Red Bull RB6

Red Bull-Sportchef im Interview

— 27.05.2010

Red Bull fehlten vier Wochen

Vor dem Grand Prix der Türkei verrät Red Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko exklusiv in AUTO BILD MOTORSPORT: Wegen Mercedes hatte der neue Red Bull RB6 einen Monat Entwicklungsrückstand.

Sebastian Vettel und Mark Webber liegen punktgleich an der Spitze der Formel 1-WM. Doch glaubt man Red Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko, hätte ihr Vorsprung längst größer sein können als drei Zähler auf den drittplatzierten Fernando Alonso. Schuld daran sei Mercedes. "Mercedes wollte uns für 2010 zunächst mit Motoren beliefern, hat uns dann aber mit der endgültigen Absage (wegen eines Vetos von McLaren; d. Red.) bis November letzten Jahres hingehalten", so Marko gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT. "Dadurch haben wir einen ganzen Monat Entwicklungszeit verloren".

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Red Bull erhielt von Mercedes eine Absage, blieb bei Renault-Motoren.

Nach der Absage von Mercedes entschied sich Red Bull, weiter mit Renault zu kooperieren. Doch vier wertvolle Wochen lang musste Chefkonstrukteur Adrian Newey mit dem endgültigen Design des Hecks warten. "Wer weiß, wo wir ohne diese Verzögerung jetzt wären", stellt Marko in den Raum. Die Fakten geben ihm Recht. Erst beim zweiten Test in Jerez hat Red Bull eine Woche nach allen anderen Top-Teams das neue Auto präsentiert. Danach kämpfte die Truppe aus Milton Keynes mit den Kinderkrankheiten des RB6. Beim Saisonauftakt in Bahrain fiel Vettel nach einem Zündkerzendefekt von Platz eins auf Rang vier zurück, in Australien musste er seinen Red Bull in Führung liegend wegen eines Problems mit der linken Radmutter und zu dünn designten Distanzscheiben abstellen. Macht insgesamt 38 Punkte, die Vettel wegen der Unzuverlässigkeit seines RB6 verloren hat.

Adrien Newey hat bei Red Bull einen Vertrag ohne Laufzeit

Red Bull-Team: Fahrer Sebastian Vettel (li.) und Sportchef Dr. Helmut Marko.

Erst seit dem GP Malaysia, drei Wochen nach Saisonbeginn, läuft der Red Bull wie ein Uhrwerk. Und die Überlegenheit soll noch lange anhalten. ABMS erfuhr: Red Bull plant, Superhirn Adrian Newey langfristig zu binden. Teamchef Horner zu ABMS: "Adrian hat das Team letztes Jahr gebeten, die Laufzeit aus seinem Vertrag zu streichen. Er fühlt sich sehr wohl bei uns, genießt die Zeit und ich bin sicher, er wird noch einige Jahre für uns arbeiten." Der kreative Kopf Newey kriegt bei Red Bull die Freiheit, die er braucht. Newey zu ABMS: "Zwei Tage die Woche arbeite ich von zu Hause. Das nehme ich mir heraus, um ungestört denken zu können." Die besten Ideen hat er unter der Dusche: "Tagsüber denke ich viel über die Probleme des Autos nach. In der Nacht verarbeite ich das Ganze dann und morgens unter der Dusche fällt mir plötzlich eine Lösung ein."

Die Konkurrenz fürchtet den Red Bull RB6

So entstand mit dem Red Bull RB6 ein Auto, das die Konkurrenz fürchtet. Lewis Hamilton zu ABMS: "Die haben einige interessante Ideen am Auto. Ich habe meinen Ingenieuren schon gesagt, sie sollen die schleunigst nachbauen!" Newey hat Auspuff und Hinterradaufhängung so versetzt, dass der Doppeldiffusor mehr Platz hat als im RB5. Eine flach nach hinten abfallende Verkleidung verbessert die Anströmung des Heckflügels. Newey: "Das letztjährige Auto war nicht für den Doppeldiffusor gebaut. Aufhängung und Getriebe konnten nachträglich nicht verändert werden. Das ist dieses Jahr anders. Das ganze Heck ist um den Diffusor herum konstruiert worden. Deshalb funktioniert er nun noch besser."

Adrien Newey: "Habe mich ernsthaft gefragt, ob ich weitermachen will"

Newey entwarf 1994 den Williams, in dem Ayrton Senna tödlich verunglückte.

Ab dem kommenden Wochenende (29./30. Mai 2010) beim Grand Prix in der Türkei fährt Red Bull außerdem mit dem F-Schacht. Einem Luftleitsystem, das die Höchstgeschwindigkeit um bis zu zehn km/h steigert. Red Bull hat Glück, dass Newey nicht längst aufgehört hat. 1994 entwarf er den Williams, in dem die F1-Legende Ayrton Senna tödlich verunglückte. Gegenüber ABMS gibt Newey zu: "Damals habe ich mich ernsthaft gefragt, ob ich weitermachen will in der F1. Wäre der Unfall Resultat eines Konstruktionsfehlers gewesen, hätte ich aufgehört. Doch alle Datenaufzeichnungen zeigen, dass Ayrtons Auto übersteuerte. Das passiert nicht, wenn – wie überall vermutet – die Lenksäule bricht. Deshalb habe ich weitergemacht." Und nun womöglich Vettels ersten WM-Renner gebaut.

Autor: Bianca Garloff

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