Rendezvous mit dem Mazda Kabura

Mazda Kabura Mazda Kabura

Rendezvous mit dem Mazda Kabura

— 10.03.2006

Zoomt ihn her, den kleinen Mazda!

Schon wieder eine Coupé-Studie – aber was für eine. Mit dem kleinen Kabura verbinden wir einen großen Wunsch: Bitte bauen. Sofort!

Das Signal zur Eröffnung der Schlacht

Manchmal sind sie richtig poetisch, die Japaner. Die Mazda-Leute zum Beispiel, die den Namen Kabura für ihr kleines Schnuckelcoupé gewählt haben. Kabura-ya stammt aus der japanischen Geschichte, war ein Pfeil, der beim Flug ein singendes, weit hörbares Geräusch macht: das Signal zur Eröffnung der Schlacht. Sehr bildhaft und kein schlechter Name für ein Auto, das uns tatsächlich mitten ins Herz trifft.

Ich jedenfalls finde die Studie Kabura hinreißend. Flach kauert sie auf der Straße, gerade einmal vier Meter lang, aber 1,78 Meter breit. Mit ultrakurzen Überhängen, typischem Mazda-Gesicht und knuffigem Heck. Sympathisch, schon im Stand schnell, nicht aggressiv. Besonders auffällig sind die riesige Frontscheibe, die übergangslos ins Dach übergeht, und die im Mittelteil durchsichtige Motorhaube. Das Auto entstand im kalifornischen Designstudio von Mazda und baut technisch auf dem aktuellen MX-5 auf, also mit Frontmotor und Heckantrieb, der Motor mit zwei Liter Hubraum und 160 PS, dazu ein Sechsganggetriebe.

Ganz realistische Daten sind das, und ein Coupé auf MX-5-Basis ist ja auch nicht soweit hergeholt. "Wir wollten unbedingt ein Auto, das sich jeder leisten kann", sagt der Chefdesigner. Der trägt den schönen deutschen Namen Franz von Holzhausen und spricht nicht ein Wort unserer Sprache. Kurios, oder? Er ist ein amerikanischer Sonnyboy wie aus dem Bilderbuch, freundlich, entspannt und offen. Diese Lockerheit findet sich im Kabura wieder. "Der sollte unbedingt nach mehr aussehen, als er kostet."

Fahrspaß auf die intelligente Art

Deshalb hat er lupenreine Sportwagen-Zutaten wie lange Haube, kurzes Heck, breite Spur, Lüftungseinlässe. Auch die Reifen – 245/35 R 19 vorn und 245/35 R 20 hinten – deuten auf ernsthafte Absichten. Und den durch die Haube sichtbaren Zylinderkopfdeckel haben sie tatsächlich rot lackiert – wie bei Ferrari. "Fahrspaß ist ganz wichtig, wir wollten den aber auf intelligente Art, also mit wenig Gewicht. Ein Riesen-V8 mit 500 PS ist einfach nicht typisch für Mazda." Wohl wahr, und der Mann weiß, wovon er redet. Schließlich hat er einen 69er Pontiac mit 6,6-Liter-V8 in der Garage. "Inzwischen steigen doch auch bei uns in den USA die Spritpreise, darauf wollen wir uns einstellen."

Im Kabura hat er noch ein paar andere interessante Ideen verwirklicht. Besonders spannend ist die Sitzordnung, die nicht coupétypisch 2+2 heißt, sondern 3+1. Wie geht das? Auf der linken Seite ist alles wie gehabt: Fahrersitz und dahinter ein (schlecht zu erreichender) Notsitz. Auf der rechten Seite sieht es so aus: Der Instrumententräger ist besonders schlank gebaut, ein Handschuhfach fehlt. Deshalb rückt der Beifahrersitz um 15 Zentimeter nach vorn, dahinter befindet sich also mehr Platz als links, ausreichend für einen normalen Sitz.

Die Einzelsitze hinten und auch die Lehne des Beifahrersitzes lassen sich mit wenigen Griffen umlegen – ideal für den Transport der diversen Sportgeräte der angepeilten jugendlichen Zielgruppe. Um den Einstieg zu erleichtern, gibt es rechts eine zusätzliche kleine Tür. Sie fährt auf Knopfdruck leise surrend nach hinten und verschwindet in einem Abteil im Kotflügel – dennoch ist es im Fond für den 1,93-Meter-Redakteur trotz aller guten Absichten des Designers natürlich viel zu eng.

Wir fordern klipp und klar: bauen!

Also vorn einsteigen. Hier sitzt es sich unter der riesigen Scheibe fast wie im Freien, bei heftiger Sonneneinstrahlung läßt sich die Tönung auch abdunkeln. Beim hautnah um den Fahrer herumgezogenen Instrumententräger durfte sich von Holzhausen offensichtlich austoben – ich fände es schön, wenn wir solch radikales Design tatsächlich in der Serie wiederfinden würden. Die Oberflächen im Innenraum sind ein fröhlicher Mix aus glänzendem, tiefdunklem Klavierlack und hochentwickelten Kunststoffen, die in Zusammenarbeit mit Recycling-Spezialisten entstanden.

So bestehen die Verkleidungen aus aufgearbeitetem Ledersubstrat. Und das wird aus dem Abfall gewonnen, der bei der Produktion von Nike-Laufschuhen entsteht. Noch ist der Kabura eine Studie. Zu den Chancen, das Auto zu bauen, schweigen die Mazda-Leute eisern. Da sind sie gar nicht romantisch. Wir auch nicht, wir fordern klipp und klar: bauen! Ohne Firlefanz und so schnell es geht. Denn auf so ein bildschönes und um 20.000 Euro teures Coupé haben wir schon lange gewartet.

Autor: Dirk Branke

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