Dolderer

Red Bull Air Race: Dolderer

— 02.09.2016

"Mit 800 Kilo in den Sitz gepresst"

Der Deutsche Matthias Dolderer reist als WM-Spitzenreiter zum Red Bull Air Race an den Lausitzring. Ein Gespräch über Angst und Risiko beim Wettfliegen.

Herr Dolderer, wie wird man Red Bull Air Race-Pilot?

Matthias Dolderer (45): Erst mal habe ich einen Pilotenschein gemacht. 2003 war ich dann beim allerersten Red Bull Air Race in Zeltweg dabei, konnte aber nicht mitfliegen, weil das Starterfeld voll war. Ich musste Kunstflug-Meisterschaften bestreiten und mich unter den besten 25 Kunstpiloten der Welt etablieren. Das ist mir gelungen, und jetzt bin ich hier. Und genieße es, weil es einfach nur geil ist! Was macht es so einzigartig?

Die Freiheit der Fliegerei, die Präzision, die man an den Tag legen muss, die Geschwindigkeit, der Sound, die Technik und natürlich das schnelle und tiefe Fliegen durch Hindernisse.

All das ist extrem gefährlich. Haben Sie Angst vor dem, was Sie machen?

Risikomanagement ist eine unserer Hauptaufgaben. Wir tun aus menschlicher und technischer Sicht alles, um die Risiken zu minimieren. Man kann es nicht ganz ausschalten, aber ich hatte noch nie eine Situation, in der ich dachte: Puh, das war knapp. Man streift mal die Pylonen, aber das macht nichts, denn die sind mit Luft aufgeblasen, da passiert nichts und geht auch nichts kaputt. Wir bekommen dann nur Strafpunkte. Angst habe ich also nicht, aber Respekt. Den brauchst du auch, sonst würde man zu viel Risiko eingehen – das können wir hier nicht brauchen.

Sie sind aktuell der Tabellenführer. Was machen Sie besser als die anderen?

Es müssen alle Bausteine zusammenpassen. Das Flugzeug muss gut sein, das Team muss gut arbeiten, und der Pilot muss im Wettkampf alles auf den Punkt bringen. Das ist vor allem mental eine große Herausforderung.

Wie trainieren Sie dafür?

Matthias Dolderer erklärt ABMS seinen Sport

Teilweise wirkt das Zehnfache unseres Körpergewichts auf uns Piloten. Wenn einer also 80 Kilo wiegt, wird er mit 800 Kilo in den Sessel gepresst. Da musst du körperlich fit sein. Aber den Parcours selber können wir nur im Wettkampf üben. Wichtig ist: Man muss sich schon im Vorfeld überlegen, welche Linie am schnellsten ist.

Sie fliegen mit einer Zivko Edge 540 V3. Was ist besonders an so einem Flugzeug?

Der Motor hat 300 PS, da dürfen wir aber nichts machen. Anders als bei der Aerodynamik, da entwickeln wir weiter, müssen das aber vom Technischen Komitee absegnen lassen. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 435 km/h, der Rennspeed rund 370 km/h. Der Flieger wiegt 550 Kilo, mit Pilot und Sprit und so weiter liegt das Mindestgewicht bei 696 Kilo. Die Rollrate ist 420 Grad pro Sekunden, also wir drehen uns in einer Sekunde mehr als einmal um die eigene Achse. Die Steigrate, wenn wir ein vertikales Wendemanöver machen, liegt bei 6000 Metern pro Minute. Das geht also recht gut weg, das Ding (schmunzelt).

Ein teurer Spaß?

Wir entwickeln unser Flugzeug weiter und bauen nicht immer ein neues. Deshalb ist unser Sport billiger als DTM oder Formel E.

Und was macht die Rennen so interessant?

Wir fliegen im K.-o.-System, das heißt, alle zweieinhalb Minuten gibt es eine Entscheidung: einer fällt raus, einer kommt weiter.
 

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Red Bull Conten Pool

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