Renault Vel Satis

Renault Vel Satis Renault Vel Satis

Renault Vel Satis

— 14.02.2002

Angriff auf die Oberklasse

Renault will hoch hinaus: Die ungewöhnliche Raum-Limousine Vel Satis hat es auf Mercedes und BMW abgesehen.

Angriff auf die Oberklasse

Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende. Als der Philosoph Demokrit (460 bis 371 v. Chr.) diese Weisheit zum Besten gab, wusste er zwar noch nichts von einem Autohersteller namens Renault, dennoch passt dieses Sprichwort heute zu den Franzosen wie ein Kolben in seinen Zylinder. Espace (seit 1984), Twingo (seit 1992) und Scénic (ab 1996) belegen, dass sich Mut im Autobau durchaus auszahlen kann.

Als Belohnung fahren die Renault-Revoluzzer in Deutschland seit elf Jahren permanent an der Spitze der Importeure. Und doch fehlt zum großen Glück noch ein wichtiger Beitrag: die Anerkennung in der Welt der Reichen und Schönen. Die Lösung dieses Problems soll nun ganz nahe sein. Dem Vel Satis soll ab Mai 2002 endlich das gelingen, was der glücklose Safrane (ab 1992) nie geschafft hat: Erfolg und Respekt zu erringen in der prestigeträchtigen Oberklasse. Dort, wo BMW und Mercedes die Lorbeeren bislang allenfalls mit Audi teilen müssen.

Irgendwo zwischen Van, Kombi und Fließheck liegen die Wurzeln der 4,86 Meter langen Raum-Limousine, die das Dach ungewöhnliche 1,58 Meter über Grund trägt und sich damit locker eine Kugelschreiberlänge über ihre Stufenheck-Gegner erhebt. So schafft Renault zwischen der langen Motorhaube (wie die Türen aus Alu) mit dem kraftvollen Kühlergrill und dem ausdrucksstarken Kuppelheck (Klappe wie die Kotflügel vorn aus Kunststoff) ein fürstliches Platzangebot. Hier genießen wir nicht nur viel Luft zum Lümmeln, sondern wegen der hohen Sitzposition auch eine ausgesprochen entspannte Haltung.

Club-Atmoshpäre im Innenraum

Darüber hinaus verwöhnt der Vel Satis seine Gäste mit einem vornehm eingerichteten Innenraum. Hier überzeugt nicht nur die objektive Verarbeitungsqualität, sondern auch die subjektiv fühlbare Materialanmutung. Die einladenden Sitze lassen sich mit Hilfe diverser Elektromotoren in Position fahren (Serie ab Privilège, ab Initiale mit Memory), als besondere Aufmerksamkeit lässt sich der obere Teil der Lehne separat um 30 Grad neigen.

Dem Wohlbefinden dienen außerdem die Klimaautomatik, die sich für Fahrer-, Beifahrer und Fond getrennt steuern lässt, feine Radioanlagen sowie die automatische Parkbremse. Und wer in der Top-Ausstattung Initiale auf Tour geht, schwelgt in Holz und Leder, als säße er in einem englischen Club.

Natürlich öffnet sich der Weg in die gute Stube bei Bedarf per Chipkarte (Keyless Entry, ab zweiter Jahreshälfte verfügbar), die zusammen mit dem Startknopf auch den Schlüssel ersetzt (Keyless Drive, Serie). Karte einschieben, auf "Start" drücken, und schon erwacht der Motor zum Leben.

Motor und Fahrleistung

Als Einstieg bieten die Franzosen zwei Vierzylinder: Der Zweiliter-Benziner (ab 29.500 Euro) bringt es dabei dank Turbolader auf 163 PS, sorgt mit zwei getrennten Abgaskanälen (einer für 1. und 4., einer für 2. und 3. Zylinder) für eine bessere Zylinderfüllung und Leistungsausbeute. Der 2,2-Liter-Common-Rail-Turbodiesel (ab 30.500 Euro) setzt 150 PS frei, verfügt über separate Kanäle für die zwei Einlassventile pro Zylinder (soll Gemischbildung verbessern), variable Turbinengeometrie sowie zwei Ausgleichswellen. Für beide Motoren wird es zum Jahreswechsel eine Fünfstufenautomatik für rund 1600 Euro geben.

Tatsächlich (er)fahren konnten wir die beiden Sechszylinder, die ab Werk mit der nicht immer sanft und sicher schaltenden Automatik kombiniert sind. Der 3,5-Liter-Benziner (ab 37.100 Euro) aus dem Hause des Allianz-Partners Nissan lässt mit seinen 241 PS kaum Fragen offen. Der Vierventiler mit variabler Steuerung der Einlassventile und Schaltsaugrohr sorgt in allen Lagen für reichlich Schub, klingt nur beim Ausdrehen eine Spur zu kernig und überfordert die Vorderräder bei Nässe trotz ESP immer wieder.

Die Wucht von 350 Nm und 177 PS überfällt uns beim Dreiliter-Diesel (ab 35.600 Euro), der es dank Alu-Body (inklusive Ölwanne/ Zylinderköpfe) und hohlgebohrten Nockenwellen auf schlanke 230 Kilo bringt. Der variable Lader mit Ladeluftkühlung lässt vom Start weg die Muskeln spielen, ohne dass es dabei allzu heftig in der Lenkung reißt. Auch bei der Laufruhe gefällt der Common-Rail-Diesel von Isuzu deutlich besser als etwa im Saab 95, wo er ebenfalls eingesetzt wird.

Komfort und Sicherheit

In Sachen Fahrkomfort schwebt der Vel Satis zwar nicht in neuen Dimensionen, die weiche Abstimmung lässt aber kaum grobe Schläge nach innen durch. Einzig die beim Initiale serienmäßigen 18-Zoll-Räder (sonst 17 Zoll) sorgen ausgerechnet im Topmodell für unnötige Unruhe. Eine unverständliche Reifenwahl, zumal Sportlichkeit dem Franzosen mit der indirekten Lenkung eher fremd bleibt.

Groß geschrieben wird dagegen die Sicherheit. Die vom Laguna bekannte Vorderachse und die völlig neue Mehrlenker-Hinterachse lassen den Vel Satis auch bei stürmischer Fahrt nicht aus dem Ruder laufen; gegen Übermut versichert in den meisten Fällen das ESP. Und sollte doch mal ein Fahrmanöver misslingen, bemühen sich acht Airbags sowie das ABS mit Bremsassistent um die Unversehrtheit der Insassen. Klar, dass Renault beim Euro NCAP wie bereits beim Laguna auf fünf Sterne spekuliert.

Spekulationen, der Name Vel Satis könne dem Lateinischen entliehen sein und so viel wie "wirklich genug" bedeuten, werden allerdings schüchtern zurückgewiesen. Was jedoch nichts daran ändert, dass gerade der französische "Hoch-Mut" den Vel Satis zum Volltreffer machen könnte.

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