Rennserie Super 2000

Groß im Kommen: Super-2000 Groß im Kommen: Super-2000

Rennserie Super 2000

— 23.03.2007

Die Rallye-Zwerge

Weniger Kosten, näher zur Serie – die Vorteile der Super 2000 liegen auf der Hand. Die neue Rallye-Liga unterhalb der WM könnte klappen.

Grand-Prix-Monoposto fahren auch nirgendwo anders als in der Formel-1-WM. Warum also sollten World Rallye Cars (WRC) außerhalb ihrer Weltmeisterschaft starten? Immerhin sind sie das technisch Höchste, was der Rallye-Sport derzeit zu bieten hat und damit quasi die Drift- und Schotter-Gegenstücke zu McLaren-Mercedes oder BMW-Sauber. So ungefähr lautet der Gedanke, der hinter der vom Automobil-Weltverband FIA angestrebten Ausrottung der Rallye-WM-Autos in nationalen und regionalen Championaten steckt. Zudem bedeutet der Einsatz eines WRC einen finanziellen Kraftakt, den nur wenige Privatteams bewältigen können.

In der WRC nur noch im privaten Einsatz: der Skoda Fabia WRC.

Letztlich verlangt ja auch der Einheitsbrei in der seriennahen Gruppe N nach einer Alternative. Hier balgen sich seit Jahren einsam Subaru und Mitsubishi um Siege und Titel. Beide sind die einzigen Hersteller, die sportliche Serienautos mit Zweiliter-Turbomotor und Allrad anbieten. Alles Gründe, die für einen Rallye-Ableger der sogenannten Super-2000-Kategorie sprechen. Seriennähe, überschaubare Kosten durch ein eng gestecktes Reglement sind ihre Trümpfe. In der Tourenwagen-WM sorgt die FIA so seit zwei Jahren für Markenvielfalt, ausgeglichene Startfelder und spektakuläre Rennen. Das Konzept Super 2000 soll jetzt auch im Rallyesport neue Hersteller anlocken. Die zeigten der WM zuletzt immer öfter die kalte Schulter. Abgeschreckt von Millionen an Entwicklungskosten für ein WRC oder ein konkurrenzfähiges Gruppe-N-Modell.

Vorreiter der S2000-Serie: Der Rallye-Polo ist in Südafrika unterwegs.

Die Eckdaten der Super-2000-Klasse: Jedes Basisfahrzeug muss mindestens 25.000-mal pro Jahr verkauft werden. Pflicht ist auch die Homologation in der seriennahen Gruppe N. Über die dort geltenden Regeln hinaus sind u.a. mächtige Kotflügelverbreiterungen, ein für alle Fahrzeuge einheitlicher Heckflügel und tief greifendes Tuning der auf zwei Liter Hubraum begrenzten Saugmotoren erlaubt. Damit sind rund 270 PS drin. Außerdem dürfen die serienmäßig mit Front- oder Heckantrieb versehenen Rallye-Zwerge nachträglich mit Allrad ausgerüstet werden. Vorgeschrieben ist allerdings ein einheitlicher Antriebsstrang vom französischen Hersteller SADEV – das spart Entwicklungskosten. Zugelassen sind Super-2000-Autos zurzeit in einigen regionalen Championaten wie der EM, in vielen nationalen Meisterschaften (z.B. Deutschland) und in der Produktionswagen-WM. So bleibt die Vorherrschaft der WRC gewahrt.

Das EM-Siegerauto 2006: Fiat Grande Punto Abarth mit G. Basso (I).

Aber in der zweiten Rallye-Liga sind die Kleinwagen groß im Kommen. Toyota (mit dem Corolla) und VW (Polo) machten den Anfang. Allerdings vorerst nur in Südafrika. Dort erlaubt der nationale Verband schon länger Super-2000-Autos auch im Rallyesport. In Australien (Ford Focus und Fiesta) entstanden ebenfalls S2000-Varianten – mehr oder weniger ohne Beteiligung des Mutterkonzerns. Werksseitig und auf internationaler Ebene betrieb Fiat Pionierarbeit. Die Italiener holten 2006 mit dem EM-Sieg durch Giandomenico Basso (33) in einem Grande Punto Abarth den ersten internationalen Titel für die neue Klasse. Mittlerweile hat auch Peugeot ein Super-2000-Auto im Programm. Skoda hat auf dem 77. Genfer Salon gerade eine Rallyestudie des neuen Fabia präsentiert. Und Ford hat den Bau eines werksentwickelten Fiesta für den Kundensport angekündigt. Ideale Bühne für die neue Rallye-Klasse soll die seit 2006 bestehende Intercontinental Rallye Challenge (IRC) werden. Die ist nur für Super-2000- und Gruppe-N-Autos ausgeschrieben.

Der Skoda Fabia S2000: bisher nur Studie, aber bald der Herausforderer.

Hinter der IRC steht der TV-Sender Eurosport als Vermarkter, der in dieser Rolle auch die Tourenwagen-WM mit promotet. Im Kalender stehen neben traditionsreichen Rennen wie der Safari-Rallye (Kenia) oder Rallye San Remo (Italien) auch Läufe in wichtigen neuen Märkten wie Russland und China. Der Verlauf der noch schwach besetzten Premierensaison 2006 zeigte immerhin: Super-2000- und Gruppe-N-Fahrzeuge sind annähernd gleich schnell. Mit Vorteilen für die Seriennahen auf Schotter (bessere Kraftverteilung durch elektronisch gesteuertes Mitteldifferenzial, höheres Drehmoment dank Turbomotor) und für die Super 2000 auf Asphalt (geringeres Gewicht, bessere Bremsen). Längst überlegt die FIA, die IRC offiziell als zweite Liga zu etablieren. Sie könnte nicht nur kostengünstige Spielwiese für Nachwuchsfahrer sein. Auch ein Auffangbecken für Rennveranstaltungen, die demnächst aus dem exklusiven Kreis der 16 WM-Rallyes absteigen müssen, ist nötig.

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