacher Rallye-Weltmeister, sind aber auch DTM gefahren.

Er gilt als der beste Autofahrer Deutschlands: Walter Röhrl

Genau. 1990, mit dem Audi V8. Ich sollte dem Hans Stuck helfen, den Titel zu holen. Erst mal zeigte ich aber, wer der Chef im Ring ist und gewann. Das hat der Hans auch akzeptiert. Später half ich ihm beim letzten Rennen in Hockenheim natürlich, die Meisterschaft zu gewinnen. Ich schirmte ihn gegen BMW-Fahrer Cecotto ab. Der Depp probierte aber, mir ständig ins Heck zu fahren, um mich umzudrehen. Das Auto ging jedes Mal quer, ich korrigierte. Das war für mich als Rallyepiloten die einfachste Übung. Ich winkte ihm immer zu, er soll weitermachen, weil ich meinen Spaß hatte.

Mit Michael Schumacher hatten Sie ja auch mal zu tun ...

Auf der Nürburgring-Nordschleife  fuhr ich Vergleichstests mit einem Serien-­Ferrari und einem Porsche. Plötzlich sehe ich vor mir einen anderen Ferrari. Und der Typ am Steuer hat richtig Stoff gegeben. In einer Rechtskurve stand sein Ferrari kurz quer, und ich bin innen an ihm vorbei.  Als ich das Auto dann später ausrollen ließ, fuhr er neben mich, zeigte mir aus Spaß die Faust und rief: „Du Hund, musst du mich ausgerechnet in einem Ferrari niedermachen?“ Es war Michael Schumacher.

Sie gelten als bester Autofahrer Deutschlands, sollen mal eine Sonderprüfung in der Nacht mit geschlossenen Augen gefahren sein, weil man durch starken Nebel eh nichts sehen konnte.

Blödsinn. Ich habe ein tolles Gebetbuch (ein Heft mit Aufzeichnungen über die Wertungsprüfungen; d. Red.) gehabt und mit Christian Geistdörfer einen tollen Beifahrer, der zum richtigen Zeitpunkt das Richtige vorgelesen hat. Es war ja auch kein richtiger Blindflug. Zwei Meter Sicht hatten wir ja noch.


Dennoch gilt die Prüfung als das Beste, was ein Rallyepilot jemals geleistet hat ...

Ist mir schon klar. Vier Minuten 50 schneller zu sein auf einer Sonderprüfung als die gesamte Weltelite ist schon eine Ansage.

Geht das heute noch?

Wir hatten damals 540 PS, da beginnt das Autofahren richtig. Da war es für den Guten einfacher zu gewinnen als heute für einen Sébastien Ogier. Ich habe nicht mit zehn Sekunden gewonnen, sondern mit zehn Minuten. Weil die Möglichkeit, Fehler zu machen, viel größer war.

Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Picture-Alliance

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