Reifenmängel an Wohnmobilen

Reifenmängel an Wohnmobilen Reifenmängel an Wohnmobilen

Reifenmängel an Wohnmobilen

— 24.03.2003

Platz-Angst im Wohnmobil

Zu schwach dimensioniert, zu stark beansprucht: Reifen sind bei Wohnmobilen ein wunder Punkt. Die Branche kennt die Gefahren – und schweigt.

Böse Urlaubserinnerung

Arno Lauer kam mit dem Schrecken davon. Und mit 5811 Euro Schaden. Am 20. Juli 2002 verliert der Kfz-Meister aus Hessen auf der Rückfahrt vom Urlaub die Kontrolle über seinen Wohnwagen der Marke Eifelland Sunshine 465. Kurz hinter München hatte sich die Lauffläche des linken Reifens abgelöst. Mit viel Glück fängt Lauer das Gespann ab, doch Toilette, Heizung und Schränke im Wohnwagen sind zerstört. Lauers Frau und die beiden Kinder warten auf dem Standstreifen der A 8 auf Hilfe. "In solchen Momenten rutscht dir das Herz ganz tief in die Hose", sagt Arno Lauer.

Wohnmobilfans wie er sollten sich ein gutes Nervenkostüm zulegen, denn Reifenschäden entwickeln sich in der Caravanbranche regelmäßig zur bösen Urlaubserinnerung. Und manchmal auch zu einem echten Schicksalsschlag. Im Juni 1999 starb Sonja Neumann, weil an ihrem Wohnmobil bei Tempo 80 ein Reifen platzte. Ihr Ehemann forderte öffentlich höhere Sicherheitsstandards bei den Urlaubsmobilen (AUTO BILD 33/99).

Reifen kämpfen mit Qualitätsproblemen

Wie sehr die Hersteller von Caravanreifen mit Qualitätsproblemen zu kämpfen haben, beweist der Riesen-Rückruf Ende 2001, als über 100.000 Reifen wegen der Gefahr von Profilablösungen getauscht werden mussten. Betroffen damals: die asiatischen Hersteller Marshal und Kumho.

Auch Arno Lauer fuhr auf Kumho-Reifen der Größe 195/70 R14. Nach Begutachtung des zerbrochenen Reifens konnte Kumho Europa jedoch "keinerlei Konstruktions-, Fertigungs oder Materialmängel" feststellen. Lapidar hieß es: "Die Bereifung wurde über einen langen Zeitraum mit sehr hoher Auslastung und unter ungünstigen dynamischen Belastungen betrieben."

Selbst Caravanhersteller Knaus hat da offensichtlich Zweifel. In einem Brief an seinen Kunden Lauer werden "in letzter Zeit vermehrt Schäden mit Reifen der Marken Kumho und Marshal" zugegeben. Ein Wohnwagen-Händler aus dem Sauerland erklärt, warum: "Häufig verwenden die Hersteller aus Kostengründen Billigreifen aus Überproduktionen. Da werden Tausende von billigen Reifen aus Taiwan aufgekauft, die schon seit Jahren in der Sonne gelegen haben und porös geworden sind."

Tipps bei Caravanreifen

Zudem knausern viele Caravanhersteller bei der Reifendimensionierung. Jede Überladung kann dann tödlich sein. Genauso wie falsche Luftdruckangaben, die von denen der Reifenhersteller häufig deutlich abweichen. Mangelnde Pflege der Reifen verstärkt diese Gefahren zusätzlich.

Arno Lauer hat sich nichts vorzuwerfen: Sein Wohnwagen stand vor dem Unfall aufgebockt in der Garage. Caravanfan bleibt Lauer trotz seines dramatischen Unfalls. In diesem Jahr wird er mit der Familie nach Korsika reisen. Doch diesmal wird Lauer etwas mehr in die Sicherheit investieren und sich vor der Abreise seine Reifen ganz genau anschauen.

Das müssen Sie beachten: Beim Kauf unbedingt auf Qualität achten (z. B. Michelin XC Camping). Sommer wie Winter sollten die Reifen vor Sonnenlicht geschützt und trocken geparkt werden. Der Luftdruck sollte auch im Stand regelmäßig überprüft werden, um einen Standplatten zu vermeiden. Am besten: Fahrzeug bei längerer Standzeit aufbocken, damit sich die Reifen nicht kaputt stehen.

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