Renault Mégane (1996-2002)

Gebrauchtwagen Renault Mégane Gebrauchtwagen Renault Mégane

Renault Mégane (1996-2002)

— 14.10.2002

Ein treuer Kunde

Der Neue kommt, der Alte geht – und zwar zum Gebrauchtwagen-Händler. Doch sollte er gründlich inspiziert werden, denn französisch lässig sind beim Mégane Teile der Technik.

Für Renault war der Mégane über Jahre ein Goldesel, der die Konten zuverlässig füllte. Der Nachfolger steht bald beim Händler, der Ur-Mégane am Gebrauchtwagen-Hof. Nach sieben Jahren zeigt sich, wie es wirklich um die Renault-Qualität bestellt ist. Unsere TÜV-Statistik ist von Verkaufserfolgen und gutem Image wenigbeeindruckt: Nach drei Jahren absolvieren nur 72,1 Prozent aller geprüften Mégane die erste Hauptuntersuchung ohne Mangel. Damit liegt der Mégane hinter dem ob seiner Qualität kritisierten Astra (82,8 Prozent) und dem gerne gelobten Golf (81,1).

Wer sich für den kompakten Franzosen entscheidet, sollte im Haushaltsbudget Werkstattrechnungen ebenso regelmäßig wie Miete und Krankenversicherung einplanen. Unsere Leser berichten auffallend oft über Schwierigkeiten und mangelnde Zuverlässigkeit.

Steht ein Gebrauchtwagenkauf an, gilt die erste Frage dem Baujahr. Ab 97 wurden zahlreiche Schwachstellen verbessert. So versagte bei den ersten Fahrzeugen regelmäßig die Wegfahrsperre und legte das Auto lahm. Nicht weniger lästig sind die Aussetzer des Einspritzcomputers, hier wurde im März 96 nachgebessert. Die Wirkung der Fußbremse kritisiert der TÜV erst bei den Fünfjährigen, im Winter sind einfrierende Trommelbremsen an der Hinterachse ein Leiden, das die Fahrer der Baujahre 95 und 96 gut kennen. Auch hier reagierte Renault.

Motor und Technik

Weniger erfolgreich waren die französischen Techniker am Antriebsstrang: Nach fünf Jahren sind Motor und Getriebe feucht wie eine fröhliche Feier. Eine neue Ölwannendichtung ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, um den Motor an seiner Unterseite abzudichten. Schlimmer ist es, wenn der Dichtring hinter der Schwungmasse leckt, denn dieser kann nur getauscht werden, sofern das Getriebe ausgebaut ist. Da die Kupplung nicht als langlebig gilt, kann bei einem Tausch von Kupplungsscheibe und Druckplatte der Kurbelwellen-Dichtring erneuert werden.

Vorsicht vor Autos mit Anhängevorrichtung, hier musste die Kupplung besonders harte Strapazen ertragen. Das gilt auch für Stoßdämpfer, die oft schon nach 50.000 Kilometern ungleich wirken. Beträgt die Differenz zwischen den beiden Seitenmehr als zehn Prozent, müssen die Dämpfer raus. Der Laie erkennt defekte Dämpfer am ausgetretenen Öl, das am Federbein dunkle Flecken hinterlässt. Ebenso braucht es keinen Fachmann, um auf der Hebebühneeinen durchgerosteten Auspuff zu erkennen. Und nach drei Jahren ist bei nahezu jedem Renault mindestens ein neues Rohr fällig.

50.000 Kilometer ist auch die Distanz, die man von der ersten Wasserpumpe erwarten kann. Verliert das Kühlsystem plötzlich Wasser, geht es meist an dieser Schwachstelle verloren; eine Reparatur darf also nicht auf die lange Bank geschoben werden. Das gilt auch für den Zahnriemen: Das Wechselintervall ist peinlich genau einzuhalten, oft genug reißt der Riemen schon vorzeitig und verursacht damit einen Motorschaden. Schwachstellen gibt es mehr als genug zu beachten, dafür lockt aber auch ein guter Preis. Nach drei Jahren hat der schon als Neuwagengünstige Renault bereits 48 Prozent verloren. Wieder der Vergleich mit den prominenten Klassenkollegen: Der Astra verliert 47 Prozent, der Golf nur 37. Das ist wohl das stärkste Argument für den Mégane.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1/96 Einführung des Mégane Coach (Coupé) und Fließheck mit fünf Türen 12/96 Der Mégane Scénic eröffnet ein neues Van-Segment 1/97 Präsentation des Mégane Classic, eine Stufenhecklimousine auf verlängerter Bodengruppe des Fünftürers 4/97 Einführung des Mégane Cabrio auf Basis des Coach 3/99 Mégane Coupé als Nachfolgemodell des Coach, Fahrzeugfront neu gestaltet; zugleich Einführung Mégane Grandtour (Kombi) 9/02 Vorstellung des Nachfolgers beim Pariser Autosalon

Schwachstellen • Typisch Renault: Der Auspuff gilt nach drei Jahren als Austauschkandidat • ebenso nicht besonders haltbar sind die Kupplung und die Stoßdämpfer an beiden Achsen • Ölverlust am Antriebsstrang wird häufig beobachtet, ebenso leckende Wasserpumpen und Wasser hinter der Streuscheibe der Scheinwerfer, deren Funktion nicht immer zufrieden stellt • bei den ersten Jahrgängen klagten unsere Leser über einfrierende Trommelbremsen an der Hinterachse und Probleme mit der Wegfahrsperre, die den Wagen auch ungewollt blockieren kann • klapprige Verarbeitung und wackelige Sitze kann auch der Mechaniker nicht mehr in den Griff bekommen, damit müssen Renault-Fahrer leben.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Renault Mégane 1.6RN (55kW/75PS), Baujahr 97. Zahlreiche Motor- und Karosserievarianten machen die Suche nach gebrauchten Teilen schwer, im Nachbau ist aber vieles sehr günstig erhältlich.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Rost ist selten, hier machte Renault große Fortschritte. Die Werte der beiden Achsen sind überdurchschnittlichgut, dies gilt auch für das Lenkungsspiel des Renault Mégane. Auffallend oft monieren unsere Prüfer Ölverlust am Antriebsstrang und eine mangelhafte Bremskraftregelung. Eine massive Schwäche zeigt sich an der Auspuffanlage, wo die Werte für die Drei- und Fünfjährigen deutlich über dem Durchschnitt liegen." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Renault Mégane 1.6 (55 kW/75 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 82 Euro im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 7,2 Liter, gemessen 8,9 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (17/500 Euro SB): 863 Euro. Teilkasko (27/150 Euro SB): 191 Euro. Haftpflicht (14): 806 Euro(Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 150 bis 250 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 47 Prozent vom Neupreis(Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 500 Euro Verlust.

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