co2 montage

Reaktionen auf die CO2-Entscheidung

— 11.06.2008

Neue Schonfrist für Hersteller

Die deutsche Autoindustrie zeigt sich weitgehend zufrieden über die deutsch-französische Einigung, die CO2-Grenzen bis 2012 auf 120 Gramm zu senken. Kritik kam dagegen von Umweltschutzverbänden und vom ADAC.

Die EU-Kommission hat den deutsch-französischen Kompromiss über strengere CO2-Grenzwerte als eine "wichtige Erklärung" begrüßt. Gleichzeitig betonte die Behörde, dass die Verhandlungen zum Thema CO2-Emissionen mit den 27 Mitgliedsstaaten weiterlaufen würden. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hatten sich zuvor grundsätzlich auf die Zustimmung zu den EU-Plänen geeinigt, den durchschnittlichen CO2-Ausstoß von Neuwagen bis 2012 europaweit um 40 auf 120 Gramm pro Kilometer zu senken. Allerdings sollen die Übergangsfristen flexibler ausfallen, um speziell der deutschen Automobilindustrie und ihren Premiumherstellern den Umstieg auf sparsamere Modelle zu erleichtern. Zudem sollen die Geldstrafen im Falle einer Nichterreichung der CO2-Grenzwerte abgemildert werden.

Zustimmung seitens der Autoindustrie, scharfe Kritik von Umweltschützern

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) zeigte sich mit der Einigung zufrieden. Sie sei "eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Vorschlag der EU-Kommission, auch wenn sie noch keine Ideallösung darstellt", erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Positiv zu bewerten sei insbesondere die stufenweise Einbeziehung aller Fahrzeuge bis 2015 ("Phase-In"), ebenso die Anrechnung von Öko-Innovationen der Hersteller – zum Beispiel energieeffiziente Leuchten oder Solar-Glasdächer – auf die Menge des CO2-Ausstoßes. "Erst so wird es möglich, die anspruchsvollen Ziele technisch umzusetzen", betonte Wissmann. Auch der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) begrüßte die Entscheidung. Es gebe nun Planungssicherheit für die Autoindustrie, so VDIK-Präsident Volker Lange. Ähnlich äußerten sich auch BMW, Audi und VW.

Deutliche Kritik an dem Beschluss kam unterdessen vom Umweltschutzverband BUND. Der geplante Übergangszeitraum bis 2015 sei nichts anderes als eine Schonfrist für die Produzenten von "Spritfressern", so ein Sprecher. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn bezeichnete die Entscheidung als "lauwarmen Kompromiss". Die Klimaschutzziele würden auf diese Weise sicherlich nicht erreicht werden.

Porsche erhofft Sonderregelung

Besonders betroffen von den CO2-Zielen sind Hersteller PS-starker Modelle wie Porsche. In Zuffenhausen hofft man deshalb auf eine Ausnahmeregelung. "Die 120 Gramm CO2 pro Kilometer würden wir niemals schaffen", erklärte Porsche-Sprecher Albrecht Bamler. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß von Porsche-Fahrzeugen liegt derzeit bei 282 Gramm je Kilometer. Nach Überlegungen der EU würden auf Porsche Strafen in Höhe von 400 Millionen Euro pro Jahr zukommen. "Das wäre existenzbedrohend", sagte Bamler. Ein Ausweg wäre der Zusammenschluss mit einem Hersteller von Kleinwagen wie VW, da sich die Grenzwerte auf den durchschnittlichen CO2-Ausstoß aller Autos eines Herstellers beziehen. Bedenken an der Einigung kam auch vom ADAC. "Da die Hersteller ihre Fahrzeuge technisch optimieren müssen, um die Grenzwerte zu erfüllen, bedeutet das zusätzliche Kosten für die Käufer. Auch bei Nichterreichung der Werte könnten sich die Kosten für die Strafen auf die Neuwagenpreise übertragen. Dieser Kompromiss ist eigentlich nur ein zusätzlicher Aufschub und keine wirkliche Lösung des Problems", erklärte ADAC-Sprecher Andreas Hölzel gegenüber autobild.de.

Autor: Jan Kretzmann

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