Renault Talisman (2015): Fahrbericht

Renault Talisman (2015): Fahrbericht

— 13.11.2015

Tapetenwechsel im Talisman

Reichlich Platz, kräftige Motoren und wechselnde Farbkulissen im Innenraum: Der Talisman soll Renault wieder zum Erfolg in der Mittelklasse führen. Fahrbericht!

Video: Renault Talisman (2016)

Der große Glücksbringer

Natürlich animiert sein Name zum Wortspiel, da können wir gar nicht widerstehen: Der Talisman ist ein ziemlich großer Glücksbringer geworden. Wie die Konkurrenten Skoda Superb und Ford Mondeo wächst der neue Renault fast auf Oberklasse-Format: Mit 4,87 Meter Länge braucht man schon stattliche Parklücken. Ob der Franzose seinen Platz erobern kann, klären unsere Fahreindrücke mit der Limousine, die im Februar 2016 auf den Markt kommt. Der für den deutschen Markt wichtigere Kombi folgt erst im Mai.
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Die Ladeöffnung ist etwas klein geraten, dennoch schluckt der Kofferraum  bis zu 1022 Liter.

Schon der erste Anblick lässt den Vorgänger Laguna (und den unglücklichen Korea-Import Latitude) schnell vergessen – mit sichelförmigen Tagfahrleuchten, langer Motorhaube und ringsum üppig verteiltem Chromschmuck. Die coupéhafte Dachlinie verbirgt geschickt, dass die praktische Heckklappe des Laguna weggefallen ist. Die viertürige Limousine ist "der wohl konservativste Renault im ganzen Programm", sagt Designchef Laurens van den Acker. Sein Talisman muss in Europa ankommen und in Korea, wo er als Samsung verkauft wird – Kompromisse sind selten große Würfe.

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Soll in Europa als Renault und in Korea als Samsung erfolgreich sein: der Renault Talisman

Dabei fehlt es nicht an praktischen Talenten. Was die Abmessungen versprechen, kann der Innenraum locker einlösen: Der Talisman bietet reichlich Platz, der Fond hat Taxi-Qualitäten, und der 608 Liter große Kofferraum wächst durch Umlegen der geteilten Rückbank auf 1022 Liter. Die lange Ladefläche kann ein variableres Schrägheck nicht ganz ersetzen, zudem fällt die Ladeöffnung recht klein aus. Bei der Einrichtung haben die Franzosen sich spürbar Mühe gegeben: Oben auf der Cockpittafel ist der Kunststoff weich hinterschäumt, die Auswahl von Materialien und Farben zeigt zumindest im Topmodell "Initiale Paris" genug Liebe zum Detail. Die Sitze lassen sich vielfach elektrisch verstellen, selbst das Basismodell massiert den Fahrer elektrisch den Rücken. Kleiner Clou: Der Talisman wechselt auf Knopfdruck die Tapete. Der Programmschalter auf der Mittelkonsole ändert nicht nur – wie bei anderen Herstellern – das Ansprechen von Gaspedal, Getriebe, Lenkung und verstellbaren Dämpfern, sondern in fünf Stufen dazu passend die Beleuchtungsfarbe, Klimatisierung, Motorsound und das Design des TFT-Displays im Tachogehäuse. Dort sieht der Fahrer etwa in der "Sport"-Stufe einen roten Drehzahlmesser, bei Eco eine grüne Sparanzeige. Fehlt nur noch, dass der Renault selbstständig erkennt, wie sein Pilot heute drauf ist – und entsprechend die Farbwelt vorwählt.

Renault Talisman (2015): Sitzprobe

Dieses Gimmick bietet jede Menge Kombinationsmöglichkeiten, das Angebot an Motoren und Getrieben ist dagegen überschaubar: Es gibt nur drei Diesel- (110 bis 160 PS) und zwei Benziner (150 und 200 PS) sowie zwei Doppelkupplungsgetriebe. Beliebteste Wahl wird vermutlich der Topdiesel mit 160 PS: Zwei Turbos blasen den 1,6 Liter auf 380 Nm Drehmoment hoch, die 9,1 Sekunden bis Tempo 100 und 215 km/ Spitze möglich machen. Der Vierzylinder ist ein stiller Vollstrecker, so leise und vibrationsarm schiebt er die immerhin 1597 Kilogramm schwere Limousine an. Teuren und ausgeklügelten Leichtbau suchen wir vergebens. Am ersten Testwagen zeigten schlecht eingepasste Anbauteile und ungleichmäßige Fugen, dass die Qualität im Werk Douai noch Luft nach oben hat. Dafür fiepte und quietschte im Innenraum nichts.

Etwas später wird der Talisman auch als Grandtour für 1000 Euro Aufpreis angeboten.

So viel Power und Platz stempeln den Talisman zum Kilometerschrubber, ein Kurvenkünstler wird er trotz seiner fünf Fahrprogramme wohl nicht. Die Lenkung agiert zu leichtgängig, erst die höheren Lenkräfte in Modus "Sport" wecken mehr Vertrauen. Die einzelnen Dämpferstufen arbeiten nicht unterschiedlich genug, auf glatten Pisten böte eine größere Spreizung besseren Komfort. Allerdings litt das Fahrwerk unter unnötig sportlichen 19-Zoll-Rädern, die auf runzeligen Landstraßen die Vorderachse zum Poltern brachten. Nein, die goldenen Seiten des Talisman liegen woanders: Es gibt viel Auto fürs Geld. Schon die Basisversion "Life" für 27.950 Euro kommt serienmäßig mit Zweizonen-Klimaautomatik, Einparkhilfe hinten, Multimediasystem mit integrierter Navigation und Siebenzoll-Touchscreen sowie Tempomat. Dazu kommen die geschilderte Wohlfühl-Massage und das bunte Farbenspielchen.

Renault Talisman (2015): Fahrbericht

Fahren wie Gott in Frankreich in der Topausstattung

Renault weiß, dass die Marke in der ohnehin schrumpfenden Mittelklasse zuletzt Boden verloren hat. Deshalb kommt der Talisman ab Februar 2016 nur in Deutschland mit fünf Jahren Garantie, die natürlich auch beim jeweils 1000 Euro teureren Kombi gelten. Der Talisman Grandtour wird in der Top-Ausstattung 42.000 Euro kosten und ein Leben wie Gott in Frankreich vorspielen: adaptives Fahrwerk, Allradlenkung, Sicherheitsabstand-Warner, Head-up-Display, Akustik-Verglasung, Bose-Soundsystem und elektrisch belüftete Sitze in der ersten Reihe. Doch Glück kann man bekanntlich nicht kaufen. Den Talisman schon.

Autor: Joachim Staat

Stichworte:

Limousine

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