Ratgeber Verkehrssicherheit

Wildtiere gefährden den Verkehr Wildtiere gefährden den Verkehr

Ratgeber Verkehrssicherheit

— 21.04.2009

Im Frühling wird es wild

Achtung, Autofahrer: Revierkämpfe und Futtersuche der Wildtiere gefährden jetzt den Verkehr. Die Polizei meldet aktuell in vielen Landkreisen einen starken Anstieg von Wildunfällen.

Im Film kommen Bambi und Meister Lampe ebenso wieselflink wie schutzbedürftig daher. Im echten Leben sind sie für uns Autofahrer oft lebensgefährlich. So meldet die Polizei aktuell in vielen Landkreisen einen starken Anstieg von Wildunfällen. Reh, Hase oder Wildschwein machen im Frühjahr mobil. Nicht Frühlingsgefühle, sondern Kämpfe um ihr Revier lassen sie oft hektisch durch die Lande laufen – und mit Pech direkt vor unsere Autos. Häufig kommt es dabei zu schweren Unfällen, die oft nur dank eines Schutzengels zerknülltes Blech zur Folge haben. Bei so einem Zusammenstoß prallt ein 20 Kilogramm schweres Reh mit der Wucht einer halben Tonne gegen das Auto. Bei einem 850 Kilo schweren Hirsch sind es schon 3,5 Tonnen.

Vorsicht kann Leben retten, was Autofahrer jetzt wissen müssen

Ein Wildschwein wird bei einem Aufprall zum tonnenschweren Koloss.

• Besonders gefährlich ist es abends gegen 23 Uhr und morgens gegen sieben Uhr. Die erfolgte Umstellung von Winter- auf Sommerzeit bringt das Wild und viele Berufspendler zudem zeitlich gefährlich näher.
• Das Schild "Vorsicht, Wildwechsel!" nicht ignorieren. Es steht an tatsächlich gefährlichen Abschnitten. Deshalb: Tempo drosseln und die Straßenränder beobachten. Achtung: Tiere können natürlich von rechts wie von links kommen.
• Ohne Gegenverkehr nachts mit Fernlicht fahren. Dann erkennt man Tiere schon von Weitem an ihren Augen, diese leuchten kräftig wie "Katzenaugen".
• Taucht Wild am Straßenrand auf, sofort bremsen, abblenden und hupen. Vorsicht: Oft folgen einem Tier weitere. Also langsam wieder anfahren.

Harmloses Wild – aber nur in Feld und Flur.

• Reicht eine Vollbremsung nicht aus, muss man sich schnell entscheiden: Draufhalten oder ausweichen? Bei kleineren Tieren, bis hin zum Reh, ist Ausweichen meist die schlechtere Lösung. Vor allem bei Bäumen am Straßenrand. Dann ist es besser, das Tier zu überfahren, denn Menschenleben gehen vor.
• War ein Crash nicht zu vermeiden, die Unfallstelle absichern, Verletzte versorgen und in jedem Fall die Polizei rufen. Verletzte oder tote Tiere nicht anfassen, Infektionsgefahr! Und nicht vergessen: Die wilde Gefahr ist real – selbst wenn man noch nie einen Hirsch am Straßenrand gesehen hat.

Wildunfall und Versicherung

Wer einem Wildtier ausweicht, kann seinen Schaden unter "Rettungskosten" über die Teilkasko abrechnen (BGH, Az. IV ZR 202/ 90). Das gilt aber nur, wenn der Fahrer sein Manöver "den Umstäden nach für geboten halten durfte." Etwa bei großen Tieren, bei denen im Fall eines Crashs Gefahr für die Insassen besteht. Das wird bei einem Reh oder Wildschwein immer angenommen. Laut OLG Nürnberg ist auch eine drohende Kollision mit einem Fuchs ein solches Ereignis (8 U 1477/99). Wer vor Schreck reflexartig vor einem plötzlich auftauschenden kleinen Tier ausweicht und dadurch verunglückt, hat auch Anspruch auf Schadenersatz durch die Kasko (OLG Jena, 4 U 1152/97). Das OLG HAmm stärkte zudem die Rechte von Vollkaskokunden: Kann der Autofahrer nach einem Unfall den Zusammenstoß mit einem Tier nicht beweisen und auch die Versicherung keine Nachweise für das Gegenteil liefern, muss sie für den Schaden aufkommen. Geklagt hatte ein Mann, der nach einem Unfall rund 14.000 Euro von seiner Versicherung verlangt hatte. Begründung des Gerichts: Der Schaden am Wagen sei unstreitig ein Vollkaskoschaden gewesen. Deshalb sei es nicht relevant, ob er von einem Tier ausgelöst worden sei oder nicht ( 20 U 134/07).

Autor: Stefan Szych

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