Reaktionen auf die Dakar-Absage

— 04.01.2008

Enttäuschung, Wut, Respekt

Die Reaktionen auf die abgesagte Rallye Dakar sind unterschiedlich: Viele Beteiligte unterstützen die Entscheidung, aber es gibt auch scharfe Kritik.



Der Veranstalter Amaury Sport Organisation (A.S.O.) hat die 30. Ausgabe der Rallye Dakar abgesagt – die Terrorgefahr in Mauretanien mache das Wüstenrennen zu riskant, so die Begründung. Das Ausmaß dieser Entscheidung ist auf den ersten Blick schwer abzuschätzen: Die Teams haben sich und ihre Fahrzeuge immerhin monatelang auf die Rallye vorbereitet, die Etats ihrer Sponsoren sind fest verplant; auch die Länder entlang der Route haben ihren Teil dazu beigetragen. Nicht zuletzt sind auch die Medien finanziell Leidtragende, denn die komplette Berichterstattung fällt ins Wasser. Welche Brisanz die Absage mit sich bringt, lässt sich an den ersten Reaktionen ablesen – von verständnisvollem Respekt für die Sicherheitsbedenken bis hin zu Schadenersatzforderungen ist alles dabei. autobild.de hat die wichtigsten O-Töne für Sie zusammengefasst.

BMW X-Raid "Ich kann die Entscheidung verstehen. Wir hatten in den letzten Tagen ständigen Kontakt mit den Veranstaltern. Unter dem Aspekt der Sicherheit gab es keine andere Möglichkeit, als die Rallye abzusagen", so Teamchef Sven Quandt vom hessischen X-Raid-Team, das mit drei BMW X3 starten wollte.

Stadt Portimão Nach der Absage der Rallye Dakar sind erste Forderungen nach Schadensersatz laut geworden. Die Stadt Portimão in Südportugal, durch die der Klassiker führen sollte, verlangte von den Veranstaltern am Freitag (4. Januar) 1,5 Millionen Euro für die entstandenen Kosten zurück. "Unsere Juristen prüfen bereits die Verträge, um eine Erstattung dieser Investitionen zu erreichen", sagte Bürgermeister Manuel da Luz in der Stadt an der Algarve-Küste. Zudem äußerte er sein "Befremden" über die Absage. "Ich hoffe, der Hintergrund ist nicht eine politische Angelegenheit zwischen den Regierungen Frankreichs und Mauretaniens", sagte er. An Heiligabend waren vier französische Touristen in dem nordwestafrikanischen Land erschossen worden.

Volkswagen Motorsport "Die Sicherheit aller Teilnehmer hat absoluten Vorrang. Deshalb stehen wir seitens Volkswagen uneingeschränkt hinter der Entscheidung des Veranstalters ASO, den für den 5. Januar 2008 geplanten Start der Rallye Dakar abzusagen", erklärt Dr. Ulrich Hackenberg, Mitglied des Volkswagen Markenvorstandes und verantwortlich für den Geschäftsbereich Technische Entwicklung. "Natürlich sind wir über die Absage sehr unglücklich, denn wir haben uns ein Jahr auf diese Rallye vorbereitet und waren bestens für diese sportliche Herausforderung gerüstet." Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen unterstreicht: "Wir respektieren die Entscheidung im Sinne der Sicherheit, die auch für uns höchste Priorität hat. Für alle im Team von Volkswagen Motorsport ist die Absage eine große Enttäuschung, denn jeder hat sich darauf gefreut, hier in Lissabon in einem sportlich fairen Wettbewerb zu starten."

Ellen Lohr "Ich bin geschockt, dass die Rallye abgesagt wurde. Man hätte zumindest in Portugal und Marokko fahren und dann von Tag zu Tag entscheiden sollen", sagte die frühere DTM-Pilotin Ellen Lohr. Viele Sponsorenverträge beginnen erst mit dem Start der Rallye. "Es war eine Fehlentscheidung der Organisation, sich der Regierung zu beugen."


Hubert Auriol Auriol hat die Dakar insgesamt dreimal gewonnen, war als erster Pilot sowohl mit dem Motorrad als auch dem Auto erfolgreich und wurde nach seiner aktiven Karriere Chef der Rallye Dakar. Er ist der Meinung, dass seine Nachfolger in der A.S.O. auch andere Möglichkeiten als eine Komplett-Absage gehabt hätten. Er sei "überrascht, dass sie die Rallye plötzlich abgesagt haben, ohne nach einer Lösung zu suchen", wurde Auriol von der 'L'Equipe' zitiert. "Einige Etappen hätte man fahren können. Ich bin überrascht, dass es keinen Plan B mit einer veränderten Route gegeben hat."


Französisches Außenministerium Der französische Außenminister Bernard Kouchner lobte "den Mut und die Vernunft" der Ausrichter.

Cyril Neveu Neveu, der die berühmte Wüstenrallye durch die Sahara fünf Mal auf dem Motorrad gewonnen hat, zeigt Verständnis. "Viele werden sehr enttäuscht sein, aber die Gefahr von Terroranschlägen auf die Karawane war nicht auszuschließen."

France Televisions, offizieller Übertragungspartner für die Rallye "Das ist ein harter Schlag, aber die Vernunft hat Vorrang."

Die mauretanische Regierung Sie hatte mehr als 3000 Sicherheitskräfte zum Schutz der Rallye zugesagt. "Die Entscheidung ist nicht gerechtfertigt", sagte Außenminister Babah Sidi Abdallah dem Fernsehsender RTL.

Jutta Kleinschmidt "Ich fühle auch mit allen Teilnehmern, die sich ein Jahr mit viel Herzblut, finanziellem Engagement und Arbeit auf diese Rallye vorbereitet haben. Hoffentlich kann die Rallye Dakar diesen Rückschlag verkraften."

Matthias Kahle "Es ist schlimm, dass Terroristen alles so beeinflussen, dass die freie Welt eben doch nicht so frei ist."

Raphael Sperrer "Ich fühle mich wie betäubt. Die Absage der 30. Rallye Dakar ist eine Katastrophe und für uns alle sehr enttäuschend. Aber die Sicherheit der Teilnehmer hat Priorität. Ich respektiere die mutige Entscheidung [...]. Die A.S.O. hätte wirklich keine andere Entscheidung treffen können, als die Sportveranstaltung abzusagen. Das ist etwas Neues in der Geschichte der Rallye Dakar, auch wenn dieser seit langem etablierte Wettbewerb schon einige schwere Unfälle und Zwischenfälle erlebt hat. Für mich wäre es der dritte Start mit dem 'Fast and Speed' Buggy gewesen. Es wäre fantastisch geworden, ein gutes Rennen für mich, meinen Co-Piloten Harmen Scholtalber und das Team. Wir haben monatelang so hart an der Vorbereitung gearbeitet, mit dem Team und den Sponsoren. Ich möchte ihnen für ihre Hilfe und ihr Vertrauen danken. Wir hätten es geschafft. Alles war bereit."

Minister im Präsidialamt Pedro Silva Pereira (Portugal) "Die Sicherheit steht an erster Stelle. Auf den Organisatoren lastete nach den Warnungen der französischen Regierung eine große Verantwortung."

Carlos Sousa (POR, VW-Pilot, privat) "Die Mannschaften wurden nicht gehört. Es wurden nicht alle Alternativen geprüft, um eine Absage zu verhindern."

Motorradpilot David Frétigné "Monate und Monate harter Arbeit haben sich in Rauch aufgelöst. Monate der sportlichen Arbeit und der Suche nach Partnern. Es ist ein Teil meiner Arbeit, der sich aus Gründen, die ich nicht beeinflussen konnte, in Rauch auflöst. Das ist dramatisch. Wir brauchen nähere Informationen. Wir müssen wissen, warum es so weit kam und vor allem, warum man es so spät entschieden hat. Das muss ich alles wissen, um es vor meinen Partnern zu vertreten. Der Dakar-Auftritt hat 250.000 Euro gekostet – ich will mir nicht vorstellen, wie viel es bei anderen ist. Das ist enorm. Was wird man tun? Diese Frage stellt man sich. Man muss jetzt über die Zukunft nachdenken. Ich fürchte, dass es künftig schwieriger sein wird, Sponsoren zu finden. Wenn ich ein Sponsor wäre und ein Pilot bei mir anfragen würde, würde ich antworten: Ihr seid ja nett, ihr fahrt doch sowieso nicht."

Volkswagen-Pilot Carlos Sainz "Ich würdige die mutige Entscheidung der Organisatoren. Gleichzeitig fürchte ich aber auch, dass nun ein Präzedenzfall geschaffen wurde. Es kann schlimme Folgen für den Sport im Allgemeinen haben, wenn eine Veranstaltung wie die Dakar aus Gründen abgesagt wird, die nichts mit dem Sport zu tun haben."

Nissan-Teamchef André Dessoud "Die Entscheidung wurde aus guten Gründen so getroffen, aber sie ist sehr ärgerlich. Wir haben monatelang gearbeitet und viel Geld investiert. Ich habe keine Ahnung, was wir jetzt tun werden."

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