Renault Clio B (ab 1998)

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Renault Clio B (ab 1998)

— 07.03.2003

Kleiner Freund mit großen Fehlern

Nach drei Jahren zeigt der Frauenheld Clio sein wahres Gesicht. Meistens auf langen Werkstatt-Rechnungen, denn fast alle Verschleißteile mussten ausgetauscht werden.

Verschleiß und Qualität

Kleiner Freund, war das nicht ...? Richtig, so nannte Renault in den Achtzigern den R 5, der 1991 vom Clio A abgelöst wurde. September 1998 folgte der Clio B, der seinem Vorgänger in Sachen Haltbarkeit weit überlegen ist. Rosteten die alten Franzosen noch ungeniert vor sich hin, zeigt sich der aktuelle Clio zumindest ab Baujahr 2000 gut geschützt. Vorausgesetzt, der Wagen ist unfallfrei, denn schlampige Billig-Reparaturen rächen sich immer. Überhaupt kann der "kleine Freund" seinem Besitzer nach drei Jahren so richtig miese Laune bereiten.

Einerseits sind junge Clio B schon sehr verlockend und parken bereits ab etwa 5000 Euro beim Gebrauchtwagenhändler an der Ecke, andererseits zeigt die Post unserer Leser, dass nach etwa drei Jahren nahezu alle Verschleißteile auf einmal fällig sind. Also neue Bremsklötze, eventuell auch die Bremsscheiben. Neuer Auspuff, nicht selten zusätzlich neue Reifen. Kommt dann noch eine Inspektion hinzu, kann es richtig kostspielig werden.

Das betrifft grundsätzlich jeden Gebrauchtwagen. Doch aufgrund der Renault-typischen nur sehr begrenzten Haltbarkeit von Auspuff und Bremsen tritt dieser Zeitpunkt relativ früh ein und wiederholt sich bald schon wieder. Abhilfe schaffen eventuell Nachbau- bzw. Tuning-Teile, die wir aber noch nicht getestet haben. Allerdings finden sich in diversen Internet-Foren zahlreiche positive Stimmen dazu. Einen interessanten Eintrag fanden wir bei www.cliowelt.de. Hier wird der zuverlässigste Clio gesucht, stolz berichtet "Frankmen", bereits 9800 Kilometer problemlos abgespult zu haben.

Elektrik und Technik

Unser Dauertest-Clio machte da schon mehr Mut, denn bis auf Probleme mit der Abgasanlage und der nervigen Fernbedienung für die Zentralverriegelung hatten wir keine nennenswerten Schwierigkeiten. Letzteres ist zahlreichen Clio-Fahrern bekannt und wurde von Renault behoben. Seit 2001 verriegeln alle Clio nicht mehr per Infrarot, der Schlüssel sendet sein Signal nun per Funk. Die Elektrik kann an verschiedenen Stellen nerven, Schuld hat meist eine korrodierte Kabelverbindung. Ein Kapitel für sich ist der Bordcomputer, der bei einigen Motoren auch für die Ölstand-Prüfung zuständig ist.

Misstrauen kann hier nie schaden, wenig Vertrauen verdienen auch Angaben über Verbrauch und Reichweite. Kleiner Tipp: Der Sprit reicht meist viel weiter, als Clio es uns weismachen will. Einige Leser berichteten über defekte Radlager, eine typische Krankheit von Stadtautos. Ein Blick auf die Felgen spricht Bände: Sind sie zerkratzt, war der Vorbesitzer beim Einparken nicht immer zielsicher. Und so was hinterlässt auch an den Radlagern Spuren. Verschlissene Kupplungen ab 60.000 Kilometern sind weitere Anzeichen für ein hartes Leben. Knarrt das Kupplungspedal, hilft etwas Kriechöl. Über den Zustand der Kupplung sagt das knarrende Pedal natürlich nichts aus.

Knarren kennen Clio-Fahrer recht gut, denn vor allem in der kalten Jahreszeit ächzt der kleine Freund an den Türen und im Cockpit. An Nachbesserungsarbeiten sind selbst schon verbissene Bastler kläglich gescheitert, auf schlechten Straßen scheppern sämtliche Kabelbäume nach etwa 50.000 Kilometern wie ein Sack voller Nüsse. Tipp zum Schluss: Eine interessante Alternative zum gebrauchten Clio ist ein neuer. Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie mal auf die attraktiven Finanzierungs- und Leasingkonditionen von Renault – und treffen erst dann Ihre Kaufentscheidung.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/98 Clio B als Benziner: 43 kW/60 PS, 55 kW/75 PS, 66 kW/90 PS 1/99 Clio 1.6 16V mit 79 kW/107 PS 4/99 Zentralverriegelung mit Funk-Fernbedienung serienmäßig 1/00 Einführung 1.9-dTi-Motor mit 59 kW/80 PS, Servolenkung in allen Modellen serienmäßig 10/00 Scheinwerfer in Klarglasoptik (ab RT) 3/01 Großes Facelift: neue Front- und Heckgestaltung, Gurtstraffer hinten, größere Bremsen vorn, Bremsassistent serienmäßig, elektrische (statt hydraulischer) Lenkunterstützung

Schwachstellen • Rost an der Auspuffanlage ist ein bereits legendäres Renault- Leiden, von dem auch der Clio B betroffen ist • die Scheibenbremsen an der Vorderachse gelten als nicht besonders verschleißfest, je nach Fahrstil und Motorisierung sind die ersten Investitionen bereits ab etwa 45.000 Kilometern fällig • launenhaft ist die Fernbedienung der Zentralsperre, stark gewöhnungsbedürftig das beständige Klappern der Kabelstränge und der Verkleidungen im Innenraum – hier zeigt die Verarbeitung große Schwächen • verschlissene Kupplungen und defekte Radlager zeugen von liebloser Behandlung im Stadtverkehr • bei schwankender Drehzahl im Leerlauf Leerlaufventil überprüfen lassen

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Renault Clio 1.2 ECON, 43 kW/60 PS, Baujahr 2000. Ist die Garantie abgelaufen, lohnen Nachbauteile. So lange wie die Original-Teile vom Renault-Markenhändler halten sie bestimmt auch und sind meist billiger.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Ein Renault Clio aus Vorbesitz sollte niemals mit der letzten Euro-Reserve bezahlt werden. Denn wer für seinen kleinen Freund kein Reparatur-Budget einplant, kann bei Fahrzeugen mit einem Tachostand von 45.000 bis 60.000 Kilometern böse Überraschungen erleben. Die Alternative ist ein überprüfter Gebrauchtwagen vom seriösen Händler, der eventuell schon ausgeführte Reparaturmaßnahmen nachweisen kann. Jedenfalls aber lohnt vor dem Kauf ein Technikcheck bei der nächsten TÜV-Prüfstelle." Nikolaus Eickmann, Kfz-Mechaniker und AUTO BILD-Redakteur

Modellempfehlung: Renault Clio 1.2 Expression (43 kW/60 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 61 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: Werksangabe 6,0 Liter, gemessen 7,8 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (14/500 Euro SB): 560 Euro. Teilkasko (19/150 Euro SB): 102 Euro. Haftpflicht (13): 704 Euro (ONTOS-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 200 bis 300 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 51 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 600 Euro Verlust

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