Rassige V8-Coupés

BMW 650i Maserati GranTurismo/BMW 650i/Jaguar XKR

Rassige V8-Coupés

— 28.02.2008

Drei auf Zack

Maserati will mit dem GranTurismo endlich in der Top-Liga der GTs mitmischen. Ob Ferrari-Motor und aufregende Optik reichen, verrät der Vergleich mit den GT-Klassikern BMW 650i und Jaguar XKR.

Gran Turismos – das sind automobile Kunstwerke für Genießer und Feinschmecker. Spielgefährten für Leute, die sich auf der Ideallinie des Lebens befinden und sich über Volltanken und Dispolimit keine Gedanken machen müssen. Erst recht nicht, wenn sie sich, in weiches Leder, gehüllt von einem V8 durch die Gegend spülen lassen. Zu dieser Klasse fällt jedem Autofan sofort die Marke mit dem Dreizack ein: Maserati. Ihren ersten Gran Turismo präsentierten die Italiener bereits 1947. Der aktuelle GT will Konkurrenten wie Porsche 911, BMW 6er, Mercedes CL, Aston Martin Vantage und besonders den erstarkten Jaguar XK ins Visier nehmen. Grund genug für AUTO BILD SPORTSCARS, den neuen GranTurismo mit dem BMW 650i und dem Jaguar XKR auf der Straße und der Rennstrecke zu vergleichen. In Sachen Fahrdynamik, Komfort und Alltagstauglichkeit gibt es vor allem einen, der die Messlatte darstellt: Abgesehen von seinem Design, das erst einmal Geschmacksache ist, ist das 6er Coupé von BMW in der GT-Liga das Maß der Dinge.

Fast jeder dreht sich nach dem Maserati GranTurismo um

Italienischer Hingucker: Nach dem Maserati GranTurismo dreht sich eigentlich jeder um.

Fangen wir jedoch von vorne oder besser gesagt von außen an. Der Maserati ist ein echter Blickfang. Fast jeder dreht sich nach ihm um. Mit dem fordernd gespitzten Kussmund, den markig ausgestellten Kotflügeln und dem betont knackigen Heck will Maserati der internationalen Konkurrenz zeigen, dass die schönsten Sportcoupés nach wie vor in Italien erschaffen werden. Statt dezentem Understatement gibt es selbstbewusst zur Schau getragene Sportlichkeit mit einem Hauch britischem Charme. Man müsste lügen, würde man an diesem Hinterteil nicht eine Spur Aston Martin und Jaguar XK entdecken. Sportwagen-typisch sind die kurzen Überhänge, der lange Radstand und das weit hinter der Vorderachse beginnende Glashaus, das bis zu vier Passagieren Platz bietet. Das wellenförmig geschwungene Armaturenbrett und die Mittelkonsole mit neuem serienmäßigem Navigationsbildschirm sowie dem Automatikwählhebel zeigen sich deutlich zeitgemäßer als bislang. Trotzdem wirken der aufgesetzte Beifahrer-Airbag und die Bedienknöpfe etwas zu billig. Schön und edel dagegen: das weiche Leder an der Stirnseite des Cockpits sowie die schmale Analoguhr, die von zwei Lüftungsöffnungen flankiert wird.

Das Jaguar-Topmodell ähnelt seinem harmloseren Bruder

Optisch ganz nah am XK: R-Kennzeichen sind die vergitterte Front und Kiemen auf der Haube.

Jaguars Supersportler XKR ist optisch sehr nah am bereits alles andere als schnöden XK positioniert. Vergitterter Kühlergrill und Lüftungsschlitze mit der Aufschrift "supercharged" (aufgeladen) auf der ellenlangen Motorhaube kennzeichnen den "R". Auch im Innenraum hat die Jaguar-Rennsportabteilung dezente Zurückhaltung walten lassen. Die vollelektrischen Sportsitze sind etwas stärker konturiert, die Pedale mit dem unvermeidlichen Alu-Lochmuster verziert. Das anspruchsvolle Auge stößt sich jedoch an grauen Plastikabdeckungen und preiswerten Lenkstockhebeln. Im engen Fond kann ähnlich wie beim Porsche 911 niemand sitzen. Doch wen stört’s? Bekanntlich sind dort stilechte Accessoires wie Beautycases bestens aufgehoben. Der 650i ist ein echter Hingucker, was positiv und negativ gemeint sein kann. Flach und bullig liegt er scheinbar erwartungshungrig auf der Straße. Das Heck mit dem wenig überzeugenden Bürzel ist immer noch gewöhnungsbedürftig. Das Armaturenbrett im BMW-5er-Look wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Verarbeitungsqualität und Haptik lassen keine Wünsche offen. Die wuchtige Mittelkonsole bleibt jedoch Geschmacksache.

Und wie sieht es unter dem Blechkleid bzw. unter der Haube aus? Alle drei Coupés sind mit potenten V8-Triebwerken ausgestattet. Der Jaguar ist samt Kompressor-Power und 416 PS das stärkste Modell im Vergleich. Genug, um sämtliche Messungen wie 0–100 und 0–200 km/h für sich zu entscheiden. Der kernige Sound wird bei höheren Drehzahlen auch noch vom Singen des Kompressors untermalt. Unter der Motorhaube des neuen Maserati arbeitet ein 4,2-Liter-Motor aus dem Ferrari-Regal. 405 PS und etwas zurückhaltendere 460 Nm bieten dem Fahrer die Wahl: entweder lässig grollend dahincruisen oder bis über 7000 Touren hoch ausdrehend – mit gewaltigem Schub nach vorn. Ein Tatendrang, der dank nicht vorhandener Abriegelung bis jenseits der 280-km/h-Marke führt. Die ab und an ruckelnd zu Werke gehende Sechsgang-Automatik von ZF ermöglicht einen Spurt von 0 auf 100 km/h in schlanken 5,7 Sekunden, womit die offizielle Werksangabe um beachtliche 0,5 Sekunden verfehlt wird. Bereits akustisch kündet der BMW 650i eindrucksvoll von seinen Muskeln. Mit 367 PS ist der Bayer der nominell schwächste Teilnehmer dieses Vergleich. Mit kaum spürbaren Schaltrucken der Sechsgang-Automatik fliegt nach 5,7 Sekunden die Tachonadel an der 100er-Marke vorbei.

Auf der Rennstrecke spielt der BMW seine Stärken aus

Überlegen auf der Rennstrecke: Dank Dynamik Drive und Aktiv-Lenkung holt der BMW den Sieg.

Doch diese Neuzeit-GTs sind nicht nur für den öffentlichen Straßenverkehr gebaut. Auch auf der Rennstrecke erleben Gentleman-Driver schöne Stunden. Hier erweist sich der BMW als die sportlichste und harmonischste Alternative. Normalerweise weitgehend neutral, unter Last dezent untersteuernd, reagiert er auf Lastwechsel mit leichtem Übersteuern. Die Rundenbestzeit verdankt der 6er aber der optionalen Aktiv-Lenkung und Dynamic Drive. Damit liegt der BMW sprichwörtlich wie ein Brett auf der Straße. Auch die standfeste und gut dosierbare Bremse überzeugt. Einen völlig anderen Charakter offenbart der Maserati. Der in der "Sport"-Einstellung straff abgestimmte Italiener rennt zwar subjektiv schneller um die Ecken, macht dabei aber auch deutlich mehr Arbeit. Außerdem war die zum Test angetretene Bremse schon nach drei Runden am Ende. Wer das ESP komplettausschaltet, erlebt bei forcierter Fahrweise tendenziell den gleichen Effekt wie beim BMW (erst Unter-, dann Übersteuern) – dies allerdings dank komplett gesperrter Hinterachse immer im kontrollierten Drift.

Die reine Rundenzeit ist kein Kriterium beim Kaufentscheid

Wichtiger als jeder Messwert: Bei der Entscheidung zwischen den drei GTs zählen Stil und Prestige.

Im BMW hilft die halb abgeschaltete Stabilitätskontrolle, per Bremseingriff zieht er alle Register undlässt nur dezente Drifts mit einem rauchenden inneren Rad zu. Das aufpreispflichtige, elektronische Skyhook-Fahrwerk scheint auf der Rennstrecke entwickelt worden zu sein. Denn ohne Zweifel fühlt sich der Maserati auf dem Rundkurs in Oschersleben am wohlsten. In Kurven scheint sich der Jag zunächst ähnlich wie der BMW zu verhalten. Auch hier qualmt das innere Rad, auf eine Sperre verzichtet der Engländer komplett. Damit verliert die Katze trotz des elektronischen CATS-Dämpfersystems in den Kurven deutlich an Dynamik und Zeit. Trotz bissigster Bremsanlage, höchster Power und geringstem Gewicht fährt der XKR nur die langsamste Zeit ein. Wobei langsam relativ ist, denn alle drei Gran Turismos liegen mit Zeiten von 1:50 Minuten (BMW) bis 1:51 Minuten (Maserati und Jaguar) auf einem Level. Doch aufgrund trockener Messwerte werden GT-Genießer kaum zwischen Maserati GranTurismo, BMW 650i und Jaguar XKR wählen, denn zu einem perfekten Menü gehören auch Stil und Prestige. Und Lustbringer sind ohnehin alle drei – jeder auf seine Art.
Technische Daten BMW Jaguar Maserati
Motor V8 V8, Kompressor V8
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4799 cm³ 4196 cm³ 4244 cm³
Bohrung x Hub 93,0 x 88,3 mm 86,0 x 90,3 mm 92,0 x 79,8 mm
Verdichtung 10,5:1 9,1:1 11,0:1
kW (PS) bei 1/min 270 (367)/6300 306 (416)/6250 298 (405)/7100
Literleistung 76 PS/Liter 99 PS/Liter 95 PS/Liter
Nm bei 1/min 490/3400 560/4000 460/4750
Antriebsart Hinterrad Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Stufen-Automatik 6-Stufen-Automatik 6-Stufen-Automatik
Bremsen vorn 348 mm innenbelüftet 355 mm innenbelüftet 330 mm innenbel. gelocht
Bremsen hinten 345 mm innenbelüftet 355 mm innenbelüftet 330 mm innenbel. gelocht
Radgröße vorn/hinten 8x18 Zoll 8,5 x 20 / 9,5 x 20 Zoll 8,5 x 19 / 10,5 x 19 Zoll
Reifen vorn/hinten 245/45 R 18 255/35R20 / 285/30R20 245/40R19 / 285/40R19
Reifentyp Bridgestone Potenza RE 050A Dunlop SP Sport Maxx Bridgestone Potenza RE 050A
Länge/Breite/Höhe 4820/1855/1374 mm 4791/1893/1322 mm 4881/1847/1353 mm
Radstand 2780 mm 2752 mm 2942 mm
Leergewicht 1765 kg 1790 kg 1957 kg
Leistungsgewicht 4,8 kg/PS 4,3 kg/PS 4,8 kg/PS
Zuladung 335 kg 290 kg 293 kg
Tankvolumen 70 l 71 l 86 l
Vmax 250 km/h 250 km/h 285 km/h
Preise (in Euro) BMW Jaguar Maserati
Ausstattung
Automatik-Getriebe 2300 Serie Serie
Bi-Xenon-Scheinwerfer Serie Serie Serie
Navigationssystem ab 3230 Serie Serie
Einparkhilfe vorn / hinten 810 460 / Serie – / Serie
Sportsitze 930 Serie Serie
Aktiv-Fahrwerk 2670 (inkl. Aktivlenkung) Serie 2500
Glasschiebedach 1340
19-Zoll-Räder 1580 Serie Serie
Metallic-Lackierung 1080 Serie 1180
Grundpreis 79.400 Euro 97.700 Euro 112.280 Euro
Messwerte BMW Jaguar Maserati
Beschleunigung
0– 50 km/h 2,3 s 2,1 s 2,3 s
0–100 km/h 5,7 s 5,2 s 5,7 s
0–130 km/h 8,8 s 8,0 s 8,8 s
0–160 km/h 12,6 s 11,3 s 12,3 s
0–180 km/h 15,7 s 14,3 s 15,4 s
0–200 km/h 19,8 s 17,7 s 20,0 s
Viertelmeile
0–402,34 m 13,96 s 13,43 s 13,85 s
Elastizität
60–100 km/h (Zwischenspurt) 2,8 s 2,5 s 2,9 s
80–120 km/h (Zwischenspurt) 3,5 s 3,2 s 3,8 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 36,7 m (–10,5 m/s²) 37,0 m (–10,3 m/s²) 35,0 m (–11,0 m/s²)
100–0 km/h warm 36,4 m (–10,6 m/s²) 37,9 m (–9,8 m/s²) 35,8 m (–10,8 m/s²)
200–0 km/h warm 143,4 m (–10,7 m/s²) 149,2 m (–10,2 m/s²) 141,5 m (–10,9 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 13,6 l Super Plus 16,5 l Super Plus 14,3 l Super Plus
Reichweite 510 km 430 km 600 km

Autor: Guido Naumann

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