Range Rover Velar trifft seinen Urahnen

Range Rover Velar trifft seinen Urahnen

Range Rover Velar trifft seinen Ahnen

— 01.06.2017

Geheimakte Velar

Velar? Hinter dem neuen SUV von Range Rover steckt eine Spion-Story, die in den 60er-Jahren begann. Wir lassen Geschichte wieder aufleben.

Es klingt wie ein Agentenroman aus den Sechzigern. Mit falschen Adressen bei London und einer Automarke, die nur zur Tarnung angemeldet wurde. "Velar" hieen bei Land Rover die ersten Prototypen, die anonym im Test liefen, um Spione auszutricksen. Schlielich kannten die Briten die Sprengkraft ihrer Erfindung. Sie hatten den ersten Luxusgelndewagen entwickelt, der ab 1970 zwischen den Grenzlinien operierte. Sein Name: Range Rover. Ist das britischer Humor, dass die Nobelmarke nun ihr jngstes, so aufflliges Fahrzeug nach dem mysterisen Offroad-Agenten benennt?

Range Rover hat dem Velar eine couphafte Linie gegeben

Das 1,62 Meter tiefe Dach des Velar duckt sich couphaft flach, sein langes Heck wirkt eher ntzlich.

Vielleicht ahnen die Produktplaner, dass der neue Velar hnlich einschlagen knnte. Auch der lauert wieder zwischen den Linien: markenintern zwischen Evoque und Range Rover Sport, drauen eher bei Edel-SUV wie Mercedes GLC und Volvo XC60 zu Hause. Sein 1,62 Meter tiefes Dach duckt sich couphaft flach, das lange Heck wirkt eher ntzlich (673 Liter Kofferraum) als exaltiert. Waffenscheinpflicht verlangt vor allem sein Gesicht. Nie zuvor blitzte ein Range aus so schmalen LED-Augen, nie traute er sich eine so angeberisch bullige Nase. Da endet die Tarnung. Der Einstieg ist kein Kletterakt wie beim Range Rover, sondern gelassenes Gleiten in eine Luxus- Lounge. Hier duftet im Showcar das zweifarbige Leder, die Einrichtung glnzt aufgerumt mit wenigen Knpfen. In der Mittelkonsole dreht sich ein zweites Display dem Blick entgegen, darunter liegt eine hochglnzende Flche, die beim Anlassen hinterleuchtet erwacht wie ein Hologramm. Groes Kino.
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Das Motorenprogramm des Neulings kennt man bereits

Unter der Motorhaube stecken bekannte Diesel von 180 bis 300 PS und Benziner mit 250 bis 380 PS.

Im Fond schlgt man gelassen die Beine bereinander, doch ein Blick nach hinten ernchtert: Ein SUV-Coup kennt keine Rcksicht. Details wie der hochfahrende Schaltknauf oder diverse Hebel erinnern an den Jaguar F-Pace, der im Werk Solihull mit der gleichen Technik vom Band luft. Wird der Velar als Doppelgnger enttarnt? Fast, denn unter der Motorhaube stecken bekannte Diesel von 180 bis 300 PS und Benziner mit 250 bis 380 PS, immer in Tateinheit mit der Achtstufenautomatik (der F-Pace bietet auch Handschalter). Erst im Gelnde, wo jeder Range Rover immer der Beste sein will, ist der Velar aus hrterem Holz geschnitzt als der Jag: Er hat immer Allrad, gegen Aufpreis Luftfederung fr mehr Bodenfreiheit und allerlei elektronische Helfer, die den Untergrund lesen und den Antrieb auf bestes Durchkrabbeln einstellen.

Aber wo wird der Neuling waten im Matsch oder auf Marmorbden? "Wer Range Rover will", sagt Roger Crathorne, "kauft keinen 4x2." Der grauhaarige Herr mit dem feinen Lcheln hat die ersten Velar mitentwickelt und erlebt, wie die Marke vom Geheimtipp zum Edel-Darling wuchs. "Anfangs machte die Kraftbertragung Gerusche, also brauchten wir Dmmung so kam der Teppich in den Range."

Im Vergleich mit dem Neuen wirkt der alte sehr spartanisch

Als SUVs noch Gelndewagen waren: Der Arbeitsplatz im Range Rover von 1971 wirkt extrem nchtern.

Roger zeigt in den Kofferraum des 71er Modells und hebt rechts eine Matte. "Hier lagen die Werkzeuge offen, das Auto sollte mit dem Schlauch zu reinigen sein. Als die Knigin kam, forderte der Hof einen Schutz, damit die Corgis von Queen Elizabeth sich nicht verletzen." So bekam der Range Rover Verkleidungen. Auf die Idee mit den hinteren Tren kamen die Briten erst 1981, die Automatik folgte 1982. Eine Karriere zwischen Schrullen und schnem Schein. Das Original ist im Vergleich zum modernen Velar ein abwaschbares Glashaus, spartanisch mit 135 PS und seinen schmalen Reifen. "Aber genauso gelndetauglich", betont Roger Crathorne, der als Testfahrer in schwerstem Terrain ackerte. "Wir mussten halt mehr arbeiten." Am Preislevel, damals schon enorm hoch, hat sich wenig gendert. Selbstbewusste 56.400 Euro fr den Velar (ab Herbst beim Hndler) kalkulieren den satten Image-Aufschlag ein; der starke 3,0-Liter-Diesel startet erst bei rund 90.000 Euro.

Solche Summen konnten einen Range Rover noch nie aufhalten, auch den Velar befeuert ein exklusiver Kraftstoff: ein Mix aus Knnen und Komfort, aus Schmutz und Style. Aber das ist kein Geheimnis mehr.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

So wie der Evoque wird auch der Velar einschlagen. Nicht weil er der Beste im Gelnde ist, sondern diesen Ruf geschickt in Blech packt: unten die bullige Burg, darber ein modisches Flachdach und das zu Preisen, die nicht jeder bezahlen will. Das bringt gewollte Exklusivitt.

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