Ratgeber Reißverschluss

Ratgeber Reißverschluss

— 10.11.2007

So klappt der Reißverschluss

Theoretisch ist alles geregelt. Nur viele Autofahrer bekommen das mit dem Reißverschluss einfach nicht hin. In der Praxis klemmt es an Fahrbahnverengungen meist gewaltig. Es kommt zu Staus und Unfällen.

In der Praxis klemmt es an Fahrbahnverengungen meist gewaltig. Weil viele Verkehrsteilnehmer zu früh auf die weiterführende Spur wechseln, und so Verkehrsraum verschenken und Staus provozieren. Die sind oft auch das Ergebnis sturer Reißverschluss-Verweigerer, die das Einfädeln der bis zur Verengung vorfahrenden Autofahrer verhindern. Gibt der wechselwillige Fahrer nicht nach, ist der Unfall programmiert. Und damit viel Ärger, weil die Gerichte in solchen Fällen häufig beiden Unfallbeteiligten eine Schuld zusprechen. Dabei dürfte es gar nicht zu Konflikten kommen. Schließlich hat der Gesetzgeber in § 7 Absatz 4 der Straßenverkehrsordnung (StVO) präzise formuliert, wann das abwechselnde Einfädeln auf die weiterführende Spur zu erfolgen hat, sofern ein Fahrstreifen endet oder wegen eines Hindernisses nicht weiter befahrbar ist: nämlich "unmittelbar vor Beginn der Verengung". Doch was bedeutet "unmittelbar" tatsächlich? Wer bei dichtem Autobahnverkehr erst auf den letzten 200 Metern vor der Engstelle den Reißverschluss praktiziert, liegt in der Regel richtig. Analog dazu können auf Landstraßen die letzten 100 Meter, in der Stadt 50 Meter vor dem Hindernis als praktikable Faustregel gelten.

Das gilt beim Reißverschlussverfahren

AUTO BILD-Rechtsexperte Rolf-Peter Rocke, Hamburg

Keine Panik: Erst auf den letzten 200 Metern bis unmittelbar vor der Engstelle den Fahrstreifen wechseln.

Der Gesetzgeber hat das "Reißverschlussverfahren" in §7 Abs. 4 der StVO geregelt. Darin heißt es, dass den aufgrund von Fahrbahnverengungen am Weiterfahren gehinderten Fahrzeugen der Übergang auf den benachbarten Fahrstreifen nach dem Reißverschlussprinzip zu ermöglichen ist. Und zwar unmittelbar vor Beginn der Verengung. Autofahrer, die im Reißverschlussverfahren auf die weiterführende Spur wechseln wollen, dürfen jedoch nicht grundsätzlich darauf vertrauen, dass ihnen dies ermöglicht wird (LG Hanau, Urteil vom 29. 8. 2003, Az: 4 O 545/03, zfs 04, 205). Sie müssen vielmehr die "Sorgfaltsanforderungen wie bei jedem Fahrstreifenwechsel einhalten". Im Klartext: rechtzeitig blinken, sich umschauen und erst dann in die Spur wechseln. Denn die Regeln des $7 Abs. 5 StVO, wonach ein Fahrstreifen nur gewechselt werden darf, wenn eine Gefährdung anderer ausgeschlossen ist, gelten auch beim Reißverschlussverfahren. Andererseits darf der auf dem durchgehenden Fahrstreifen befindliche Autofahrer seinen Vorrang nicht erzwingen (Kammergericht, Urteil vom 10.1.1985, Az: 12 U 2227/84, VRS 68,339). Im Ergebnis wird also das Verschulden beim Unfall zu Lasten des Spurwechslers vermutet (sog. Anscheinsbeweis). Aber auch ein Verkehrsteilnehmer auf dem durchgehenden Fahrstreifen kann mithaften. Etwa, wenn er die Geschwindigkeit nicht verringert, obwohl zu sehen ist, dass sich jemand einordnen will.

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