Dolderer

Red Bull Air Race: Dolderer

Der Überflieger des Jahres

Matthias Dolderer hat 2016 als erster Deutscher das Red Bull Air Race gewonnen, die Formel 1 der Lüfte. Das Meisterinterview.

Herr Dolderer, herzlichen Glückwunsch zum Titel. Können Sie bitte einmal beschreiben, was Sie genau machen in Ihrem Sport?
Wir betreiben Rennsport mit Flugzeugen. Die Rennflugzeuge haben 7,50 Meter Spannweite, sind 6,30 Meter lang, und wiegen 550 Kilo, die Einheits-Motoren leisten 300 PS und sorgen für einen engen Wettbewerb.  Wir fliegen durch einen Parcours, aufgebaut mit luftaufgeblasenen Pylonen, ähnlich wie beim Slalom-Skifahren. Nur fliegen wir bei bis zu 370 km/h, fliegen in circa 20 Meter Höhe über dem Boden mit der Belastung von 7g, also dem siebenfachen des Körpergewichts. Die Strecken sind ungefähr sechs Kilometer lang. Dafür benötigen wir eine knappe Minute. Aufgabe ist es, den Kurs  fehlerfrei in der schnellstmöglichen Zeit abzufliegen. Da ist viel mentale Stärke gefragt: Man darf sich nicht unter Druck setzen und versuchen, mit dem Flieger schneller zu fliegen, als Flugzeug und Parcours es hergeben. Es geht um tausendstel Sekunden, also wirklich um jeden Millimeter. 14 Weltklasse-Piloten aus der ganzen Welt gehen im Red Bull Air Race an den Start. Derzeit haben wir acht Rennen. Hoffentlich werden es künftig noch mehr. Die Rennen finden über Land oder Wasser statt. Es geht halt alles sehr schnell, die Rollrate beträgt circa 420 Grad. Das heißt: Wir drehen uns in einer Sekunde mehr als einmal um die eigene Achse. Die Flugzeuge sind sehr, sehr wendig und agil. 
Was unterscheidet  das Red Bull Air Race von herkömmlichen Motorsport-Arten?
In anderen Motorsportarten hast du mehr Zeit, deine Fehler wieder auszubügeln. Bei uns es ist so: Wenn du einen Rucker machst, hast du keine Chancen mehr. Wir fliegen einzeln auf Bestzeit, ähnlich wie im Rallyesport. Und wir fliegen im Knock-Out-System wie im Tennis. Der Sieger im direkten Duell kommt eine Runde weiter. Wir brauchen auch keine ultragroßen Teams wie in der Formel 1 oder der DTM. Der größte Unterschied ist, dass wir im dreidimensionalen Raum kämpfen und nicht im zweidimensionalen. Das Wetter und vor allem der Wind spielt also eine große Rolle. Wir sind auch an sehr coolen Orten dieser Welt – wir fliegen über den Hudson River, über die Donau oder im Monument Valley. Das kannst du mit dem Auto alles nicht machen.
Bedeutet das Fliegen für Sie auch Freiheit, oder ist es für Sie wirklich nur der Wettbewerb, der Sie antreibt?
Das Fliegen an sich ist schon Freiheit pur. Die Kombination aus Technik, Beherrschung des Fluggeräts und der Wettbewerb ist eine große Herausforderung. Du willst natürlich wie bei anderen Wettbewerben auch der Bessere sein.
Dieses Jahr haben Sie erstmals den Titel gewonnen. Was hat Sie in dieser Saison so stark gemacht?
Das ist  ein Zusammenspiel aus vielen Faktoren. Mein Team und ich haben uns im Winter Gedanken gemacht, was wir noch brauchen, um Weltmeister zu werden. Dann haben wir versucht in allen Belangen besser zu werden. Das Flugzeug ist besser geworden, wir haben eine neue Rumpfverkleidung gestaltet und verschiedene  andere Details verbessert. Das Flugzeug fliegt sich jetzt leichter. Zudem haben wir das Team neu geordnet, die Aufgaben neu verteilt und genauer definiert. Effizienz ist bei einem so kleinen Team wie dem unseren wichtig. Und wir haben uns ausschließlich auf uns konzentriert
Pilot oder Technik – was hat mehr Einfluss auf den Rennausgang?

2016 gewann Dolderer das Flug-Spektakel

Meiner Meinung nach liegt der Anteil des Piloten bei uns bei rund 70 bis 80 Prozent. Das ist in der Formel 1 anders. Ein Fernando Alonso, der als einer der besten Fahrer gilt, hatte in diesem Jahr in seinem McLaren-Honda keine Chance, Rennen zu gewinnen. Setz ihn in einen Mercedes und er fährt um den WM-Titel. Hinzu kommt bei uns, dass man sich durch das Knock-Out-System wirklich keinen Fehler erlauben darf. Die Rennen sind so kurz, dass man die, anders als bei einem eineinhalbstündigen Autorennen, einfach nicht mehr wett machen kann.  
Nach dem Titelgewinn: Was ist jetzt Ihr nächstes Ziel?
2016 war mein absolutes Highlight im Red Bull Airrace. Jetzt heißt das Ziel Titelverteidigung. In dieser Art der Fliegerei gibt es für mich nichts Geileres. Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, was ich in meinem Leben sonst noch machen will. Aber das Red Bull Air Race zu gewinnen ist schon die Krönung. Sportlich kommt danach nicht mehr so viel.
Interessieren Sie sich auch für Autorennen?
Ich bin schon zwei Mal in der Mini-Challenge gestartet und habe erfahren, dass man ohne Chance zu testen nur hinterher fährt.  Sicher ist für mich nur: Wenn ich keine Chance habe zu gewinnen, will ich das nicht machen. Denn dann macht es keinen Spaß.
Weitere Details zum Red Bull Air Race erklärt Dolderer hier

Autor: Michael Zeitler

Fotos: ABMS / Hersteller

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