Rennen meines Lebens: Marc Surer

Rennen meines Lebens: Marc Surer

— 19.09.2007

Ritterschlag von Senna

Nach einem miesen Start in einem faulen Brabham-Chassis fuhr der Schweizer in Brands Hatch am Besten vorbei. Der Große Preis von Großbritannien 1985 war das Rennen des Lebens für Marc Surer.

Die Kraft der Turbomotoren setzte blitzartig und infernalisch ein. Man musste sich 1985 noch per Blickkontakt zum Drehzahlmesser darauf vorbereiten, sofern man den Zeitpunkt des einsetzenden Schubs nicht im Blut hatte. Dazu fuhr der Brabham-BMW mit Pirelli-Reifen, die die Arbeit am Lenkrad zusätzlich um einen Grad erhöhten. Mitte des Jahres ging Teambesitzer Bernie Ecclestone also zu seinem Fahrer François Hesnault und sagte: "Besser, du steigst aus." Dieser Hesnault hatte zuvor mal einen dritten Platz im Ligier eingefahren. Aber in dem zickigen Brabham drehte er sich sogar auf der Geraden! Ich ersetzte ihn und wunderte mich, dass mein Teamkollege Nelson Piquet viel schneller war. Deswegen konnte ich den Ingenieuren auch nach einigen mäßigen Rennen nicht erzählen, wie mein Auto reagierte. Denn bei Piquet lief es ja. Bis ich bei einem Test sein Auto fahren durfte. Und auf Anhieb genauso schnell war wie er. Grund: Mein Chassis war weich und verbog sich, seines nicht.

Heute ist Marc Surer einer der beliebtesten Fernsehkommentatoren im Rennsportzirkus.

Dann kam der GP in Brands Hatch. Ich startete mit neuem Chassis vom 7. Rang und arbeitete mich kontinuierlich vor. Dann traf ich auf Ayrton Senna im Lotus. Der tat so, als würde er mich nicht sehen. Runde für Runde bremste er auf der Geraden am letzten Loch. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass er auf seiner Linie immer Platz für (m)ein Auto ließ. Da wusste ich: Er hat mich im Auge. Beim nächsten Mal an dieser Stelle nutzte ich diesen Platz und presste mich vorbei. Dann fuhr ich ihm weg. Ein kleiner Sieg gegen den großen Senna. Für den dieses Verhalten exemplarisch war: Er war beinhart, aber ließ anderen Raum zum überholen und überleben. Dann hatte ich noch Nigel Mansell vor mir. Aber der war zu schnell. Und kurz vor Schluss ging mein BMW-Turbo auch noch hoch. Es war einer von mehreren verlorenen Podestplätzen, sodass ich meine F1-Karriere ohne ein Podium beendete. Aber Senna entschädigte mich mit den Worten: "Starkes Rennen." Das war mein persönlicher Ritterschlag.
Zur Person
Marc Surer
Geboren: 18. September 1951
Geburtsort: Arisdorf (Schweiz)
Wohnort: Eptingen (Schweiz)
Nationalität: Schweizer
Familienstand: geschieden
Erlernter Beruf: Rennfahrer
Hobbys: Kartsport, Pferde
Karriere
1972 Einstieg in den Kartsport
1979 Formel-2-EM-Sieger (March-BMW), F1-Debüt mit Ensign
1980/81 Schnellste Runde GP Brasilien, 2 Testunfälle in Kyalami
1982-84 F1 mit Arrows
1985 (Brabham), 24h-Sieg Spa
ab 1991 BMW-Rennleiter,TV-Experte




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