Rallye-WM

Die unendliche Geschichte Die unendliche Geschichte

Rallye-WM

— 13.08.2002

Die unendliche Geschichte

Seit gut 90 Jahren ist Ford eine feste Größe im internationalen Rallyesport. Der große Siegeszug begann 1968 mit dem Typ Escort, dem bisher erfolgreichsten Rallyeauto aller Zeiten.

Ford Escort – eine neue Epoche

Wenn jemand eine Automobilmanufaktur gründet und dabei einen Rennsieg als Startkapital einsetzt, ist der weitere Weg der Marke bereits vorgezeichnet. Und so spielte Motorsport in der Firma von Henry Ford von Anfang an – also seit 1901 – eine tragende Rolle. Neben zahlreichen Erfolgen in der Formel 1 (175 Grand-Prix-Siege, 23 Fahrer- und Konstrukteurstitel), der amerikanischen ChampCar-Serie (elf Meistertitel, elf Siege beim Indy 500) und bei Tourenwagen (drei Weltmeisterschaften) feierte der Weltkonzern aus Dearborn/Detroit auch eine Vielzahl von Triumphen auf der Rallyepiste. Colin McRae landete bei der Safari-Rallye im Juli den 43. Ford-Sieg seit Einführung der Weltmeisterschaft 1973.

In die Vor-WM-Zeit gehören solch verblüffende Siege wie der 1953 bei der Rallye Monte Carlo mit dem nur bedingt rallyetauglichen Ford Zephyr. In die gleiche Rubrik, allerdings ins Kapitel "Fehlschlag", fällt der Versuch der amerikanischen Motorsportabteilung, die Safari-Rallye mit dem 4,2-Liter-Schlachtschiff Ford Falcon anzugehen. Richtig Schwung in die Sache Rallye kommt bei Ford erst, als die englische Niederlassung das Kommando übernimmt. 1963 entsteht auf dem ehemaligen Flugplatz Boreham nahe London eine eigene Motorsportabteilung mit angeschlossener Teststrecke. Die findigen Ingenieure stecken einen Lotus-Motor unter die Haube des eher langweiligen Ford Cortina – fertig ist ein Rallyesieger (u. a. Safari 1964).

Zweifellos der Aufbruch in eine neue Epoche markiert die Präsentation des Ford Escort 1968. Ausgestattet mit einem Doppelnockenwellen-Motor (Twin Cam), ist er auf Anhieb ein vollwertiger Gegner für die bis dahin überlegenen Porsche. Eine 30 Jahre währende Karriere macht den Ford Escort zum erfolgreichsten Rallyeauto aller Zeiten. Der RS 1800 holt 1979 den bislang einzigen Marken-WM-Titel für Ford, Björn Waldegaard wird im selben Jahr Fahrer-Champion. 1981 gelingt dem Finnen Ari Vatanen (RS 1800 Mk II) letztmalig das Kunststück, als Privatfahrer die Werkspiloten im Kampf um den Fahrertitel zu schlagen. Auf dem Beifahrersitz sitzt David Richards, heute der Bernie Ecclestone des Rallyesports.

Historie der Rallye-WM

Nach einer Zeit reduzierten Engagements und nur halbherzigen Bekenntnisses zur so genannten Gruppe B (die Audi-quattro-Ära) kehrt Ford 1990 mit der Allradversion des Sierra offiziell in die Rallye-WM zurück. 1993 wird der Viertürer durch den kompakteren Escort Cosworth ersetzt, von dem Ford 1997 auch eine Übergangsversion auf dem Weg zu einem echten World Rally Car (WRC) präsentiert. Carlos Sainz siegt zwei Mal. Die Möglichkeiten des neuen Technik-Reglements nutzt jedoch erst der Ford Focus WRC (ab 1999, bisher elf WM-Siege) voll aus. Aber nicht nur der Spitzensport hat bei Ford seinen Stellenwert. Das WM-Team ist inzwischen nach Cockermouth umgezogen. In Boreham kümmert man sich deshalb verstärkt um den Rallye-Nachwuchs. Hier werden die Sportversionen des Puma und Ka gebaut. Jüngst überraschten die Ingenieure mit einem Konzept-Auto für jugendliche Einsteiger – einer Art Rallye-Kart.

Wann der Begriff Rallye (aus dem Englischen to rally = versammeln) zum ersten Mal verwendet wurde, ist umstritten. Jedenfalls gilt die 1911 aus der Taufe gehobene Rallye Monte Carlo als "Mutter aller Rallyes". Wurden die Rallyes jahrelang als Langstreckenrennen (z. B. Lüttich-Sofia-Lüttich) auf öffentlichen Straßen veranstaltet, zwang der immer dichter werdende Verkehr allmählich zum Umdenken. Es waren die Engländer, die erstmals Rallyes auf eigens für diesen Zweck abgesperrte Pisten verlegten. Damit einher ging ein Wandel im Charakter des Sports: Nicht mehr Zuverlässigkeit über Marathon-Distanzen, sondern pure Geschwindigkeit war nun gefragt.

Heute besteht eine Rallye aus mehreren Wertungsprüfungen (in der WM Gesamtlänge maximal 400 km, gefahren in drei Tagesetappen), auf denen die sportliche Entscheidung fällt. Zwischen den WPs bewegen sich die Teilnehmer im öffentlichen Straßenverkehr. Sie müssen sich also an die im jeweiligen Land geltenden Regeln halten, ihre Autos müssen Straßenzulassung haben – und tragen deshalb im Gegensatz zu Rennfahrzeugen auf der Rundstrecke offizielle Nummernschilder. Für Rallyes gibt es eine Weltmeisterschaft mit derzeit 14 Läufen weltweit (veranstaltet seit 1973 für Marken, seit 1979 für Fahrer), überregionale Meisterschaften wie die Europameisterschaft oder das Asien-Pazifik-Championat sowie nationale Wettbewerbe wie die Rallye-DM. Parallel zu diesen "klassischen Rallyes" hat sich der Offroad-Sport entwickelt, Top-Ereignis ist die Marathon-Rallye Dakar. Hier gilt ein völlig anderes sportliches und technisches Reglement.

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