Ratgeber Sicherheit

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— 14.10.2009

Aquaplaning, die unterschätzte Gefahr

Hohe Geschwindigkeit und viel Wasser auf der Straße – wenn der Wagen aufschwimmt, wird der Fahrer zum Passagier. AUTO BILD gibt Tipps, wie Sie die Kontrolle über Ihr Fahrzeug bei Aquaplaning behalten.

Regen bringt Segen. Na ja, bestenfalls Landwirten. Für Autofahrer ist er ein Fluch. Die Wischer nerven, Wasser sammelt sich auf der Straße, und wenn der Fahrer nicht rechtzeitig vom Gaspedal geht, schwimmt sein Wagen auf – Aquaplaning. Was passiert eigentlich in diesem Moment? Das Reifenprofil ist nicht mehr in der Lage, das viele Wasser unter der Lauffläche wegzubefördern. Im Prinzip funktionieren die Profile in diesem Moment wie Kanäle, die von einer Flutwelle überschwemmt werden. Das Wasser bildet einen Keil unter dem Reifen, die Haftung geht verloren. Weder Lenk- noch Bremskräfte werden übertragen.

Die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe ist zu niedrig

Schwimmt das Auto auf – hektische Lenkbewegungen vermeiden.

Ab welcher Geschwindigkeit ein Reifen aufschwimmt, hängt von der Wasser- und der Profiltiefe ab. Die einfache Formel: Je mehr Wasser auf der Straße, je geringer das Restprofil im Reifen – desto früher geht die Bodenhaftung verloren. Deshalb liegt die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe von 1,6 Millimetern eindeutig zu niedrig. Denn abgefahrene Profile sind wie flache Kanäle, sie laufen viel schneller über. Spätestens wenn sich die Abrollgeräusche und Lenkkräfte des Wagens verändern, sollten Sie schnell den Fuß vom Gas nehmen.

Wie verhalte ich mich bei Aquaplaning?

• Immer auf ausreichend Profil achten. Sommerreifen spätestens bei drei, Winterreifen möglichst bei vier Millimeter Restprofil wechseln.
• Bei starkem Regen runter mit dem Tempo.
• Besondere Vorsicht gilt auf dem rechten Autobahnstreifen. In den tiefen Lkw-Spurrillen steht viel Wasser.
• Für den Notfall gilt: Motor auskuppeln, starke Lenkbewegungen unbedingt vermeiden.

Was heißt bei Nässe?

Der Grund für ein Tempolimit liegt meist an der Beschaffenheit der Straße. Das Wasser läuft nicht von der Fahrbahn ab, es droht erhöhte Aquaplaninggefahr. Eine klare Definition für die Wassermenge, bei der das Tempolimit gilt, gibt es nicht. Als Faustregel: Sobald eine geschlossene Wasserdecke entsteht, in der die Spur des vorausfahrenden Autos sichtbar ist, greift das Tempolimit. Dagegen darf bei leichtem Nieselregen noch mit der auf trockener Straße erlaubten Höchstgeschwindigkeit gefahren werden.

Wo ist mit Aquaplaning zu rechnen?

Grundsätzlich sind Straßenabschnitte gefährdet, auf denen das Regenwasser nicht schnell genug abfließen kann. Das kann an geografischen Gegebenheiten liegen, zum Beispiel einer Senke, in der sich Wasser sammelt, oder einer Kurve mit zu geringem Gefälle zur Straßenseite. Weitere Möglichkeiten: beschädigter Straßenbelag mit tiefen Schlaglöchern oder Spurrillen von schweren Lkw. Erhöhte Vorsicht ist auch in Waldstücken angebracht: Nicht eingesammeltes Laub verstopft hier oft die Wasserabläufe.

Wohin mit den besseren Reifen?

Kurveninnenseite mit Bürgersteig – hier steht das Wasser.

Eines vorweg: Optimal ist das Fahrverhalten mit möglichst gleicher Profiltiefe an allen vier Reifen. Werden nur zwei Räder getauscht, sollte das bessere Profil auf die Hinterachse. Grund: Sie gibt dem Wagen die Stabilität. Wichtig: Winterreifen besitzen oft eine vorgegebene Laufrichtung (am Pfeil auf der Seitenflanke zu erkennen) oder eine vorgegebene Außenseite (auf Flanke steht Outside). Wird falsch montiert, verschenkt man Fahrsicherheit.

Wie ernst nehmen Autofahrer die Vorschriften?

Der Niederquerschnittsreifen ist kurz vor der erlaubten Grenze von 1,6 Millimetern.

AUTO BILD hat auf Tankstellen und Baumarkt-Parkplätzen die Profiltiefe an zufällig vorbeikommenden Autos geprüft. Erschreckendes Ergebnis: Von 60 geprüften Fahrzeugen hielten sich neun nicht an die gesetzlich vorgeschriebene Mindest-Profiltiefe von 1,6 Millimetern. Heißt: 15 Prozent der Autofahrer riskieren 75 Euro Bußgeld und drei Punkte in Flensburg. Schlimmer: Schon bei leichtem Regenfall werden Bremswege deutlich länger, der Wagen schwimmt viel früher auf als Reifen mit frischem Profil.

Wie sieht der optimale Regenreifen aus?

Der optimale Regenreifen ist laufrichtungsgebunden, um das Wasser schnell von der Lauffläche zur Seite ableiten zu können. Außerdem besitzt er stabile Profilblöcke, um möglichst viel Halt zu geben. Die Profilkanäle sollten bei Sommerreifen mindestens drei, bei Winterreifen sogar vier Millimeter tief sein. Um den Grip der Gummimischung auf Nässe zu verbessern, ersetzt Silica den Ruß als Füllstoff im Reifen.

Expertentipp

Pierre Poncelet, Leiter Reifentests bei Goodyear.

Bei Aquaplaning auf gerader Strecke reagiert das Fahrzeug nicht mehr auf Lenkimpulse, und Bremsen ist nur noch eingeschränkt möglich. Kommt es zum Aufschwimmen in einer Kurve, schiebt das Fahrzeug ohne Möglichkeit des Gegenlenkens nach außen. Autofahrer können Aquaplaning vermeiden, indem sie bei Nässe die Geschwindigkeit reduzieren und bei ihren Winterreifen auf ein Mindestprofil von vier Millimetern achten.

Autor: Bernd Volkens

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