Renault Clio RS gegen Seat Ibiza Cupra und Co. — 16.11.2009

Vier kleine Sportler unter 25.000 Euro

Eisern hält Renault beim Clio RS am Hochdrehzahlkonzept fest – obwohl die ladergestärkte Konkurrenz übermächtig wirkt. Kann der pausbackige Franzose mit den kleinen Kämpfern von Opel, Fiat und Seat mithalten?

Mit Druck geht vieles leichter. Sportliche Höchstleistungen, das Abarbeiten von unbezwingbar wirkenden Aktenbergen – und auch die kraftvolle Aufrüstung fahrdynamisch ausgerichteter Kleinwagen. Turbo hier, Kompressor da – gern auch im Duett. Die ganze Automobilwelt scheint der Zwangsbeatmung zu frönen. Die ganze? Aber nein. Renault mimt die gallische Enklave des 21. Jahrhunderts und hält am drehzahlhungrigen Sauger fest. Erst bei 7500 Touren rettet der Begrenzer die vier rasenden Kolben des Clio RS vor dem Overkill. Die Konkurrenten plustern anderweitig die Backen auf. Per esseesse-Paket spitzt Abarth seinen Grande Punto deutlich an. 180 PS und 270 Newtonmeter massieren die Antriebswellen – Spitzenwert im Quartett.

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Nur knapp verteidigt der Opel seinen zweiten Platz vor dem Abarth.

Nur knapp verteidigt der Opel seinen zweiten Platz vor dem Abarth.

Der Punto-Plattformbruder Opel Corsa OPC scharrt beim Sprint ähnlich wie der Italiener heftig mit den Vorderreifen und entwischt dem Abarth erst ab Autobahntempo. Im oberen Drehzahlbereich legt der hubraumstärkere OPC mit heiser-blechernem Klang befreiter zu, knickt im Gegensatz zum Abarth auch Richtung 6000er-Marke nicht ein und hängt bissiger am Gas – sobald der hauchdünne Totpunkt auf den ersten Millimetern Pedalweg überwunden ist. Der nur mit DSG erhältliche Seat Ibiza Cupra setzt sich bei verhaltenem Krafteinsatz etwas unentschlossen in Bewegung. Mit zunehmendem Gas spurtet der Spanier plötzlich los – für die Stadt fast zu ungehalten. Sein ungezügeltes Temperament setzt der per Turbo und Kompressor aufgepäppelte 1,4-Liter in Bestzeiten um: Nach lediglich 6,7 Sekunden fällt trotz nicht vorhandener Launch-Control am herbstlich kühlen Messtag die 100er-Marke. Starke Ansagen – die den Renault Clio RS nicht im Geringsten einschüchtern. Mit 4500 Anfahr-Umdrehungen bei Laune gehalten, jagt der kernig röhrende Franzose in glatten sieben Sekunden auf Landstraßentempo und schießt bis 200 km/h an die Spitze des Feldes – auch ein Verdienst des trefflich abgestuften Sechsganggetriebes.

Steife Lenkung im Grande Punte Abarth esseessse

Ganz in Weiß: Zum esseesse-Paket des Punto gehören lackierte 18-Zöller.

Ganz in Weiß: Zum esseesse-Paket des Punto gehören lackierte 18-Zöller.

Feuchtigkeit ruft beim Corsa OPC das ESP bei forscher Gangart häufiger auf den Plan. Auch im Trockenen eilt der an sich agile Rüsselsheimer nicht so souverän neutral von Kurve zu Kurve wie der Renault. Antriebseinflüsse lassen den Corsa nach Spitzkehren zappeln, bei Lastwechseln in Kurven oder unter scharfem Bremsen drängt das Heck leicht nach außen – spaßig, aber nicht immer erwünscht. Trost spenden die konturreichen, wenn auch etwas hoch eingebauten Recaro-Sportschalensitze – die besten im Vergleich. Der Fiat punktet mit entschlossenem Kurvenappetit – das nicht abschaltbare ESP funkt auch bei flotter Fahrweise kaum dazwischen. Die per Fahrwerksfedern bedingte Tieferlegung um 15 Millimeter gegenüber dem serienmäßigen Grande Punto Abarth verträgt hingegen noch Feinabstimmung: Auf Bodenwellen wippt der esseesse nach. Im Sport-Modus versteift sich die Lenkung, wirkt dann mit der künstlich erzeugten Schwergängigkeit eckiger, aber keinen Deut direkter. Wenigstens nimmt der Motor deutlich schneller und williger Gas an.

Clio RS als schnellster

Mangelnde Leistungsbereitschaft lässt sich der quirlig angasende Seat nicht vorwerfen. Bei Kickdown knallt das Getriebe teilweise einen übertrieben niedrigen Gang rein, der Motor quält sich über seinen Leistungszenit hinaus, erst dann greift die passendere, nächsthöhere Übersetzung vortriebsrettend ein. Mit gefühlvoller, linear arbeitender Lenkung lassen sich Biegungen zielgenau sezieren – auch wenn die Lenkwinkel etwas größer ausfallen als bei der Konkurrenz. In Kurven neigt sich der Seat ausgeprägter zur Seite, federt im Gegenzug aber langstreckentauglich kommod. Die optionale Sportbremse des Seat (1.200 Euro) mit 312 Millimeter großen Vorderradscheiben und Vierkolben-Sätteln ermüdet zudem überraschend schnell. Bereits nach einer gezeiteten Runde stauchen die durch ständig sich ändernden Pedaldruck irritierenden Stopper den Cupra spürbar schlaffer zusammen. So bleibt die Uhr bei 1:49,88 Minuten stehen – mit deutlichem Potenzial für Verbesserungen. So muss er den Grande Punto Abarth esseesse ziehen lassen, der über eine halbe Sekunde schneller um die sächsische Traditionspiste fliegt.

Der Ibiza als Autobahn-Schmuser

Der Clio RS begeistert mit ungefilterter Fahrfreude.

Der Clio RS begeistert mit ungefilterter Fahrfreude.

Vom ESP entfesselt, greifen die Vorderräder des OPC ausgangs der Kurven hilfesuchend nach Grip. Zudem regelt das ABS schon bei geringem Bremspedaldruck, die Lenkung teilt nur wenig über den Fahrbahnzustand mit. Dennoch bolzt der Corsa gute drei Zehntel früher durch die Lichtschranke als der Abarth. Der Renault brummt seinem hartknäckigsten Konkurrenten Corsa OPC über zwei Sekunden auf. Am Ende geben die besseren Werte bei Fahrleistungen und Rundenzeit den Ausschlag: OPC vor Abarth. Bleibt der Seat, der in diesem Kreis etwas zu zahm antritt. Mit dynamischerer Auslegung der Stabilitätskontrolle, sportlicherem Getriebe, bissigerer Bremse und strafferem Fahrwerk hätte er mehr erreichen können. So aber bleibt er mehr Autobahn-Schmuser als Landstraßen-Libero. Renault beweist eindrucksvoll, dass der Erfolg auch ganz ohne Druck kommen kann.

Technische Daten Gr. Punto Abarth Opel Corsa OPC
Motor R4, Turbo R4, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1368 cm3 1598 cm3
Bohrung x Hub 72,0 x 84,0 mm 79,0 x 81,5 mm
Verdichtung 10,8 : 1 8,8 : 1
kW (PS) bei 1/min 132 (180)/5750 141 (192)/5850
Literleistung 132 PS/Liter 120 PS/Liter
Nm bei 1/min 270/2750 230/1980 (266 Overboost)
Antriebsart Vorderrad Vorderrad
Getriebe 6-Gang 6-Gang
Bremsen vorn 305 mm/ innenbel. 308 mm/ innenbel.
Bremsen hinten 264 mm/gelocht 264 mm
Radgröße vorn / hinten 7,5 x 18 7 x 17
Reifen vorn / hinten 215/40 R 18 215/45 R 17
Reifentyp Pirelli P Zero Nero ContiSportContact 3
Länge/Breite/Höhe 4041/1726/1475 mm 4040/1713/1488 mm
Radstand 2510 mm 2511 mm
Leistungsgewicht 7,0 kg/PS 6,6 kg/PS
Zuladung 416 kg 478 kg
Tankvolumen 45 l 45 l
Messwerte Beschleunigung
0– 50 km/h 3,0 s 3,1 s
0–200 km/h 36,5 s 33,1 s
Viertelmeile 0–402,34 m 15,48 s 15,35 s
Testverbrauch Ø auf 100 km 8,9 l Super Plus 9,6 l Super Plus
Höchstgeschwindigigkeit Herstellerangaben 215 km/h 225 km/h
Preise (Euro inkl. MwSt.) 23.600 Euro 23.100 Euro


Technische Daten Renault Clio RS Seat Ibiza Cupra
Motor R4 R4, Turbo + Kompressor
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1998 cm3 1390 cm3
Bohrung x Hub 82,7 x 93,0 mm 76,5 x 75,6 mm
Verdichtung 11,5 : 1 10,0 : 1
kW (PS) bei 1/min 148 (201)/7100 132 (180)/6200
Literleistung 101 PS/Liter 129 PS/Liter
Nm bei 1/min 215/5400 250/2000–4500
Antriebsart Vorderrad Vorderrad
Getriebe 6-Gang 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 312 mm/ innenbel. 312 mm/ innenbel.
Bremsen hinten 300 mm 332 mm
Radgröße vorn / hinten 7,5 x 17 7 x 17
Reifen vorn /hinten 215/45 R 17 215/40 R 17
Reifentyp ContiSportContact 3 ContiSportContact 3
Länge/Breite/Höhe 4017/1769/1484 mm 4061/1693/1420 mm
Radstand 2585 mm 2469 mm
Leistungsgewicht 6,3 kg/PS 6,8 kg/PS
Zuladung 418 kg 447 kg
Tankvolumen 55 l 45 l
Messwerte Beschleunigung
0– 50 km/h 2,7 s 2,5 s
0–200 km/h 32,6 s 34,6 s
Viertelmeile 0–402,34 m 15,17 s 14,93 s
Testverbrauch Ø auf 100 km 9,2 l Super 9,3 l Super Plus
Höchstgeschwindigkeit Herstellerangaben 224 km/h 225 km/h
Preise (Euro inkl. MwSt.) 22.500 Euro 23.190 Euro

Frank Wiesmann

Frank Wiesmann

Fazit

Renault Clio RS: Beste Bremse, handfeste Lenkung, knackige Schaltung, optimal abgestimmtes Fahrwerk. Hat man sich erstmal auf den drehzahllechzenden Motor eingeschossen, begeistert der Clio RS mit ungefilterter Fahrfreude. Opel Corsa OPC: Nur knapp verteidigt der Opel seinen zweiten Platz vor dem Abarth. Seinem kräftigen Motor und sportlichen Cockpit mit formidablen Schalensitzen stehen deutliche Traktions- und Handlingschwächen gegenüber. Grande Punto Esseesse: Druckvoller, jedoch obenrum zuschnürender Turbomotor, dynamische ESP-Abstimmung. Das esseesse-Kit überzeugt, kommt aber sehr teuer. Die chamäleonartige Lenkung und das unfertige Fahrwerk enttäuschen. Seat Ibiza Cupra: Der Motor ist eine Wucht. Leider passen das unsportlich abgestimmte DSG, ein streng wachendes ESP und das komfortbetonte Fahrwerk nicht dazu. Schade, denn für sich betrachtet macht der Seat Spaß.

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Alter Renault-Hase
02.12.2009, 21:33Uhr

Aber um aufs Thema zurückzukommen. Ich würde den Clio schon wegen dem Saugmotor empfehlen. Die Turbos der anderen sind empfindlich und müssen richtig behandelt werden, sonst wird's teuer. Außerdem zeichnet sich in der ADAC-Pannenstatistik ab, dass dieses Clio-Modell einer der besten seiner Klasse ist.

Alter Renault-Hase
02.12.2009, 21:30Uhr

Ich bin in meinem Leben etwa 1,2 Millionen Kilometer in Renaults gefahren.
Meine Erfahrungen mit insgesamt 10 Modellen seit den siebzigern sind durchweg gut. Es gibt einige Renault-Modelle, die etwas empfindlicher sind und die Mèganes der Modelljahre 2003 und 2004 und die Lagunas der Modelljahre 2001 bis 2004 sind tatsächlich sehr schlecht. Andererseits bin ich mit meinem 2003er Mègane 150.000 Kilometer ohne Mängel gefahren. Das Fahrzeug wirkte danach allerdings, als hätte es 250.000 Kilometer zurückgelegt. Der neue ist um Welten besser, ich denke der Golf kommt da nicht ran.

Manuel
27.11.2009, 17:44Uhr

Die RS-Versionen von Clio und Megane sind klar überlegen. Zwischen ein Megane R26R und ein Golf lagen schon Welten. Vielleich ist die Verarbeitung nicht so toll wie beim VW. Aber wen interessiert es. Hier geht es um Performance und Fahreindrucke. Echte Fahrmaschinen bauen die Franzosen. Mir kommen die Konkurrenten als Warmduscher Autos vor. Die Berichterstattung sieht übrigens in der ausländischen Presse ganz anders aus. Wenn solche Autos getestet werden, sollten schon Fahrprofis am Lenkrad und nicht irgendwelche Würstchen aus der Redaktion.

Kane
24.11.2009, 22:48Uhr

Die Fahreigenschaften betrachtet ist der Clio der bessere,insgesamt kann der Seat aber gut mithalten.Für ihn gibt es mehr Ausstattung (Xenon,Boccanegra usw)ich finde den Seat optisch einen Tick schärfer,aber Geschmackssache!
Den erwähnten Turbobums im Seat fand ich eher bescheiden,hätte mehr erwartet,vermutlich liegt das am nicht sehr gelungenen DSG welches teilweise unnötig (siehe Test) runterschaltet,was den Vorteil gegenüber dem erst ab 4500 Umdrehungen richtig anziehenden Clio Motor sehr dünn macht.Ebenso ist das anfahren leider zu ruckelig, schade!Dennoch machen beide Autos viel Spaß.

Boondock
24.11.2009, 12:36Uhr

Stimmt es gibt kleinere Qualitätsmängel bei Renault aber welcher Hersteller hat die nicht? Wenn ich mir so nen Wagen zulegen möchte interessiert mich kein Luxus oder Kofferraum, sondern die sportlichen Qualitäten. Und wenn man statt des normalen Clio Sport den Clio Cup mit Recaros und noch besserem Fahrwerk genommen hätte, ganz zu schweigen vom Preis von nur 19.900€ wäre das Ergebnis noch deutlicher zugunsten von Renault ausgefallen.

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