Ratgeber Sicherheit

Ratgeber Sicherheit

— 11.06.2009

Wie sitzt der denn da drin?

Die perfekte Position hinterm Lenkrad: Hier erklärt Ex-Rallyefahrer Jochi Kleint, was Sie wissen müssen. Denn wer mit dem Oberkörper zu weit weg ist vom Lenkrad oder zu dicht dran, der fährt gefährlich.

Enrico aus Erfurt hat den Liegetick. Wenn er im tiefergelegten Corsa die Mucke aufdreht, kurbelt er die Lehne so weit zurück, dass der Gurt seine Baseballkappe berührt. Silvio aus Sömmerda hat den Rechtstick. Ganz lässig schraubt er im gepimpten Golf seinen Oberkörper in die Fahrzeugmitte, blickt unterm Rückspiegel durch die Scheibe. Manni aus Mannheim hat den Armtick. Selbst bei Regen kurbelt er die Scheibe seines extrabreiten Calibra runter, lässt den Ellenbogen aus dem Fenster hängen. Und Helga aus Herford? Die tickt auch falsch, wenn sie so dicht hinterm Steuer ihres Micra sitzt, dass die Bluse am Hupenknopf schubbert. Mensch, wie hockt ihr in euren Kisten?

"In den 80ern war das noch viel schlimmer"

Viertel nach neun (Hände fassen gegenüberliegend das Lenkrad), Jochi Kleint zeigt die optimale Grundposition.

AUTO BILD hat bei Ex-Rallyefahrer Jochi Kleint (61) nachgefragt: Was machen Enrico, Silvio, Manni und Helga falsch? Die Antwort des Auto-Profis: "Sie sollten mal ihre Sitzposition überdenken." Jetzt hört der Spaß nämlich auf: Wer mit dem Oberkörper zu weit weg ist vom Lenkrad oder zu dicht dran, wer sich zu tief ins Gestühl lümmelt und nur mit der Fußspitze die Pedale erreicht, der fährt gefährlich. "In den 80ern war das noch viel schlimmer", sagt Kleint. Da wollten zu viele Fahrer im Auto einfach nur cool sein. "Die heutige Generation der Fahrlehrer hat da schon viel Überzeugungsarbeit geleistet." Wer Kleints Sitz-Tipps beherzigt, sollte dennoch eines bedenken: "Langes Sitzen im Auto ist das Schlimmste, was dem Rücken passieren kann", sagt Detlef Detjen von der Aktion Gesunder Rücken. Deshalb: Sitz richtig einstellen und öfter mal 'ne Pause machen. Alles klar, Enrico, Silvio, Manni und Helga?

So sitzen Sie richtig im Auto

1. Sitz verstellen
Den Sitz so weit nach vorn verschieben, dass beim Tritt auf Bremse oder Kupplung die Knie noch leicht angewinkelt sind. Der Bremsdruck sollte vom Becken auf die Pedale gebracht werden, der Oberkörper wird entlastet.
2. Sitzhöhe verändern
Position auswählen, in der man Fahrbahn und Instrumente gut überblicken kann. Aber versuchen Sie, so tief wie möglich zu sitzen: So können Sie geradlinig auf das Bremspedal treten und mehr Bremskraft ausüben.
3. Sitzlehne einstellen
Aufrechte Position wählen! Schont den Rücken, gewährleistet einen geringen Abstand zur Kopfstütze. Die Schulterblätter sollten Kontakt zur Lehne haben, der Abstand zwischen Lenkrad und Brust beträgt mindestens 30 Zentimeter.
4. Lenkrad verstellen
Für eine entspannte Haltung sollte das Lenkrad möglichst steil stehen. Die Schultern sollten auch dann noch Kontakt zur Lehne haben, wenn Sie das Handgelenk oben auf den Lenkradkranz legen – prüfen Sie das vor der Fahrt.

5. Kopfstütze und Gurt einstellen
Die Kopfstütze soll beim Crash das Schleudertrauma verhindern. Die Oberkante etwas über Augenbrauenhöhe der Passagiere justieren. Der Gurt muss mittig über der Schulter verlaufen. Nach Einrasten stramm ziehen.
6. Linken Fuß abstellen
Moderne Autos haben ganz links einen "Fußtritt". Dort gehört der linke Fuß drauf, wenn nicht gerade gekuppelt wird. In der Kurve stützt man sich mit dem linken Fuß ab und nicht mit den Händen übers Lenkrad.
7. Geschafft! Die perfekte Haltung
Jochi Kleint hat den Sitz richtig eingestellt, den Gurt stramm gezogen. Und er zeigt die optimale Lenkrad-Grundposition: Viertel nach neun (Hände fassen gegenüberliegend das Lenkrad). Beim Einlenken schiebt die kurvenäußere Hand das Lenkrad Richtung Kurve.

Über unseren Experten Jochi Klein, Rallye-Europameister 1979 mit einem Opel Ascona: Jochi Kleint (61) wurde nach der Lehre zum Kfz-Mechaniker im elterlichen Saab-Betrieb Rallye-Fahrer. 1979 feierte er mit Gunter Wanger die Europameisterschaft im 186-PS-Ascona. Heute leitet Kleint Fahrtrainings im Rahmen der "Audi driving experience".

Autor: Andreas May

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