Renault Grand Espace 3.0 dCi Privilège

Renault Grand Espace 3.0 dCi Privilège Renault Grand Espace 3.0 dCi Privilège

Renault Grand Espace 3.0 dCi Privilège

— 28.11.2002

Raumhaft gemacht

Kraftvoll, komfortabel, kolossal: Der Espace IV mit V6-Diesel überzeugt auf ganzer Linie.

Die vierte Amtszeit des Van-Vaters

Jede Wette: Peugeot ärgert sich noch heute schwarz. Als sich die Franzosen vor rund 20 Jahren vom Plastik-Profi Matra trennten, lehnten sie auch gleich den Nachfolger für deren Hochdachkombi Rancho ab. Unverkäuflich! Eine schwere Fehleinschätzung. Denn die klugen Karosserie-Künstler verkauften ihre Idee schließlich an Renault. Die erkannten das clevere Konzept und präsentierten 1984 die erste europäische Großraumlimousine: Der Espace (dt. Raum) war geboren.

Den Rest kennen wir. Nach anfänglicher Skepsis löste der seltsame Raum-Riese eine wahre Van-Welle aus, die alle erfasste. Inklusive Peugeot, denen jeder verkaufte Espace seither einen Stich versetzen dürfte. Allein im letzten Jahr 9834-mal piks – während das Eigengewächs 806 nur 1945-mal stach. Poor Peugeot, zumal sich der Espace gerade auch noch das Goldene Lenkrad schnappte.

Um diesen Vorsprung vor den Landsleuten zu halten, schickt Renault den Van-Vater (parallel zum neuen 807) gerade in seine vierte Amtszeit. Mit Stahlkarosserie und ohne Matra-Mithilfe (trotzdem tragen Heckklappe, Motorhaube und Türen Kunststoff) streckt sich der Grand Espace inzwischen auf 4,86 Meter. Bisher war bei 4,79 Meter Schluss. 

Auch lebensmüde Elche kippen ihn nicht

Der Handlichkeit schadet dieses XL-Format überraschenderweise nicht. Im Gegenteil, der Renault-Riese wuselt so locker durch die Stadt, als wäre er nur ein aufgeblasener Twingo. Erst bei der Parkplatzsuche merken Raum-Reisende, dass der Espace S-Type-Format erreicht – nur breiter, höher und vor allem vorn uneinsehbarer.

Typisch Van eben. Doch dafür entschädigt der Franzose mit schmalen A-Säulen und echter Panorama-Perspektive. Wie schon bisher müssen Raum-Fahrer aber mit dem Digital-Display in der Mitte leben – wer darin einen Vorteil erkennt, soll mir bitte schreiben.

Unter der mutig modellierten One-Box-Hülle schlummert die Plattform von Laguna/Vel Satis – und natürlich jede Menge Platz. So steht bei Bedarf ein drei Kubikmeter großer Umzugswagen bereit, kommen andernfalls bis zu sieben auf einen Streich sicher und entspannt ans Ziel. Dank ESP mit "Understeering Control" bringen den feschen Franzosen mit den großen 17-Zöllern (Serie) auch lebensmüde Elche nicht aus der Ruhe. Und sollte die ganze Elektronik inklusive bissiger ABS-Bremse doch mal zu spät dran sein, stehen auf allen Plätzen automatische Dreipunktgurte mit Kraftbegrenzern sowie bis zu acht Airbags (Sidebags zweite Reihe 300 Euro extra) als Schutztruppe bereit.

Beliebiges Stühlerücken wie im Wohnzimmer

So viel Sicherheit hat allerdings nicht nur ihren Preis, sie fällt auch ins Gewicht: Die Sitze, die sich auf durchgängigen Schienen fast beliebig durch den Espace schieben lassen wie Sessel im Wohnzimmer, bringen wegen der integrierten Gurte satte 26 Kilo auf die Waage. Wer die vorbildliche Variabilität ausgiebig nutzt, spart gleichzeitig den Besuch im Fitness-Center.

Direkt von dort scheint der V6-Diesel zu kommen, den Renault tatsächlich bei Isuzu entleiht. Die 177 PS des 3,0-Liter-Common-Rail lassen den Zwei-Tonnen-Trumm locker und leicht aus den Startblöcken schnellen, an Lkw vorbeiziehen oder Autobahnkilometer fressen. Der laufruhige Vierventiler passt zum großen Franzosen wie ein kräftiger Burgunder zum Bœuf Bourguignon.

Und auch wenn der Renault Grand Espace 3.0 dCi keine Sparrekorde aufstellt und die Fünfstufenautomatik manchmal etwas unglücklich agiert, dürfen Peugeot und Co auf diesen Antrieb ruhig neidisch sein.

Technische Daten, Kosten und Ausstattungen

Leider gerät die Rechnung für den vornehm eingerichteten Espace 3.0 dCi Privilège weniger vorbildlich. Stolze 40.300 Euro ruft Renault auf – jede Wette, dass Peugeot da gern mitkassieren würde...

Fazit und Wertung

Fazit Französische Evolution statt Revolution – der Espace der vierten Generation kann das Van-Konzept (natürlich) nicht neu erfinden, zeigt sich aber in allen Punkten sorgfältig verbessert. Das intelligente Innenraumkonzept, der feine Federungskomfort und ein dynamischer Diesel machen ihn zu einem echten Raum-Traum. Egal ob die Familie gen Süden startet oder Papi zum Baumarkt – der Grand Espace 3.0 dCi macht so schnell vor keiner Aufgabe schlapp. Da müssen eher wir passen, wenn es ans Bezahlen geht. Billig ist der XL-Van nämlich nicht.

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