Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer

Raser-Prozess: BGH hebt Bewährungsurteil auf

— 06.07.2017

Raser doch in den Knast?

Nach einem neuen BGH-Urteil müssen zwei Kölner Unfallraser wohl doch ins Gefängnis. Bei einem Rennen war eine Radfahrerin gestorben.

Einer der beiden Angeklagten (l.) am 23. Mai 2016 im Langericht Köln neben seinem Anwalt.

(dpa/brü/cj) Zwei junge Raser aus Köln kommen nach einem verbotenen Autorennen mit tödlichem Ausgang voraussichtlich doch ins Gefängnis. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hob am 6. Juli 2017 ein Urteil des Kölner Landgerichts teilweise auf, weil die Haftstrafen gegen die Männer zur Bewährung ausgesetzt waren. Es gebe Begründungsmängel: "Das Landgericht Köln hat sich nicht ausreichend damit auseinandergesetzt, wie sich die Bewährung auf das Rechtsempfinden der Bevölkerung auswirkt", sagte die Vorsitzende Richterin Beate Sost-Scheible in der Urteilsbegründung. Zu berücksichtigen sei auch die Zunahme illegaler Autorennen in Innenstädten und die Tatsache, dass die Männer die Gefährdung durch ihre aggressive Fahrweise bewusst herbeigeführt hätten. Die Höhe der Strafen beanstandeten die Richter nicht, ebenso blieb es beim Tatvorwurf der fahrlässigen Tötung. Eine Anklage wegen Mordes wie im Fall von zwei Berliner Rasern stand nicht zur Debatte.
Illegale Autorennen: So ticken die Täter
Politik verschärft Strafen für Raser

Die damals 21 und 22 Jahre alten Männer hatten sich im April 2015 ein spontanes Rennen geliefert. Bei Tempo 95 in der Stadt schleuderte eines der Autos aus der Kurve und traf auf dem Radweg eine 19 Jahre alte Studentin, die später starb. Die Kölner Richter verurteilten den Fahrer des Unfallwagens zu zwei Jahren und den zweiten Raser zu eindreiviertel Jahren Haft auf Bewährung. Dies hielt der BGH-Prüfung nicht stand. Eine andere Strafkammer des Landgerichts muss über die Frage nun neu verhandeln und entscheiden.

Warnbriefe an 160 potenzielle Raser

"Sicher fragen Sie sich, was wir von Ihnen wollen." So beginnt das ungewöhnliche Schreiben der Kölner Polizei an ihre Raser-Sorgenkinder.

Im April 2017 hatte die Kölner Polizei mit einer außergewöhnlich direkten Maßnahme versucht, illegale Autorennen in ihrer Stadt zu unterbinden. 160 Männer, die den Behörden im Zusammenhang mit Tuning oder zu schnellem Fahren aufgefallen waren, bekamen einen Warnbrief mit dem Inhalt:  "Seien Sie sich darüber im Klaren: Rasen ist Killer Nummer 1!" Und direkt davor die Frage: "Wer möchte schon 15 Jahre ins Gefängnis, nur weil man imponieren oder der Schnellste sein wollte?" "Die Briefe sollen warnen, aber auch zeigen: Wir haben euch im Blick", erklärte eine Polizeisprecherin am 27. April. Hinzu kommt ein juristischer Nebeneffekt, der für Raser milde Strafen ausschließen könnte: "Sollte einer der Angeschriebenen erneut auffällig werden, wird es für ihn schwer, Fahrlässigkeit nachzuweisen", so die Sprecherin.

Landgericht: Lebenslang für Berliner Raser

Online-Voting

'Mord: Das Raser-Urteil von Berlin finde ich ...'

Das Schreiben bezieht sich vor allem auf ein Urteil aus Berlin. Das dortige Landgericht hatte am 27. Februar 2017 in einem Aufsehen erregenden Prozess zwei junge Männer zu lebenslanger Haft verurteilt, deren illegales Autorennen einen Unschuldigen das Leben kostete. Damit folgte das Gericht den Anträgen der Staatsanwaltschaft, die auf lebenslang wegen Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung plädiert hatte. Die Anklage hatte im Prozess argumentiert, die Männer hätten bei ihrem Rennen zwar niemanden vorsätzlich töten wollen, aber mögliche tödliche Folgen billigend in Kauf genommen. Juristen nennen so etwas bedingten Vorsatz. Die Verteidiger hatten dagegen Schuldsprüche wegen fahrlässiger Tötung für den einen Fahrer und wegen Gefährdung des Straßenverkehrs für den anderen gefordert. Den Angeklagten wurde auch der Führerschein auf Lebenszeit entzogen. Ein Urteil mit diesem Straßmaß für Raserei mit tödlichem Ausgang ist bislang einmalig. Der Urteilsspruch ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidiger der beiden Todesfahrer legten Revision gegen das Urteil ein.

Wofür es die höchsten Bußgelder setzt

Jeep mit Tempo 160 gerammt

Die beiden Männer im Alter von 28 und 25 Jahren hatten in der Nacht zum 1. Februar 2016 einen schweren Unfall in der Nähe des Kaufhauses KaDeWe verursacht. Der eine Raser rammte einen Jeep, dessen 69 Jahre alter Fahrer starb. Bei der Fahrt hatten die beiden jungen Männer mehrere rote Ampeln überfahren. Beim Zusammenstoß mit dem Geländewagen fuhren sie etwa 160 Stundenkilometer schnell. Eine Verkehrspsychologin beschrieb im Prozess einen der Männer als Autofahrer, der "massiv selbstüberschätzend" unterwegs gewesen sei. Bei dem Rennen sei es ihm darum gegangen, "zu gewinnen und dadurch sein Ego aufzuwerten". Der Mann habe kein Bewusstsein für seine eigene Schuld.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung