Drogen im Straßenverkehr

Horrorunfall in Hamburg Horrorunfall in Hamburg

Recht: Drogen am Steuer

— 08.04.2011

Das richten Drogen an

Ein Horrorunfall am helllichten Tag mitten in Hamburg. Vier tote Fußgänger. Sie wurden Opfer eines Autofahrers, der unter Drogeneinfluss stand. Wie wirken Drogen, was droht den Tätern?

Am 12. März 2011, einem Samstag, ereignet sich in Hamburg einer der grauenvollsten Verkehrsunfälle der letzten Jahrzehnte: Um 16.45 Uhr rast ein Fiat Punto mit deutlich überhöhtem Tempo bei Rot über eine Ampelkreuzung, kollidiert mit einem Golf Cabrio, überschlägt sich mehrmals und schlägt vor einer Bäckerei auf dem Bürgersteig ein. An diesem frühlingshaften Tag sind im beliebten Hamburger Stadtteil Eppendorf viele Menschen zu Fuß unterwegs – vier von ihnen sterben. Der Fiat erfasst oder begräbt seine Opfer, alle prominent: "Tatort"-Kommissar Dietmar Mues (65), seine Ehefrau Sibylle (60), Soziologe und Buchautor Günter Amendt (71) und Bildhauerin Angela Kurrer (65) – sie warteten gemeinsam an der Fußgängerampel auf Grün. Drei der Opfer kommen noch am Unfallort ums Leben, obwohl vier zufällig anwesende Ärzte des nahen Universitätsklinikums sofort Erste Hilfe leisten. Sibylle Mues stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

Drogentest positiv

Im zerstörten Golf Cabrio werden der Schauspieler Peter Striebeck (73) und seine Ehefrau, Burgschauspielerin Ulla Striebeck (68), verletzt – sie sind mit dem Ehepaar Mues bekannt. Fünf weitere Passanten erleiden einen Schock. Der Unfallfahrer Caesar S., ein 38-jähriger Immobilienkaufmann aus Hamburg, wird leicht verletzt. Die Kreuzung gleicht einem Trümmerfeld, über ihm kreist der Hamburger Polizeihubschrauber. Aus dem Pressebericht der Polizei: "Die Verkehrsermittler beschlagnahmten den Führerschein des 38-Jährigen und ordneten eine Blutprobenentnahme an. Ein Drogen-Urintest verlief positiv. Somit besteht der Verdacht, dass der 38-Jährige unter dem Einfluss berauschender Mittel gefahren ist."

Oben in der Bildergalerie: Welche Strafen drohen?

Später erhärtet sich der Verdacht, im Körper des Unfallfahrers wird THC (Tetrahydrocannabinol) festgestellt. THC ist der Hauptwirkstoff der Cannabis- Pflanze, aus der Haschisch gewonnen wird. Der überwiegende Teil einer Dosis wird innerhalb von 72 Stunden ausgeschieden, Langzeitkonsum ist aber mittels einer Haaranalyse noch Monate nach dem letzten Konsum nachweisbar. Die Konsequenz für Unfallfahrer Caesar S.: bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe wegen fahrlässiger Tötung, sagt AUTO BILD-Rechtsexperte Uwe Lenhart. Noch laufen die Ermittlungen, so ein Sprecher der Hamburger Polizei. Der Unfallfahrer von Hamburg-Eppendorf ist derweil auf freiem Fuß.
Drogen und ihre Gefahren
Bezeichnung Zusammensetzung Konsumform Auswirkung im Verkehr*
Cannabis/Haschisch Gepresste Platten aus dem Harz
der Hanfpflanze
Mit Tabak geraucht, in Plätzchen
eingenommen, als Tee getrunken
Aufmerksamkeits- und
Wahrnehmungsstörungen
Cannabis/Marihuana Getrocknete, zerriebene Blätter
der Hanfpflanze
Mit Tabak geraucht Ähnlich wie Haschisch
Kokain Aus dem südamerikanischen Koka-Strauch gewonnenes weißes Pulver Geschnupft, geraucht, gespritzt Stark aufputschend, Bewusstseinsstörungen, Selbstüberschätzung, Aggressionssteigerung, Hemmungslosigkeit
Crack Auf Basis von Kokain hergestellte
Bröckchen
Geraucht Ähnlich wie Kokain, Symptome noch
verstärkt, Halluzinationen
Opium Flüssigkeit oder Pulver aus
eingetrocknetem Milchsaft der
Fruchtkapseln des Schlafmohns
Geraucht, getrunken, eingenommen Betäubend, Beeinträchtigung der Konzentrations- und Urteilsfähigkeit
Heroin Aus Opium gewonnenes Pulver Gespritzt, geraucht, geschnupft Ähnlich wie Opium, Störung der
Sinneswahrnehmung
LSD Tabletten oder Papierstreifen ("Trips") mit dem Wirkstoff Lysergsäurediethylamid Eingenommen Wahrnehmungs- und Bewusstseinsstörungen, Selbstüberschätzung, Wahnerlebnisse
Synthetische Drogen Künstlich erzeugte chemische Substanzen als Tablette Eingenommen, geschnupft, gespritzt Steigerung von Risikobereitschaft und Aggressivität, Verwirrtheit
*Auswahl möglicher Auswirkungen; bei allen oben genannten Drogen besteht außerdem die Gefahr der psychischen und körperlichen Abhängigkeit!

Autor: Roland Bunke

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