Kurz vor Schluss ESP

Ratgeber Sicherheit

— 10.12.2007

Schluss mit dem Schleuderkurs!

Schlingern, schaukeln, schleudern: Kritische Situationen lassen sich mit ESP entschärfen. Doch noch immer sparen Autohersteller auf Kosten der Sicherheit. AUTO BILD verlangt schon längst "ESP für alle!"

Fast wäre es wieder passiert. Genau zehn Jahre, nachdem Autotester Robert Collin die A-Klasse zum Kippen und Mercedes zum Handeln brachte, schaukelte sich ein Wagen bei einem Spurwechsel in Schweden gefährlich auf. Und wie damals ist es die Fachzeitschrift "Teknikens Värld", die massive Kritik übt. Dieses Mal trifft sie den Toyota Hilux, der im Rahmen eines Pick-up-Vergleichstests beim genormten Ausweichmanöver ("Elchtest") ein kritisches Fahrverhalten an den Tag legte. Bei einer Einfahrgeschwindigkeit von 57 km/h in die Pylonengasse stieg der Wagen beim Zurückkehren auf die ursprüngliche Fahrspur plötzlich hoch. Ein Überschlag ließ sich nur verhindern, weil der Fahrer blitzschnell gegenlenkte.

AUTO BILD fordert schon längst "ESP für alle!"

Der Toyota Hilux ist im schwedischen Elchtest gescheitert. Der Hilux hebt beim schnellen Spurwechsel gefährlich ab.

Zu diesem Ergebnis kommen die Tester auch, als sie den Versuch kurze Zeit später auf leicht feuchter Fahrbahn wiederholen. Der Wagen steht dabei auf 16-Zoll-Rädern und Reifen des Formats 255/65. Ein zweiter Hilux mit 15-Zoll-Rädern und 255/70er-Reifen stellt sich zwar nicht auf, schleudert aber stark und beginnt, seitlich zu springen. Bei mehr Grip auf der Strecke, so "Teknikens Värld", wäre auch dieses Auto kippgefährdet. Vermeiden ließe sich ein solch unberechenbares Fahrverhalten durch den Einsatz der elektronischen Anti-Schleuder-Hilfe ESP. Die ist im Hilux aber weder serienmäßig, noch gegen Aufpreis erhältlich. Ein Schwachpunkt, den der Pickup mit vielen anderen Modellen teilt (siehe Liste unten). In Deutschland hatten 2006 zwar rund 77 Prozent aller Neuwagen das elektronische Stabilitätsprogramm an Bord, doch vor allem im unteren Segment sparen die Hersteller noch zu oft auf Kosten der Sicherheit. In den fünf wichtigsten europäischen Automärkten werden nur 13 Prozent aller Kleinwagen mit ESP ausgeliefert.

AUTO BILD hatte nach umfangreichen Fahrversuchen bereits vor anderthalb Jahren "ESP für alle!" verlangt. Automobilklubs und Kfz-Versicherer schlossen sich der Forderung an. Doch passiert ist wenig. Während die USA als erstes Land der Welt ESP per Gesetz ab 2011 zur Pflichtausstattung aller Pkw und leichten Lkw machen, debattiert die EU noch über eine verbindliche Regelung. Unterdessen hat Toyotas Europazentrale in Brüssel die Auslieferung des Hilux mit 16-Zoll-Rädern für Schweden auf Eis gelegt. In Deutschland geht der Verkauf weiter, ein Rückruf oder eine ESP-Nachrüstung steht nicht zur Debatte. Das war bei der A-Klasse damals anders. Wie gesagt: Zehn Jahre ist es her...

Modelle ohne ESP

Chevrolet Matiz, Kalos, Lacetti, Nubira Kombi, Rezzo, Captiva*, Citroën C1*, C2*, Dacia Logan, Logan MCV, Daihatsu Copen, Trevis, Cuore*, Sirion, Materia*, Fiat 500*, Panda*, Grande Punto*, Doblò, Sedici*, Ford Fiesta*, Fusion*, Tourneo Connect, Honda Jazz*, Hyundai Atos, Getz*, Trajet, Terracan, Kia Picanto, Sportage*, Lancia Musa*, Mazda2*, 3*, BT-50, MiniOne*, Cooper*, Mitsubishi Colt*, L200*, Nissan Micra*, Note*, Patrol, Navara, Opel Corsa*, Peugeot 107*, 207*, Partner Kombi, Renault Twingo, Clio*, Modus*, Kangoo, Seat Ibiza*, Cordoba*, Skoda Fabia*, Roomster*, SsangYong Actyon*, Subaru Justy, Impreza*, Suzuki Swift*, Jimny, Ignis, SX4*, Toyota Aygo*, Yaris*, Hilux, VW Fox*, Polo*

* ESP nur in Verbindung mit gehobener Ausstattung, stärkerer Motorisierung oder gegen Aufpreis erhältlich.

Autor: Matthias Moetsch

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