Red Bull X-Fighters

Sebastian Busty Wolter Motorrad Sprung

Red Bull X-Fighters

— 01.07.2008

Der mit den Wolken tanzt

Akrobatik auf einem fliegenden Motorrad ist die Spezialität der Red Bull X-Fighters. Im August 2008 springt die total verrückte Truppe erstmals in Deutschland. AUTO BILD MOTORSPORT spielte beim Training schon mal Mäuschen.

Ganz entspannt steht der Mann da. Das breite Grinsen im Gesicht signalisiert Vorfreude. Dann kommt's. Quasi im Vorbeigehen. "Unser Sport ist gefährlich. Erstaunlich, dass so wenig passiert." Peng! Das saß! Also Schluss mit lustig? Von wegen? Der Spaß fängt gerade erst an… Sebastian Wolter (31), genannt "Busty", bereitet sich auf seinen großen Auftritt vor. Ausflug wäre eigentlich treffender. Busty Wolter ist einer der Stars der Red Bull X-Fighters. Die haben ihren Spaß daran, ziemlich verrückte Dinge auf einem Motorrad zu veranstalten – zehn bis zwölf Meter über Grund. Am 16. August 2008 ist die Truppe der weltbesten Motocross-Freestyle-Artisten erstmals zu Gast in Deutschland. Im Steinbruch Oetelshofen bei Wuppertal. Heute und hier in Schenkenhorst, kurz vor Berlin, trainiert Wolter.

Kampfspuren gehören dazu, aber im Rollstuhl sitzt noch keiner

Flug-Akrobat auf zwei Rädern: Sebastian "Busty" Wolter (31).

Der Spruch mit dem Meister, der noch nie vom Himmel gefallen ist, gilt dabei nicht. "Ein Sturz beim Freestyle-Springen ist wie ein Sprung vom Zehn-Meter-Brett – aber auf der falschen Seite", grinst Wolter lapidar. Er hat's erlebt. Überdeutlich zu sehen an seinen Kampfspuren: Narben am rechten Knöchel (Trümmerbruch), auf dem Rücken (großflächig Muskel- und Fettgewebe gelöst) und an der linken Schulter (Sehnenriss). Fliegen, das kann Wolter. So, dass die weißen Wolken am blauen Himmel über Berlin fast neidisch werden. Nur mit dem Landen hapert's halt manchmal. "Aber im Rollstuhl sitzt noch keiner von uns".

Vollgas die Rampe rauf Richtung Himmel – Angst ist hier fehl am Platz

Kurze Drehung an der Wand – im Freestyle-Slang auch als "Wendung" bezeichnet.

Der Mann hat Humor. Doch er kann auch ganz ernsthaft. "Wir wissen um die Gefahr. Es kann immer was schiefgehen. Aber grundsätzlich machen wir nur Dinge, die wir beherrschen." Deshalb das Training. 20 bis 30 Sprünge in Folge. Kurze Anfahrt auf der Suzuki RM 250 (Einzylinder-Zweitakt, 249 ccm, 50 PS). Vollgas die Rampe rauf Richtung Himmel. Noch schnell ein paar flotte Turnübungen auf der nahezu serienmäßigen Cross-Maschine und schon geht's wieder Richtung Landehügel. Kurze Wende, am liebsten an der Wand am Ende der Trainingsbahn und das Ganze von vorn. "Bewegungsabläufe automatisieren", nennt Wolter das. Und dann entschuldigt er sich: "Der Wind ist heute zu stark. Da probier ich lieber nur die leichten Dinge."

Also so Sachen wie kopfüber auf dem Motorrad die gekreuzten Beine drehen (genannt Helicopter). Oder auf einer Fußraste stehend ein Bein elegant nach hinten über den Sitz kreuzen (Nac-Nac). Vielleicht mal eben ein kleiner Handstand auf dem Motorrad, eine Hand am Lenker, eine an der Sitzbank (Hard Attack). Spielerisch leicht sieht das aus. So wie vor zwei Jahren, als er bei der ZDF-Show "Wetten dass…" bei der Landung mit dem Hinterrad fünf Äpfel zermatschte. Diesmal gibt's als Zugabe einen Backflip. Das ist ein Rückwärtssalto auf dem Motorrad. Vor wenigen Jahren noch für unmöglich gehalten, heute Standard.

Kein übertriebener Ehrgeiz: Im Mittelpunkt steht der Spaß

Im Training fliegt Wolter in die selbst gebaute, mit Schaumstoff gepolsterte Grube.

Wolter wechselt die Bahn. Der Fotos wegen fliegt er nun in seine selbst gebaute Sprunggrube. Die ist mit drei Tonnen Schaumstoff gefüllt. Alles von Hand geschnitten. Für eine weiche Landung. Hier übt der Wolter Busty neue Tricks. Aber erst dann, wenn andere sie bereits beherrschen. "Manche vollführen da oben Dinge, dabei kann man sich nicht wohlfühlen. Das mache ich nicht. Erst wenn jemand bewiesen hat, dass ein neuer Trick wirklich funktioniert, suche ich nach einem Weg, diesen umzusetzen." Übertriebener Ehrgeiz ist sein Ding nicht. Spaß haben ist Wolter allemal wichtiger als gewinnen.

Von wegen Party-Image: Die X-Fighters sind absolute Profis

Jetzt bloß nicht loslassen: Sebastian Wolter – Spitzname "Air Wastl" – beim Luft-Handstand.

Seit 1995 fliegt er mit dem Motorrad durch die Lüfte. "Normale" Motocross-Rennen waren ihm einfach zu langweilig geworden. Als Pionier erflog er sich den Ehren-Namen "Air-Wastl". Heute gehört er zum alten Eisen. "Die Jungen müssen volles Risiko gehen, um uns alte Etablierte zu besiegen. Ich ruhe mich ein bisschen auf meinen Lorbeeren aus", gibt er gern zu. Nur eins stört Busty Wolter an seinem Sport: "Dieses ewige Partyimage, das uns anhängt. Aber hier fährt keiner von der Party zum Wettkampf. Wir sind alle Vollprofis. Wir leben für unseren Sport." Fast zu viel Ernst für einen wie Wolter. Aber logisch, da kommt er, der Nachsatz: "Klar trinken wir mal einen. Aber immer nur nach dem Wettkampf. Da sind wir eben alle froh, überlebt zu haben."

Die X-Fighters-Serie im Überblick

FMX steht für Freestyle Motocross. Anfang der 90er-Jahre begannen Motocross-Fahrer einige aus dem BMX-Sport bekannte Tricks mit dem Motorrad aufzuführen. Daraus entwickelte sich mit der Zeit eine eigene Sportart. Während die Urväter des FMX alle aus dem Rennsport kamen, sind die jungen Freestyle-Artisten reine Spezialisten. 2001 ließ der österreichische Energy-Drink-Hersteller erstmals die besten Motorrad-Springer der Welt unter dem Namen X-Fighter antreten. Beim Debüt in Valencia noch als Anhängsel einer Skater-Show. Doch die springenden Motocrosser stahlen den Skateboardern die Show.

Seit 2007 sind die X-Fighter eine weltweite Serie. In diesem Jahr umfasst sie fünf Veranstaltungen, erstmals auch eine in Deutschland. Die Sprünge werden von einer Jury nach fünf Kriterien begutachtet: Schwierigkeit des Tricks, technische Ausführung, Style, Streckennutzung und – meistens von einem fachfremden Promi bewertet – der Showfaktor. Am 16. August 2008 erobern die X-Fighter Wuppertal. Genauer: den Steinbruch Oetelshofen an der B7 zwischen Wuppertal und Mettmann. Der Vorverkauf für die Veranstaltung läuft. Die Tickets kosten von 50,90 Euro (Stehplatz) bis 75,50 Euro.

Autor: Thomas Arndt

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