Reifenprofile im Test

— 20.07.2004

Grobiane mit Ausrutschern

Mehr Grip im Gelände ist nützlich. Aber auf der Straße? AUTO BILD ALLES ALLRAD zeigt, wie sich unterschiedlich grobe Reifen auf Asphalt verhalten.

Offroader rollen ab Werk auf Straßenreifen

Allradantrieb ist eine feine Sache. Er erhöht die Fahrsicherheit, bringt Vortrieb bei Nässe, Schnee und Eis – und natürlich auch im Gelände. Dass der Allradantrieb allein so manchem Fahrzeugbesitzer immer noch nicht reicht, liegt an den Einsatzmöglichkeiten eines Allradautos.

Mit einem normalen 2WD-Pkw würde kaum jemand auf die Idee kommen, den Forst- oder Almweg bezwingen zu wollen, einen großen Wohnwagen über einen durchfeuchteten Campingplatz zu zerren oder ein großes Motorboot auf dem Anhänger aus der Slipanlage zu ziehen. Der Allradler wird es schon schaffen. Und doch scheitert so mancher Versuch. Das liegt aber selten am Allradler und seiner Technik, sondern häufig an den Reifen.

Auch Geländewagen rollen ab Werk grundsätzlich auf Straßenreifen. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn viele 4x4-Autos verlassen den Asphalt so gut wie nie. Wer jedoch hohe Ansprüche an das Fortkommen abseits der Straße stellt, muss sich über Reifen Gedanken machen. Solange der Untergrund halbwegs trocken ist, kommen Allradler auch mit Straßenreifen erstaunlich weit.

Bremsweg oder Traktion – entweder oder

Das Ende ist oft erreicht, wenn die Wiese nass ist, aus der der schwere Anhänger gezogen werden soll. Reifen mit mehr Grip gibt es dabei von fast allen Marken. Mischreifen nennt man dabei die Kompromissreifen, die gleichermaßen für den Einsatz auf Straße und Gelände gedacht sind. Geländereifen nennt man solche, die überwiegend Grip im Schlamm bereitstellen und dafür weniger Haftung auf der Straße bieten.

Genau hier liegt das Problem: Man kann nicht beides haben. Kurze Bremswege auf Asphalt und beste Traktion im Schlamm schließen sich nach derzeitigem Stand der Reifentechnik aus. Der Mischreifen kann deshalb beides nur halb. Er bremst halbwegs gut auf Asphalt und baggert halbwegs gut im Schlamm.

Unser Test zeigt dabei, dass man schon mit einem Mischreifen besonders bei Nässe einen deutlich größeren Sicherheitsabstand zum Vordermann einhalten muss. Dabei ist der Dunlop-Mischreifen ein modernes Exemplar, bei dem die Entwickler viel Wert auf Straßentauglichkeit gelegt haben.

Moderne Ganzjahresreifen als Alternative

Andere Mischreifen mit mehr Geländeorientierung (Beispiel: BF Goodrich All Terrain) bremsen bei Nässe noch schlechter. Echte Geländereifen müssen mit noch mehr Vorsicht gefahren werden. Beim ABS-Allradler wachsen die Bremswege auf das Niveau eines beladenen Transporters an.

Mit einem älteren Geländewagen ohne ABS rutscht man wie ein Schlitten über den nassen Asphalt. Ausweichmanöver erfordern bei ESP-losen Allradlern entweder hohes Fahrkönnen oder niedrige Geschwindigkeit. Das ESP unseres Test-Mitsubishi kam beim Ausweichtest mit Geländereifen aus dem Regeln gar nicht mehr heraus. Auch hier half nur deutlich gedrosseltes Tempo.

Dass der Ganzjahresreifen gegenüber dem Sommerreifen auf dem Handlingkurs sogar etwas schnellere Rundenzeiten ermöglichte, hat einen speziellen Grund: Der getestete Sommerreifen (PT1) ist seit zehn Jahren auf dem Markt und daher nicht mehr ganz auf den neuesten Stand der Reifentechnik.

Dagegen profitiert der Dunlop-Ganzjahresreifen (ST1) von seiner späten Geburt und damit verbessertem Grip, der einem reinrassigen Sommerreifen in vielen Belangen sehr nahe kommt. Andere Ganzjahresreifen älterer Konstruktion hätten dagegen deutlich schlechter abgeschnitten.

Testbedingungen und Ergebnis

Fazit Dass grobere Mischreifen oder gar echte MT-Geländereifen auf Asphalt schlechter abschneiden als Straßenprofile, war wohl jedem schon vor dem Test klar. Wie groß die Unterschiede wirklich sind, zeigt unser Versuch mit vier Dunlop-Profilen der gleichen Dimension eindrucksvoll. Demnach ist ein Geländepneu auf der Straße mit äußerster Vorsicht zu bewegen, vor allem wegen des überlangen Bremswegs.

Dagegen hält ein moderner Mischreifen für Straße und Gelände wie der Dunlop Grandtrek AT2 mit den beiden Straßenprofilen überraschend gut mit. Allerdings mit einer entscheidenden Ausnahme: Der Bremsweg auf nasser Fahrbahn ist nur wenig besser als mit dem reinen Geländepneu. Wer also unbedingt auf geländetaugliche Reifen angewiesen ist, muss vor allem eines tun: sehr vorausschauend fahren.

So haben wir für Sie getestet Um wirklich vergleichbare Ergebnisse bei diesem speziellen Reifentest zu erzielen, war es überaus wichtig, dass alle vier Profilarten in genau der gleichen Dimension antreten. Es hat wenig Sinn, einen Straßenreifen in 255/55 R 18 mit einem Geländepneu in 235/75 R 15 zu vergleichen, weil das Messergebnis auch durch die unterschiedliche Reifendimension stark beeinflusst wird. Deshalb haben wir die Dimension 265/70 R 16 und die Marke Dunlop gewählt. Der Traditionshersteller bietet hier die gewünschte Profilauswahl: Grandtrek PT1 (Straßen-Sommerreifen), Grandtrek ST1 (Straßen-Ganzjahresreifen), Grandtrek AT2 (Mischreifen) und Grandtrek MT2 (Geländereifen).

• Ein viertüriger Mitsubishi Pajero diente als Versuchsfahrzeug. Die Reifendimension 265/70 R 16 ist bei ihm die Seriengröße. Gut für den Test, denn andere als die vom Werk vorgesehenen Dimensionen können wiederum das Fahrverhalten stark beeinflussen, was die alleinige Bewertung der Reifen erschwert.

• Perfekt lief es auf dem Versuchs- und Testgelände von Dunlop Deutschland bei Wittlich nahe der Mosel. Anfangs bereiteten dunkle Wolken Sorgen, doch dann konnten wir doch noch planmäßig die Trocken-Tests durchführen.

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