Raststätten der Zukunft

Raststätten der Zukunft Raststätten der Zukunft

Raststätten der Zukunft

— 12.08.2003

Die neue Lust am Rasten

Eine Branche im Umbruch: Die Pausenhöfe an den Autobahnen werden allmählich zu echten Wohlfühl-Oasen. AUTO BILD ließ sich zeigen, welcher Standard bald auf den Reisen zu erwarten ist.

So soll's sein: "Urlaub von Anfang an"

Kalter Kaffee vom dritten Aufguss, fettige Fritten, pampige Bedienungen – was waren wir damals froh, ohne Stopps an Deutschlands Raststätten die Schweiz erreicht zu haben. Hier gab es Mövenpick statt Mensa-Muff, hier begann der Urlaub.

Anno 2003 halten wir bereits zwischen Ulm und Augsburg in Leipheim. Freuen uns über acht leckere Kaffee-Kompositionen, das reichhaltige Speisenangebot und perfekten Service. Übernachten freiwillig – in ruhigen, gepflegten Zimmern. Frühstücken am First-Class-Büfett. Und reiben uns die Augen: Ist das noch eine deutsche Raststätte? Ist sie – nicht "noch", sondern "schon": Dieser Standard wird mittelfristig bundesweit zu finden sein, wenn auch nicht überall mit Hotel. Das wird "Urlaub von Anfang an", um einen Werbespruch der Bahn zu zitieren.

Apropos Slogans. "Wir sind auf dem Weg" – so wirbt die Autobahn Tank & Rast GmbH, der fast alle der rund 350 deutschen Raststätten gehören. Eine Botschaft mit zweierlei Sinn: einerseits die direkte Lage an den Routen als Kontrast zu den abseits gelegenen Autohöfen, andererseits der Bruch mit den alten Bräuchen. Selbstkritik als Teil der Zukunftsstrategie – die Tank & Rast hat verstanden.

Kurze Wege und gemütliches Ambiente

Ein Blick zurück: Ihre Vorgängerin, die staatliche GFN (Gesellschaft für Nebenbetriebe der Autobahnen) war ein Monopol-Verwalter ohne nennenswerten Dienstleistungsanspruch. Klar, dass da nicht mehr nötig war, als den gesetzlichen Auftrag zur Ver- und Entsorgung am Saum der Schnellstraßen zu erfüllen. 1998 folgte die endgültige Privatisierung. Seitdem hat die Tank & Rast (an der auch Lufthansa und Allianz beteiligt sind) über 350 Millionen Euro in die ersten Anlagen investiert. Einer der wenigen Rundum-Neubauten als Referenz für künftige Raststätten: der Betrieb Leipheim.

Exotische Angebote wie Massagestühle sucht man hier vergebens. Die Musteranlage an der A8 zeigt vielmehr, was bald selbstverständlich sein wird: Vielfalt, kurze Wege, gemütliches Ambiente. Eine Abkehr von den Sauriern der GFN-Ära.

Und die Vielfalt? So genannte Shop-in-Shop-Systeme sind im Kommen. Von Burger King über Nordsee (Fisch) bis zu Joey's Pizza werden zahlreiche Marken in die Raststätten integriert. Angenehmer Effekt: kalkulierbare Qualität statt Jägerschnitzel, die hier zum Reinbeißen und dort zum Wegschmeißen reizen.

Alle 50 Autobahn-Kilometer ein "Leipheim"

Die Tank & Rast gibt also Vollgas. Nur ärgerlich, dass die Bundesländer derweil an der Handbremse spielen. Denen nämlich unterstehen die Verkehrsanlagen, die Aushängeschilder der Raststätten. Wenig Parkplätze, überquellende Mülltonnen: Hier besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf.

Bleibt der Kritikpunkt Preise. Unser Appell an die Betreiber: Runter mit den Kursen für Cola, Cornetto und Co! Wer für einen Liter Brause 3,50 Euro zahlt, ist selbst schuld? Stimmt schon. Andererseits: Wer so leidenschaftlich an seinem Ruf arbeitet, darf keine preispolitische Kundenabwehr betreiben. Bei den Spritpreisen hat es doch auch geklappt. Abwarten.

Der Kunde darf sich trotzdem freuen, soll doch die Zukunft der Raststätten so aussehen: alle 50 Autobahn-Kilometer ein "Leipheim".

Sanifair: der neue Dreh am Klo

Schluss mit den Kleingeldtellern an allen Autobahn-Toiletten – so will es die Tank & Rast, die derzeit das "Sanifair-System" an 25 bayerischen Standorten testet. Und das klappt so: 50 Cent einwerfen, Bon ziehen, durchs Drehkreuz gehen, Wasser lassen. Danach ist der Bon ein Zahlungsmittel für den kleinen Reisebedarf.

So weit, so gut. Doch Sanifair bereitet Sorgen: Gerade ältere und ausländische Reisende kapitulieren vor der Ticketziehtechnik, es kommt zum Stau am Drehkreuz. Das zudem noch als Ausgang dient. Tank-&-Rast-Pressesprecher Peter Markus Löw räumt ein: "Es gibt Probleme mit Prototypen. Wir arbeiten an einer einfach verständlichen Serienversion." Erfreulich. Denn Sanifair macht durchaus Sinn: Rund zwei Drittel der jährlich 450 Millionen Tank-&- Rast-Besucher sind Nur-Pinkler, die Kosten für Wasser und Reinigung (ein Pächter nennt etwa 20 Cent pro Person) zahlt also eine Minderheit beim Warenkauf im Shop.

Künftig soll jeder seinen Obolus am Automaten entrichten, kann dafür sogar etwas kaufen. Das ist gerecht. Allerdings verstehen viele das System wohl (noch) nicht: Derzeit liegt die Rücklaufquote der Bons bei nur 50 Prozent.

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