Renault Mégane 1.5 dCi

Renault Mégane 1.5 dCi Renault Mégane 1.5 dCi

Renault Mégane 1.5 dCi

— 14.10.2002

Ein ganz schön schräger Vogel

Lange erwartet, jetzt heiß diskutiert: Der Mégane provoziert mit seinem Hinterteil. Was aber nicht von seinen Qualitäten ablenken sollte.

Diesel mit enormen Flüsterqualitäten

Wer Paris kennt, der träumt nicht von der Liebe, sondern von einem legalen Parkplatz. Zumindest als Autofahrer. So mussten wir uns auch mächtig sputen, denn dem natürlich falsch abgestellten Mégane näherte sich bereits ein diensteifriger Flic. Also schnell die Chipkarte in den "Zündschlitz" (serienmäßig!) geschoben, Startknopf gedrückt (reagiert nur bei getretener Kupplung oder Bremse) und los ...

Kaum hörbar summt uns der Vierzylinder aus der engen Parklücke. Oh Schreck, wir sollten doch einen Diesel bekommen? Uns war der 1.5 dCi versprochen worden, der kleine Common-Rail-Selbstzünder mit 82 PS. Wir aber sitzen hörbar in einem fast lautlosen Mobil.

Dies hier kann nur ein Benziner sein. Oder etwa nicht? Beim Beschleunigen zeigt sich: Ab 4000 Touren macht der Motor schlapp. 4500 nimmt er noch, dann muss man den Direkteinspritzer durch Gangwechsel erlösen. Also doch ein Diesel. C’est bon: Dieser Motor setzt akustisch neue Maßstäbe.

Man mag ihn – oder man mag ihn nicht

Wir machen die Nagelprobe. Bei einem Halt gehen wir mit gespitzten Ohren um den Mégane herum: Aus dem Kühlergrill dringt leises Rauschen, seitlich wird es etwas lauter, und lediglich am Heck ist mit viel Mühe ein dieselähnliches Zündeln zu hören.

Explosionsartig aber entbrennt hier die Diskussion über das Hinter-Teil. Das ist doch Stilo-Stil mit einem Schuss Rumpler Tropfenwagen, lästern die einen. Das ist konsequente Fortsetzung der Vel-Satis- und Avantime-Linie, loben die anderen. Was aber sagt die Pariser Fahrpraxis über den stilistisch so schrägen Vogel?

Selten sind wir auf der eigentlich immer verstopften Périphéric so bereitwillig in andere Spuren gelassen worden. Im Rückspiegel sahen wir dann, wie die Insassen heftig diskutierten. Bei unseren Foto-Stopps im absoluten Halteverbot treffen wir auf verständnisvoll lächelnde Motorrad-Polizisten (mit deutschen Nummernschildern wären die sicher nicht so freundlich umgegangen). Kurzum: Paris verrenkt sich den Hals. Na ja, das autointeressierte Paris jedenfalls.

Präzise Servolenkung, guter Komfort

Die Diskussion wird bei uns auch Wellen schlagen. Dabei ist die Form doch durchaus kompromissfähig. Und: Ist es nicht ein bisschen wie mit der Zuneigung? Die zündet doch auch eher bei Typen mit ein paar Ecken und Kanten, weniger bei aalglatten Aero-Dynamikern. Gedanken, die einem vor allem in der Stadt der Liebe kommen. Wir fliehen aus ihr, fahren aufs Land.

Alors: Volkswagen wird sich beim Golf V noch mehr anstrengen müssen. Denn auch fahrtechnisch ist der Mégane gereift: Die präzise elektrische Servolenkung verschwendet Energie nur, wenn sie gebraucht wird, das Fahrwerk zeigt eine ganz leichte Untersteuertendenz in schnellen Kurven, vom Fahrwerk sind kaum Abrollgeräusche zu vernehmen, der Komfort auch auf ruppigen französischen Straßen provoziert keine Kritik.

In bester Form also der neue Golf-Gegner, der ab Anfang November 2002 bei den Händlern stehen wird. Die dann ein ganz neues Problem bekommen werden: Prospekt-Potpourri. Drei Ausstattungslinien (Mégane, Mégane Confort und Mégane Luxe) können mit vier Designlinien (Authentique, Expression, Dynamique und Privilège) kombiniert werden. Dazu kommen drei Benziner (ein 75-PS-Basismodell erscheint erst Anfang 2003) und zwei Dieselmotoren. Das ergibt schon mal Grundpreise von 14.500 bis 20.600 Euro. Dafür zeigt sich die Aufpreisliste mit nur noch 24 Extras angenehm übersichtlich.

Nachhilfe bei der Kunststoff-Verarbeitung

Auf 4,21 Meter Länge (Golf 4,15) haben die Renault-Rechner offenbar mit nichts gegeizt: Die Vorderkotflügel bestehen aus Kunststoff, auch Stoßstangen und Dach. Das ergibt günstig niedrige Kasko-Einstufungen. Schon die Grundausstattung enthält Bordcomputer, E-Heber vorn, in zwei Richtungen verstellbares Lenkrad, höhenverstellbaren Fahrersitz, automatische Türverriegelung nach dem Anfahren, automatischen Heckwischer und mehr.

Die Scheinwerfer haben sogar eine einstellbare Heimleucht-Funktion, sie illuminieren 30 Sekunden bis zwei Minuten nach Abziehen der Chipkarte den Weg zur Haustür. Wer 200 Euro investiert, kann sogar Tempopilot mit Tempobegrenzer bekommen. Der hält auf Wunsch eine Geschwindigkeit – nicht neu. Der stoppt aber das Gaspedal, wenn der Begrenzer gewählt wird. Doch keine Angst: Im Eilfall reicht ein kräftiger Kick-down-Tritt, und der Mégane kann – je nach Motor – wieder auf seine 170 bis 200 Sachen getrieben werden.

Bei aller Begeisterung über die guten Ideen: Nachhilfe könnte Renault bei der Kunststoff-Verarbeitung gebrauchen. Die Armaturentafel und das ganze Drumherum besteht aus klötrigem Plastik. Hier sollten sich die fortschrittlichen Designer stark gegenüber der Rotstiftfront machen.

Ausstattung, Motorisierungen und Preise

Im Mégane sind Serie: • zwei zweistufig auslösende Airbags vorn • Seitenairbags in den Vordersitzen und Windowbags für beide Sitzreihen • Gegen Aufpreis gibt es Seitenairbags hinten • Das Bremspedal wird beim Crash zurückgezogen, und natürlich sind Fahrwerkelektronik-Engel (ABS mit Bremskraftverteilung, EBV und Bremsassistent, Schleuderbremse ESP) mit an Bord • Für 200 Euro wird noch eine automatische Reifendruckkontrolle geliefert • Gurtkraft-Begrenzer gibt es auf allen fünf Plätzen, der Beifahrer-Airbag lässt sich ohne Schlüssel abschalten (eine Kontrollleuchte erinnert dauerhaft daran), dann kann ein dritter Isofix-Sitz vorn rechts montiert werden.

• Ganz neu die Anti-Submarining-Airbags im dreitürigen Mégane: Quer in den Vordersitzflächen, sozusagen fast unter den Kniekehlen, stecken zwei aus 0,3 mm Blech verschweißte Behälter, die nach dem Zünden der Gaspatrone ein Volumen von jeweils fünf Litern besitzen. Diese "Würste" sorgen im Dreitürer dafür, dass kein Passagier mehr unter dem Gurt durchrutschen kann. Die Fünftür-Varianten besitzen dagegen einen herkömmlichen Durchrutsch-Schutz, dafür aber zwei zusätzliche Gurtstraffer außen am Sitz (die beim Dreitürer den Durchstieg nach hinten behindert hätten)

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