Renault Captur: Fahrbericht

Renault Captur Renault Captur

Renault Captur: Fahrbericht

— 05.04.2011

Auf Gartenstühlen in die Zukunft?

Bei Renault proben sie gerade die optische Revolution. Eindrucksvolles Beispiel ist da die Studie Captur. AUTO BILD hat sich den närrischen Käfig für eine Ausfahrt geliehen.

Haltet Euch fest, der Gartenstuhl ist zurück im Auto! So richtig wie damals, mit quer gespannten Schnüren, dem – nett gesagt – federnden Sitzkomfort und einem zweischneidigen Gefühl am Allerwertesten. Mobiliar, das wir aus den Franzosen der Sechziger kennen, aus R4, Ente und klapprigen Peugeot. Renault hat nun den Gartenstuhl aus der Mottenkiste der Autoentwicklung gezogen und in eine Studie verpflanzt, die Appetit machen soll auf einen kompakten SUV. Der Captur hat gleich vier der Schnürsitze – Omas Schrebergarten-Runde auf Rädern!

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Der Captur ist eine Promenadenmischung aus SUV, Coupé – und Roadster.

Bei Renault proben sie halt gerade die optische Revolution. "Unsere Autos müssen emotionaler werden" sagt Design-Direktor Axel Breun. Stimmt, noch sachlicher als Laguna und Twingo geht ja auch nicht. Also, more drama, baby! Ein Zyklus von sechs Showcars zeigt bis Ende 2012, was die Franzosen darunter verstehen. Nach dem Sportwagen Dézir vor einem halben Jahr folgten auf dem Genfer Salon im März der R-space ("auch ein Van kann sexy sein") und der Captur: eine 4,22 Meter lange Promenadenmischung aus SUV, Coupé und (Achtung!), Roadster. Der entsteht angeblich, wenn man die Dachhülle abnimmt und darunter die Karbonstreben freilegt. Ähem, warum bitte ist ein durchlöcherter Himmel schon Roadster?

Genfer Autosalon 2011: Renault Captur

Lamborghini-Style: Der Zugang zum Gartengestühl erfolgt über nach vorne schwingende Türen.

Egal, am Captur schwellen die Kotflügel, die Türen schwingen nach vorne wie an fetten Lamborghini und der orangefarbene Lack mischt glänzende Partien mit matten Anbauteilen. Das alles sei dem Showmobil gestattet, wäre man im rollenden Schrebergarten menschenwürdig untergebracht. Doch Otto Normalfahrer hockt eingeklemmt unter den niedrigen Dachstreben und ringt verzweifelt um Übersicht. Die kleinen Fensterchen erlauben kaum einen Blick nach draußen, auch das Bild einer außen angebrachten Kamera hilft nicht weiter. Dazu kommen, der Leser ahnt es, die Gartenstühle, deren Komfort seit den Sechzigern nicht gerade explodiert ist. Frage: Wenn Gestalter die Renault von morgen zeichnen, warum spielt dann gelungene Ergonomie eine so kleine Rolle? Oder droht dem Autofahrer künftig das Schicksal der Legehenne – die Käfighaltung?

Fahrbericht: Renault Dézir

So ist man richtig froh, in diesem närrischen Käfig wenigstens einen Normalo anzutreffen: Der 1,6-Liter-Diesel mit 160 PS, ein Prototyp mit doppelter Turboaufladung, darf hier letztmals nach Herzenslust knurren, schon bald wird er in Serienautos seinen gezwungenermaßen unauffälligen Dienst antreten müssen. Noch so ein Sparzwerg, der den gleich starken 2,0-Liter ersetzen wird, um Verbrauch und CO2-Ausstoß zu senken. Der hat Zukunft. Der Captur sicher nicht.

Autor: Joachim Staat

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