Rallye Zypern 2002

Rallye Zypern 2002 Rallye Zypern 2002

Rallye Zypern

— 30.04.2002

Voll von der Rolle

Trotz konstanter Bestzeiten verschenkten die Schotter-Spezialisten Ford und Subaru fast sichere Siege. Nur Peugeot ließ sich trotz sintflutartiger Regenfälle und brutalen Steinschlags nicht aus der Spur bringen.

Unzerstörbare Peugeot 206

Ford-Star Colin McRae war ein geschlagener Mann. "Jetzt gehen die Dinger nicht mal mehr auf Schotter kaputt", fluchte der schottische Ex-Weltmeister (1995) im Ziel der Rallye Zypern. Seinen eigenen Focus WRC konnte er damit kaum gemeint haben. Der sah nach zwei Überschlägen in der letzten Etappe mehr nach dem Überrest eines Demolition-Derbys als einem 600.000-Euro-Hightech-Auto aus.

Die Dinger, damit bezeichnete McRae die Werks-Peugeot 206+ WRC. 2001 waren die Franzosen der Konkurrenz auf Zypern noch klar unterlegen. Dieses Mal erwiesen sie sich als unzerstörbar. Alle Teams, auch Peugeot, wurden von den widrigen Wetter- und Streckenverhältnissen in diesem Jahr überrascht. Kaum ein Fahrer, der sich nicht überschlug. Während das die übrigen Teams voll von der Rolle brachte, machte Peugeot das Beste draus. Ford-Pilot Colin McRae ließ sich in zwei Fahrfehler treiben. Statt des sicher geglaubten Sieges blieb ihm nach Überschlägen nur Platz sechs.

Peugeot brauste als lachender Erster ins Ziel. Vierter Doppelsieg in Folge. Schon vor der Saisonhalbzeit scheint der amtierende Markenweltmeister den dritten Titel so gut wie in der Tasche zu haben. Auch wenn Sportdirektor Corrado Provera in Zweckpessimismus macht und vorschnelle Gratulationen vehement abwehrt: "Unsere Gegner sind stark, sie werden uns das Leben noch schwer genug machen."

Sieger und Besiegte

Ganz falsch liegt der Italiener nicht. Das Zypern-Ergebnis der Peugeot-Werkspiloten - Sieg für Marcus Grönholm, Rang zwei für Richard Burns, Platz vier für Harri Rovanperä, Asphalt-Spezialist Gilles Panizzi wurde Zehnter - entspricht zwar dem Kräfteverhältnis in den Disziplinen Technikzuverlässigkeit und Fahrerintelligenz. Nicht aber im Fach pure Schnelligkeit. Sieger Grönholm fuhr nicht eine einzige Bestzeit. Die Teamkollegen gewannen gerade einmal zwei von 19 Wertungsprüfungen (WP). Subaru dagegen stand gleich elfmal ganz oben auf der Zeitenliste (sechsmal Petter Solberg, fünfmal Tommi Mäkinen). Die übrigen WP-Siege gingen an das Ford-Quartett Colin McRae, Carlos Sainz, François Duval und Markko Märtin. Doch nach fünf sieglosen WM-Läufen 2002 wird bei Ford jetzt aufgeräumt.

Der Schlüssel zum Erfolg bei der Rallye Zypern lag in der Zuverlässigkeit. Und zwar von Technik und Fahrern. Marcus Grönholm, Richard Burns und Tommi Mäkinen - die großen drei auf dem Siegerpodest - waren die Einzigen unter den ersten sechs, die von größeren Problemen verschont blieben und sich keinen Überschlag leisteten. Die Konkurrenz war zwar oft schneller, zerbröselte aber regelrecht am zyprischen Schotter. Besonders hart erwischte es Ford. Carlos Sainz büßte durch gebrochene Antriebswellen und Defekte in der Servolenkung schon am ersten Tag alle Chancen auf eine Wiederholung seines bislang letzten Sieges aus dem Jahr 2000 ein. François Duval, der 21-jährige Shootingstar aus Belgien, musste seinen Focus mit Motorschaden abstellen. Markko Märtin ließ nur während der ersten Etappe sein Können aufblitzen.

Besonderer Schwachpunkt des Focus WRC: die Servolenkung. Am Ende der 16. Wertungsprüfung war die Lenkhilfe gleich bei allen drei noch im Rennen befindlichen Autos ausgefallen. "Ein Treffer gegen einen größeren Stein, und der Servo ist hinüber", beschwerte sich Sainz bei Chefingenieur Christian Loriaux. Eine Erklärung für die Schwäche ihrer Servolenkung hatten die Ford-Techniker auf die Schnelle nicht parat. Doch der Druck auf das Team, das in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig die Markenweltmeisterschaft knapp verpasst hat, wächst. "Zuletzt waren wir 1979 Weltmeister", sagte Sportdirektor Martin Whitaker. "25 Jahre wollte ich auf den nächsten Titel eigentlich nicht warten."

Subarus Fehlentscheidung

Den prestigeträchtigen Markentitel bereits abgeschrieben hat Subaru. "In der Fahrer-WM haben wir noch alle Chancen", flüchtet Teamdirektor David Lapworth auf den Nebenschauplatz. Das japanisch-britische Team büßt für die Entscheidung, mit nur zwei Werksautos anzutreten. Hat ein Pilot Probleme - wie Petter Solberg auf der ersten Zypern-Etappe mit fehlendem Hydraulikdruck in der Differenzialsteuerung -, sinken die Chancen auf Punkte gleich um 50 Prozent. Denn die Konkurrenz baut auf drei oder vier Fahrzeuge.

Und Peugeot-Tüftler haben konsequent Schwachpunkte der vergangenen Saison ausgeräumt. "Die Zuverlässigkeit auf hartem Schotter, wie er auf Zypern oder bei der Rallye Akropolis in Griechenland anliegt, war 2001 unser Hauptproblem", sagte Peugeot-Chefingenieur Pierre-Yves Dujardin. "Daran haben wir gearbeitet. Nicht an der Schnelligkeit." Dujardin ließ zwar die elektronische Traktionskontrolle testen, verzichtete aber auf die aktiven, hydraulisch gesteuerten Stabilisatoren. Die hatten den 206 WRC bei den Asphalt-Rallyes zum überlegenen Fahrzeug gemacht.

Überdies sind offenbar die Peugeot-Topfahrer auch mental überlegen. Während sich die Gegner fast im Minutentakt aufs Dach legten, hielten sich Marcus Grönholm und Richard Burns clever zurück. Sie wissen: Die sehr hohe Bodenfreiheit der WRC auf Schotter lässt den Schwerpunkt nach oben wandern. Folge: Überschlag-Gefahr in Kehren. "Man wirft das Auto quer in die Kurve, oft mit Handbremse", erklärte Richard Burns. "Trifft man eine tiefe Rille, kippt das Auto einfach um." Grönholm frotzelte: "Wer durch den Graben abkürzt, darf sich nicht wundern, wenn Steine im Weg liegen."

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