Ogier

Rallye-WM: Vorschau Rallye Italien

— 09.06.2016

Staub-Schlacht bei Mörder-Hitze

Am Wochenende geht auf der Mittelmeerinsel Sardinien der sechste Lauf der Rallye-WM über die Bühne. Er zählt zu den härtesten Schotter-Rallyes.

Seit 2013 ist Sébastien Ogier (32, Volkswagen) bei der Rallye Italien ungeschlagen. Um Sieg Nummer vier ist es allerdings schlecht bestellt. Und zwar gleich aus zwei Gründen.

Der WM-Lauf auf Sardinien am kommenden Wochenende (9. bis 12. Juni) kollidiert womöglich mit der Geburt seines ersten Kindes. „Eigentlich ist der Geburtstermin nach der Rallye, aber man weiß nie“, sagt Ogier. Jedenfalls steht er  in ständigem Telefonkontakt mit Gattin Andrea Kaiser. „Sollte es während der Rallye kommen, würde ich mich sofort auf den Heimweg machen. Das ist ein Moment im Leben, den ich nicht verpassen möchte.“ Die Rückendeckung seines Teams für den verfrühten Rückflug hätte Ogier.

Grund Nummer zwei ist das Dauerthema der ersten Saisonhälfte der Rallye-WM – die Startreihenfolge. „Ich weiß schon vor dem Start, dass ich nicht gewinnen kann“, ärgert sich Ogier. Zu groß ist seiner Ansicht nach der Nachteil, als Erster auf die Strecke zu müssen. Ironischerweise hat sich der dreimalige Weltmeister dieses Handicap selbst eingebrockt.

Erster ist im Nachteil

2013 und 2014 siegte der Volkswagen-Pilot bei 17 von 26 WM-Läufen und wurde jeweils überlegen Weltmeister. Langweilig, befand der Weltmotorsportverband FIA und änderte das Reglement. Seit 2015 muss der Tabellenführer – also Sébastien Ogier – statt zuvor nur am Freitag nun jeweils während Etappe eins und zwei die Strecke eröffnen. Das ist bei Schotter-Rallyes grundsätzlich ein Nachteil. Wer vorne fährt, fegt losen Staub von der Ideallinie. Die nachfolgenden Gegner, sortiert nach WM-Stand, finden eine vergleichsweise griffige Spur vor. Der Unterschied zwischen Startpositionen eins und zehn beträgt je nach Rallye bis zu einer halben Sekunde pro Kilometer. Auf den Schotterpisten der Mittelmeerinsel Sardinien ist der Effekt am stärksten.

Noch 2015 war Ogier trotzdem nicht zu bremsen. Er gewann acht von 13 WM-Läufen, darunter sogar die Rallye Italien, und holte sich erneut den WM-Titel. Entsprechend verschnupft reagiert die FIA bisher auf die ständige Kritik von Ogier am System der Startreihenfolge.
Doch 2016 hat sich die Situation geändert. Zum einen werden die dritten Etappen immer kürzer. Ogier bleiben immer weniger Wertungsprüfungen für seine sonntägliche Aufholjagd. Bei der Rallye Italien sind es bei einer Gesamtlänge von 325 Kilometer rund 43 Kilometer. Mehr als vielleicht 12 bis 15 Sekunden Rückstand kann selbst Ogier über diese Distanz nicht aufholen.

Außerdem werden Ogiers Gegner immer stärker. Die Jungstars Hayden Paddon (29, Hyundai) und Andreas Mikkelsen (26) rücken dem Champ unaufhaltsam dichter auf die Pelle. Routinier Kris Meeke (36, Citroën) fährt nur ausgewählte WM-Läufe, profitiert immer von einer vorteilhaften Startposition. Und wenn Teamkollege Jari-Matti Latvala (31) seinen Polo R WRC auf der Straße hält, ist er ohnehin ein ebenbürtiger Gegner für Ogier. Bei drei von fünf Rallyes der Saison 2016 ist der Weltmeister bereits geschlagen worden – eine so schlechte Quote hatte Ogier seit dem WM-Einstieg von Volkswagen 2013 noch nie.

Sébastien Ogier ist mit den Entwicklungen in der Rallye-WM nicht zufrieden

Immerhin, bei der Rallye Italien ist Portugal-Sieger Meeke nicht am Start. Mikkelsen startet direkt hinter Ogier, hat also eine ähnlich schlechte Ausgangsposition. Argentinien-Sieger Paddon ist auf Tabellenrang vier schon spürbar besser dran. Die großen Favoriten sind allerdings Latvala auf Startposition sechs und Hyundai-Pilot Thierry Neuville (27), der als Neunter ins Rennen geht.

Doch sie alle müssen die Rallye Italien erst einmal überstehen. Die bereits hochsommerliche Hitze mit Temperaturen jenseits von 30 Grad setzt in Kombination mit vergleichsweise geringen Geschwindigkeiten den Autos schwer zu. Kühlsysteme von Motor und Antrieb werden aufs Äußerste gefordert, Fahrer und Beifahrer sitzen in einer rollenden Sauna.

Besonders hart ist der Samstag, an dem die knapp 45 Kilometer lange Prüfung „Monte Lerno“ zwei Mal auf dem Programm steht. Hier geht es auch über den mit rund 40 Meter Flugweite nicht weitesten, dafür aber mit über drei Meter höchsten Sprung der gesamten WM-Saison – den nach seinem Erbauer benannten, künstlich angelegten „Micky’s Jump“.

Die Rallye Italien im Fernsehen

Freitag, 10. Juni 2016
18:00 Uhr                  Sport1         Highlights 1. Tag
                                   
Samstag, 11. Juni 2016
01:25 Uhr                  Sport1+       Highlights 1. Tag
15:30 Uhr                  Sport1         Highlights 2. Tag
18:40 Uhr                  Sport1+       Highlights 2. Tag
                                   
Sonntag, 12. Juni 2016
09:00 Uhr                  Sport1         Wertungsprüfung 17 live
09:00 Uhr                  Sport1+       Wertungsprüfung 17 live
10:30 Uhr                  Sport1         Highlights 3. Tag
11:10 Uhr                  Sport1+       Highlights 3. Tag
12:00 Uhr                  Sport1+       Powerstage live
17:05 Uhr                  Sport1+       Highlights 3. Tag
23:30 Uhr                  Sport1         Highlights 4. Tag
                                   
Montag, 13. Juni 2016
02:00 Uhr                  Sport1+       Highlights 4. Tag

Autor: Christian Schön

Fotos: Hersteller

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