Werkstatt

Ratgeber Garantieversprechen

— 28.02.2010

Welche Leistungen sind garantiert?

Neue Autos beruhigen die Käufer mit umfangreichen Garantieversprechen. Doch was bedeuten diese eigentlich konkret, wenn wirklich ein Schaden auftritt? AUTO BILD erläutert die Details.

Das neue Auto: Gerade geliefert – und schon läuft Wasser durchs Schiebedach, oder die Zentralverriegelung streikt. Beides sind Fälle für die Neuwagengarantie. Doch nicht immer ist garantiert alles abgedeckt. Zudem kann der Hersteller für seine Garantien Bedingungen stellen. Und der Gesetzgeber ist auch im Spiel, schreibt im Sinne des Verbraucherschutzes gesetzliche Gewährleistung vor. Ein Puzzle, das wir hier zusammensetzen. Die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistung ("Sachmängelhaftung") beträgt für Neu- und Gebrauchtwagen zwei Jahre. Bei Gebrauchtwagen kann ein Händler die Gewährleistung vertraglich auf ein Jahr verkürzen, ein Privatverkäufer kann sie vertraglich ganz ausschließen.

Der feine Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie

Der gewerbliche Verkäufer muss Mängel am Wagen beheben, die nach dem Verkauf auftreten, sofern diese nicht im Kaufvertrag aufgeführt sind. In den ersten sechs Monaten nach Kauf gilt rechtlich üblicherweise die Vermutung, dass der Mangel am Wagen beim Kauf bereits (versteckt) vorhanden war. Kann der Händler allerdings das Gegenteil beweisen, muss er den Mangel nicht beheben. Nach sechs Monaten erfolgt die sogenannte Beweislastumkehr. Dann muss der Käufer das Vorhandensein des Mangels zum Zeitpunkt des Kaufs beweisen. Im Gegensatz zur gesetzlichen Gewährleistung ist eine Garantie eine freiwillige Leistung des Herstellers.

Freiwillige Leistung und gesetzliche Regelung

Für diese Leistung gelten also die Garantiebedingungen des Herstellers. Eine Garantie hebt aber die Rechte des Käufers aus der gesetzlichen Gewährleistung nicht auf, denn Gewährleistung und Garantie bestehen nebeneinander sowie völlig unabhängig voneinander. Wird bei einer Garantie also eine (gestaffelte) Zuzahlung verlangt, wie es bei Gebrauchtwagengarantien meist üblich ist, sollte der Käufer die Garantie nicht vorschnell in Anspruch nehmen. Sondern prüfen, ob es sich nicht um einen Gewährleistungsfall handelt – denn dann werden für ihn keine Kosten fällig.

Herstellergarantie

Die Hersteller- oder Neuwagengarantie gilt je nach Hersteller zwischen zwei und sieben Jahre ab Zulassung für alle Teile des Autos. Ausgenommen: Verschleißteile und Betriebsstoffe. Garantie ist freiwillig, der Hersteller kann sie an Bedingungen knüpfen (zum Beispiel die Einhaltung aller Inspektionen). Werden diese nicht eingehalten, erlischt die Garantie.

Lackgarantie

Ihre Laufzeit beträgt in der Regel zwei oder drei Jahre und deckt keine Schäden durch Fremdeinwirkung, etwa Vogelkot. Ansprüche sind kaum durchsetzbar.

Verschleißteile

Scheibenwischer, Glühlampen, Luftfilter, Keilriemen, Bremsbeläge: Alle Bauteile, deren Lebensdauer vom Nutzungsverhalten abhängt, sind hinsichtlich ihrer Abnutzung von der Garantie ausgenommen. Früh abgenutzte Bremsbeläge etwa können nicht auf Garantie ersetzt werden. Hatte ein Verschleißteil aber nachweislich einen Produktionsfehler, der etwa zum Bruch führt, können Garantieansprüche geltend gemacht werden. Daneben gilt auch Gewährleistung auf Teile, die bereits beim Kauf Mängel hatten.

Durchrostung

"Von innen nach außen" lautet die wichtigste Bedingung bei Schäden, die unter die Garantie gegen Durchrostung fallen. Denn sie deckt nur Schäden an der Substanz der Karosserie ab, nicht aber Flugrost oder Rost nach Beschädigungen. Sie ist zwar in der Neuwagengarantie enthalten, wird aber auch nach deren Ende bei vielen Herstellern mit jeder Inspektion in der Vertragswerkstatt verlängert. Meist bis zum zehnten oder 20. Betriebsjahr. Einige Hersteller geben darüber hinaus auch eine lebenslange Garantie gegen Durchrostung.

Betriebsstoffe

Motoröl, Kühl- oder Bremsflüssigkeit sind wie die Verschleißteile generell von der Herstellergarantie ausgenommen. Denn auch ihre Haltbarkeit hängt von Fahrstil des Halters und Pflegezustand des Autos ab. Da der Hersteller darauf keinen Einfluss hat, lehnt er Garantieansprüche dafür in der Regel ab.

Baugruppengarantie

Sie umfasst nur bestimmte Teile des Autos, etwa Antriebsstrang, Elektronik oder Fahrwerk. Viele Anschlussgarantien sind keine Voll-, sondern solche Baugruppengarantien.

Anschlussgarantie

Wie der Name schon sagt: Diese Policen starten im Anschluss an die Neuwagengarantie. Wer in ihren Genuss kommen will, muss dafür extra zahlen. Einige Autohersteller bieten die Policen beim Neuwagenkauf als kostenpflichtiges Extra an. Andere erlauben den Abschluss bis kurz vor Ablauf der Neuwagengarantie. Die Leistungen der Anschlussgarantien sind oft identisch mit denen der Neuwagengarantie, andere leisten weniger (Baugruppengarantie).

Stichworte:

Garantie

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