Renault DeZir: Fahrbericht

Renault DeZir: Fahrbericht Renault DeZir: Fahrbericht

Renault DeZir: Fahrbericht

— 29.10.2010

Die Alpine der Zukunft

Er ist spannend, trägt einen schönen Namen und er weckt Erinnerungen an eine Legende: Der elektrobetriebene Renault DeZir könnte die Alpine von morgen werden und irgendwann in (Klein-)Serie gehen.

Ach, die Franzosen können bei Autos so wunderschön mit Worten spielen. Die ID von Citroën las sich wie "Idee", die DS wie "déesse" – auf Deutsch: die Göttin. Und auf dem Pariser Autosalon zeigte Renault seine Studie DeZir, was übersetzt "Wunsch" oder "Begierde" heißt. Begierde weckte der zweisitzige Sportler bei unserer ersten Probefahrt nicht nur hinterm Lenkrad, sondern anscheinend auch bei seinen geistigen Vätern. "Wir könnten das Auto in Kleinserie mit Elektro-Antrieb bauen lassen", sagt Axel Breun, bei Renault Direktor für Showcars. Eine neue Alpine für unter 50.000 Euro – das würde sicher nicht nur Öko-bewegte Autofans in Spannung versetzten.

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Tiefes Dach, dramatische Design-Details: Der DeZir ist schon im Stand eine in Form gegossene Begierde.

Tatsächlich hat der DeZir optisch alles, was an den legendären A110 erinnert: ein nur 1,16 Meter tiefes Dach, die gedrungene Statur und dramatische Design-Details wie das Heck mit einem Mix aus Wurlitzer-Box und Postmoderne. Diese Studie ist schon im Stand schnell, eine zur Form gegossene Begierde – und damit genau das, was Renaults neuer Designchef Laurens van den Acker sich zum Einstand als seine erste Visitenkarte gewünscht hat: ein starkes Statement, dass die Franzosen nun Schluss machen mit ihrer Langeweile aus Laguna, Mégane und Twingo.

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Zuletzt hatte die ehemaligen "créateurs d‘automobiles" bei ihren Serienautos doch gewaltig der Mut verlassen. Van den Acker, der schon bei Mazda ein Feuerwerk von Studien abgeschossen hatte, will die Franzosen nun auf eine neue Linie bringen, wie sie der DeZir verkörpert: Einfach, sinnlich und warm sollen die Renault von morgen aussehen.

Sofort beginnt am DeZir die Spurensuche: Wo erkennen wir den nächsten Clio, der Ende 2012 als erstes Serienauto die neue Design-DNA tragen wird? "Der Rhombus zeigt, wie das Markenlogo größer und besser präsentiert wird", sagt Axel Breun. Zusammen mit den Scheinwerfern lässt sich hier das künftige Markengesicht ablesen. Dahinter fließen und schwellen Kotflügel und Flanken, der markante Rücken und die exaltierten Flügeltüren (auf jeder Seite anders gestaltet) frei nach dem Motto: "more drama, baby". Erlaubt ist, was auffällt. DeZir heißt auch: Man wird ja noch wünschen dürfen.

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Früher wurden unter solchen Formen italienische 300-PS-Benziner verpackt – oder bei Studien zumindest versprochen. Heute steckt unterm Kevlar-Kleid des Renault ein Elektro-Antrieb (wie sollte  es bei Franzosen anders sein?). Doch anders als bei manchem Showcar, das das Blaue vom Himmel herunter verspricht, besitzt der DeZir deutlich mehr Seriennähe. Der 150 PS starke Elektromotor soll schon 2011 in der E-Version des Renault Fluence verkauft werden, auch mit den 24 kWh starken Lithium-Ionen-Akkus liegen die Franzosen europaweit recht weit vorne. Chassis und Gitterrohrrahmen liefert die Rennversion des Mégane zu, womit sowohl ein sportliches Kampfgewicht als auch feuriges Temperament gesichert sind: Der nur 830 Kilo schwere Wagen soll in fünf Sekunden auf Tempo 100 sprinten und abgeregelte 180 km/erreichen. Die übrigen Fahrwerte, die der Pressetetext verspricht (mögliche 250 Spitze und 160 Kilometer Reichweite), verweisen wir mal ins Feld der physikalischen Rechenspiele. Ob die Batterien am Ende wirklich so viel Feuer auf die Hinterräder loslassen können, wollen wir mal auf der Rennpiste testen, wenn es 2012 soweit ist.

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Die exaltierten Flügeltüren sind auf jeder Seite anders gestaltet. Frei nach dem Motto: "more drama, baby".

Die Mischbauweise der Kevlar-Haut überm Rohrrahmen rückt den DeZir nicht nur näher an einen Kleinserienbau, sie weckt auch Erinnerungen an die ähnlich konstruierte Alpine A110. Schon bei deren Nennung zuckt Design-Direktor Breun leicht zusammen. Zu oft haben sich die Renault-Afficionados in der Firma eine Rückkehr der Sport-Division gewünscht, zu oft haben sie Planspiele betrieben und Modelle gebaut. Genauso oft wurden die von der Konzernleitung abgesägt. Zu teuer, zu exotisch, zu riskant, zu emotional – doch die Strahlkraft der blauen Renner aus Dieppe blieb ungebrochen.

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Während Audi (quattro concept), BMW (Project-i Coupé) oder Peugeot (RCZ) ihre alten Sportwagen-Schätze wieder belebt und als neue Marken-Botschafter aufpoliert haben, ruht der klangvolle Name Alpine, immerhin vielfacher Rallyesieger, bei Renault noch immer ungenutzt im Staub der Archive. Der DeZir hätte das Zeug zum Alpine. Wenn schon nicht als Kleinserie für Kunden, die einen europäischen Tesla kaufen wollen, dann vielleicht als nationale Rennserie mit Elektro-Antrieb. Zumindest dem sperrig-trockenen Ideal der E-Autos könnte die Studie einen satten Schuss Begierde einhauchen.

Autor: Joachim Staat

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