Ratgeber Gebrauchte Autoteile

Rospickel Rückspiegel

Ratgeber gebrauchte Autoteile

— 24.04.2009

Aufmöbeln statt abwracken

Der Schrottplatz wird zum Teile-Paradies: Deutschland wirft seine alten Autos weg. Um einige ist es echt schade. Denn viele Gebrauchte erscheinen für kleines Geld in ganz neuem Glanz. AUTO BILD macht den Test mit einem 5er BMW.

Da steht er nun. Mitten auf dem Schrottplatz, neben Autos, bei denen schon Motorhaube, Kotflügel und Räder fehlen. Ließen wir unseren dunkelgrünen 5er-BMW jetzt zurück, würden die Schrauber über ihn herfallen. Wie die Aasgeier würden sie Sitze und Karosserieteile ausbauen. Morgen könnte der Wagen schon klinisch tot sein, ein Wrack. Nein, das wollen wir nicht. Das will er nicht. Stefan R. (40) ist der Besitzer des BMW 520i Touring. Er hat ihn uns geliehen, um auf dem Schrottplatz nach passenden Ersatzteilen zu suchen.

Der 5er soll nicht der Prämie geopfert werden

Der Test-5er hat Winterreifen, das auch noch in Verbindung mit Stahlrädern. Originale Alus gibt es ab 150 Euro.

Stefan R. mag den Bayern. Dabei könnte er einfach 2500 Euro vom Staat einstreichen, den BMW abwracken lassen, nach ein bisschen Papierkram und für 4990 Euro Zuzahlung einen nigelnagelneuen Kleinwagen bekommen. Der Elektro-Ingenieur, der beruflich von Darmstadt nach Hamburg gezogen ist, schaut entsetzt: "Ich will die Umweltprämie nicht. Können Sie sich vorstellen, im Panda 500 Kilometer Autobahn zu fahren?" Da steht er nun auf dem Schrottplatz in Norderstedt bei Hamburg, und Tim Kiesow, Juniorchef von Deutschlands größtem Autorecycling-Betrieb, muss gar nicht lange überlegen. "Für den BMW würde ich 400 Euro geben und versuchen, ihn für 990 Euro weiterzuverkaufen." Dabei hat der Kombi mit 150 PS und Reihensechser vor 15 Jahren 28.274 Euro gekostet, Grundpreis, und das waren schließlich 55.299 Deutsche Mark.

Auf geprüfte Teile gibt es ein Jahr Garantie

Das Rücklicht für den 5er-Touring kostet auf dem Schrottplatz 20 Euro.

Aber jetzt machen wir mal eine ganz andere Rechnung auf. Sie wird jeden erfreuen, der wie Stefan R. an seiner alten Kiste hängt. Ist sie auch noch so verrostet. Die Türen rechts zum Beispiel. An beiden nagt der Gammel–Kantenrost! Hier muss geschweißt, gespachtelt und lackiert werden. Oder getauscht. Tim Kiesow führt uns zu einem 5er-Touring. "Der ist gerade neu reingekommen", sagt der 27-Jährige. Für eine Tür will er 80 Euro bei Selbstausbau haben. Die Teile haben zwar keinen Rost, aber auch nicht die gewünschte Farbe. "Tja", sagt Kiesow, "hätten Sie einen Golf III, würde das ganz anders aussehen. Von denen haben wir seit Januar 450 Stück angenommen." Bei BMW und Mercedes ist die Auswahl nicht ganz so groß. Aber immerhin: Die Zierleisten, die unser Test-5er in irgendeiner Waschanlage verloren haben muss, gibt es bei Kiesow für fünf Euro das Stück. Und dann zeigt uns der Juniorchef das Lager.

Wir gehen in die zweite Etage, Regal 14. Hier, so sagt der Computer, soll ein Klimakompressor, passend für den BMW der Baureihe E34, liegen. Kiesow holt das fein gesäuberte Anbauteil aus dem Regal. "Wenn Sie den Kompressor in einer Fachwerkstatt einbauen lassen, gewähren wir ein Jahr Garantie." 159 Euro kostet das Teil, selbst ausgebaut und ungeprüft 99 Euro. Die Abwrackprämie. Bei Recycling-Unternehmen wie Kiesow sorgt sie für einen riesigen Ansturm. "Seit Einführung der Prämie haben wir 6000 Autos angenommen", erzählt der Schrott-Profi. Im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres waren es nur 1200 Karossen. Oder anders: Hat Kiesow früher 20 Autos täglich reinbekommen, sind es jetzt 100. Dafür hat die Firma kurzfristig einen Extra-Platz für 1000 Fahrzeuge sowie zwei weitere Gabelstapler anmieten müssen. Und – wie gesagt: Wer einen Golf III, Astra F oder Corsa B fährt, kann zurzeit aus dem Vollen schöpfen. Karosserieteile gibt es bei diesen Modellen oft in allen Farben.

Genug gesehen, die Rechnung bitte. Wir entscheiden uns für den Klimakompressor, zwei Zierleisten, einen Motor fürs Lamellen-Schiebedach und originale Aluräder. Macht zusammen 349 Euro. Auf rostfreie Türen in Dunkelgrün warten wir noch. Die Umweltprämie läuft ja weiter.

Die Optik – ein Fall für den Lackdoktor

Kantenrost: Im unteren Bereich der beiden Türen an der rechten Seite blüht der Gammel.

Matthias Reich ist Make-up-Profi für Blech, und zeigt uns wie er den BMW wieder aufhübschen würde. Was er angepackt hat, glänzt und duftet hinterher. Matthias Reich (48) ist "Lackdoktor", sein Spezialgebiet: abgenutzte Autos wieder gut aussehen zu lassen. Unseren Test-BMW würde er so behandeln: Sitze schamponieren, Kunststoffteile reinigen, Staub und Dreck absaugen. Die professionelle Innenreinigung kostet 120 Euro. "Wenn dann noch der Zigaretten-Mief raus soll, wird eine Ozonbehandlung für 85 Euro nötig." Außen rät uns der Make-up-Profi zu einer Schleifpolitur fürs Blech für 150 Euro. Selbst der 15 Jahre alte BMW soll danach wieder glänzen. Den Rost an den Türunterkanten und zwei Dellen in Kotflügel und Fahrertür würde Reich nicht beseitigen: "Das kostet 600 Euro – zu teuer in diesem Fall." Außerdem würde der Gammel wieder durch kommen. Da ist selbst der Lackdoktor machtlos.

Die Abwrack-Top-10

"Wir mussten in den letzten Wochen die Flächen für Mercedes und BMW verkleinern, weil so viele VW, Opel und Ford reingekommen sind", sagt Tim Kiesow, Juniorchef von Deutschlands größtem Auto-Recycler in Norderstedt bei Hamburg. Damit wird klar, was in Deutschland am häufigsten abgewrackt wird: VW, Opel und Ford. Nicht, weil die Autos besonders schlecht wären. Sie sind eben Verkaufsschlager, im Straßenbild am meisten vertreten. Wer also einen Opel Astra F (91–98), einen Golf III (91–97) oder Corsa B (93–00) besitzt und Teile sucht, könnte zurzeit auf dem Schrottplatz Volltreffer landen. Diese Modelle gibt es bei Autorecyclern in fast allen Farben und in vielen Ausstattungsvarianten.
Die meistabgewrackten Marken in Deutschland
Platz Marke Anteil in %
1 VW 22,8
2 Opel 19,0
3 Ford 13,2
4 Renault 7,2
5 Fiat 5,4
6 Peugeot 3,3
7 Mazda 2,9
8 Audi 2,7
9 Seat 2,4
10 BMW 2,1
* Quelle: BAFA
Die meistabgewrackten Modelle im Großraum Hamburg *
1 Opel Astra F 451
2 VW Golf III 450
3 Opel Corsa B 400
4 Renault Twingo 180
5 VW Polo 6N 160
6 Ford Escort IV 130
7 Ford Fiesta GFJ 96
8 Ford Ka 95
9 Ford Fiesta JAS/JBS 86
10 Opel Vectra B 80
* Quelle: kiesow.de, Norderstedt bei Hamburg
Andreas May

Andreas May

Fazit

Deutschland wrackt ab – und was haben Sie davon? Na, die freie Auswahl auf dem Schrottplatz. Da gibt es Teile, die absolut top sind, die nicht in den Schredder gehören, sondern in oder an Ihr Auto! Wer eine betagte Karosse fährt und sie auch behalten möchte, sollte sich jetzt bei einem der Abwracker nach Ersatzteilen umsehen. Größer und besser war das Angebot noch nie. Danke, Abwrackprämie!

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