Modus gegen Mazda2 und Polo

Renault Modus gegen Mazda2 und VW Polo Renault Modus gegen Mazda2 und VW Polo

Renault Modus gegen Mazda2 und VW Polo

— 26.10.2004

Eine Frage des Formats

Klassischer Kleinwagen oder lieber moderner Micro-Van? Die Antwort liefern drei praktische Minis mit dem Zeug zu echten Volkshelden.

Eine fast klassenlose Gesellschaft

Schon verrückt: Was in der ehemaligen DDR staatlich verordnet war (aber unerreicht blieb), scheint in der Automobilindustrie quasi nebenbei abzufallen – die klassenlose Gesellschaft. Weil die Hersteller auch die letzten Nischen zuparken oder neue entdecken, fällt eine Klasseneinteilung immer schwerer. Jüngstes Beispiel: der Renault Modus. Eigentlich ein Kleinwagen. Oder doch ein Van – oder irgendwas dazwischen?

Um die Einordnung zu erleichtern, vergleichen wir den Modus mit Kleinwagen-Bestseller Polo und dem Hochdach-Mini Mazda2. Der französische Revolutionär muß so beweisen, ob er das Format hat, Trendsetter zu sein. So wie einst seine Brüder Scénic oder Espace.

Ein freches Grinse-Gesicht, schwungvolle Linie, freundlich-verspieltes Heck – der Créateur zaubert optisch viel gute Laune in die recht brave Kleinwagen-Sippe. Der eher biedere VW und der trotz erfrischender Alfa-Anklänge eher kastige Mazda sprechen mehr die Vernunft an und weniger die Sinne.

Platzangebot und Variabilität

Angenehm ist der Einstieg in den Modus, der einen mit weitöffnenden Türen empfängt und dank der stolzen Höhe von 1,59 Meter keinerlei Verrenkungen verlangt. Ein Lob, das sich die anderen beiden Kandidaten ähnlich verdienen. Nur beim direkten Umsteigen in den Polo fällt auf, daß dieser immerhin zwölf Zentimeter flacher ist.

Wer jetzt erwartet, daß es im Franzosen auch am gemütlichsten zugeht, wird überrascht. Das beste Platzangebot liefert Mazda – vorn wie hinten. Sein Trick: Er macht sich am längsten, streckt die Achsen am weitesten auseinander. Nur drei Zentimeter kürzer, spendiert der Polo kaum weniger Platz, im Fond sitzt man aber etwas flacher und weniger entspannt. Der Modus kneift ebenfalls nicht, kann auf 3,79 Metern aber auch keine Wunder vollbringen. Auf die Konkurrenz fehlen in allen Richtungen ein paar Zentimeter.

Vor allem zu dritt im Fond wird es extrem kuschelig. Abhilfe soll die sogenannte Triptic-Bank bringen, die sich längs verschieben und hinter die (weitvorgerückten) Vordersitze klappen läßt. Im Prinzip clever, das gibt Bonuspunkte bei der Variabilität. Besonders, weil Polo und 2er mit ihren konventionellen Klapplösungen eher blaß bleiben.

Fahrleistungen und Verbrauch

Dennoch leisten sich die Franzosen Detailfehler: Ganz nach hinten kann die Bank nur schieben, wer das mittlere Sitzpolster hochklappt und die äußeren nach innen schiebt – schon paßt die Bank zwischen die Radhäuser. Ergibt viel Beinraum, aber nur noch vier Plätze. Dazu wegen des abfallenden Daches wenig Kopffreiheit. Außerdem wandern Rückenlehne und Kopfstütze nicht mit nach innen. Und: Es gibt nur rechts einen Hebel zum Zusammenrücken.

Versöhnlich stimmt dafür das Fahrerlebnis. Der muntere 1,6-Liter überzeugt mit den besten Sprintwerten und einem erfrischenden Durchzug. Die 88 PS empfehlen sich hier als erste Wahl, obwohl sie mit dem höchsten Gewicht kämpfen. Einzig das laute Knurren bei hohen Touren und der wenig sparsame Verbrauch (8,0 l) trüben die Freude.

Dicht am Renault klebt der Polo. Mit 86 PS spurtet der 1,4-Liter-Benzin-Direkteinspritzer fast ebenso gut, wird obenrum aber zäher und bleibt im Zwischenspurt zurück. Doch dafür reichen dem FSI 1,5 Liter weniger Sprit – wenn auch teures Super plus. Obwohl subjektiv als gleichwertig empfunden, fährt der Mazda in diesem Feld deutlich hinterher. Mit 80 PS aus 1,4 Litern kommt der Japaner nur mühsam in Schwung, geraten Überholvorgänge zur Geduldsprobe.

Fahrverhalten und Komfort

Spürbar knackiger fällt das Fahrverhalten des straffgefederten 2ers aus. Auch wenn der Komfort leidet und die Lenkung zu indirekt arbeitet, zaubert der agile Mazda tatsächlich Fahrfreude auf die Straße. Erst am Limit heißt es Achtung, vermissen wir das ESP (VW 395, Renault 500 Euro).

Nicht minder handlich, aber deutlich weicher abgestimmt fährt sich der Modus. Die stärkere Wankneigung in Wechselkurven stört nur Mini-Schumis, alle anderen freuen sich über den erstaunlich hohen Komfort. Bis auf ein leichtes Poltern an der Vorderachse überzeugt der Komfort auf ganzer Straßenbreite. Zum angenehmen Fahrerlebnis tragen außerdem die elektrische Lenkung und die Schaltung bei.

Klassenprimus Polo muß sich ganz schön strecken, um den Renault hier hinter sich zu halten. Letztendlich sichert der Feinschliff an Federung (geschmeidiger), Lenkung (präziser) und Schaltung (exakter) dem VW hier aber seine Spitzenstellung.

Technische Daten und Testwerte

Im grünen Bereich: Keiner der Kleiwagen gibt sich die Blöße, alle stehen unter 40 Metern. Der Polo erweist sich als schlechtester Kaltbremser, steht mit warmer Bremsanlage aber am schnellsten.

Kosten und Ausstattungen

Mit 14.300 Euro präsentiert sich der Mazda2 1.4 Active als Schnäppchen in diesem Vergleich. Der Modus 1.6 16V Privilège (15.350 Euro) kostet zwar 250 Euro mehr als der Polo 1.4 FSI Comfortline, hängt den VW bei Ausstattung und Garantie aber gnadenlos ab. So wird der Modus am Ende tatsächlich zu einer Klasse für sich.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka Vive la révolution – der Modus kann den Seriensieger Polo tatsächlich auf Platz zwei verweisen. Allerdings nicht wegen des nur halbgaren Sitzkonzeptes, sondern weil er deutlich günstiger ist. Wenn demnächst die (noch günstigere) Basisvariante mit konventioneller Klappbank kommt, sehen wir den wahren Volkswagen von Renault. So einen hat Mazda im Prinzip jetzt schon im Programm, der 2er verliert diesen Vergleich aber wegen des schlappen Motors.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Renault Modus, VW Polo und Mazda2. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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