Raststätte Rodaborn an der A 9
— 20.08.2012Wurst übern Zaun
Sie ist die älteste und wohl auch ungewöhnlichste Raststätte Deutschlands: Im thüringischen Rodaborn an der A 9 muss die Bratwurst über den Zaun gereicht werden. Grund: eine fehlende Konzession.
Ihnen gehört Deutschlands älteste Autobahn-Raststätte. Doch wer bei Ihnen eine Wurst kaufen will, muss an einer Glocke läuten und bekommt seine Thüringer dann über einen zwei Meter hohen Metallzaun gereicht. Warum? Der Zaun wurde vom Verkehrsministerium aufgestellt, weil wir keine Konzession für eine Autobahn-Raststätte haben. Das wussten wir auch, als wir das Gebäude 2009 ersteigerten. Aber was sich seitdem hier abspielt, damit haben wir nicht gerechnet. Die Gäste vom Autobahnparkplatz beschimpfen uns, weil sie nicht zu uns kommen. Manche klettern drüber und reißen sich dabei das Bein auf oder, wie im Juli, den Finger ab. Ältere Leute rufen nach Freiheit und weinen, weil sie sich an die DDR erinnert fühlen. Rodaborn war ja eine Transit-Raststätte nur für Besucher aus dem Westen. Da habe ich angefangen, mich zu schämen.
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Was haben Sie getan, um das Problem zu beheben? Ich habe Politiker aus allen Parteien angeschrieben. Keiner fühlte sich verantwortlich. Von Herrn Brämer vom Landesamt für Bau und Verkehr in Erfurt erfuhr ich aus dem Fernsehen, dass die Raststätte nicht mehr zeitgemäß sei und ein Versorgungsengpass nicht vorliege. Da der Rasthof keine Konzession hat, ist der Zaun zum Autobahn- Parkplatz im Gesetz aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben. Es gibt ähnliche Fälle in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Da stehen die Türen im Zaun aber offen, sodass Besucher und Rettungssanitäter problemlos durchkommen können.
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