Rennstrecken-Fahrbericht Mercedes SLS AMG — autobild.de — 07.11.2009
Im Revier des Mercedes SLS
Der Mercedes SLS AMG muss nicht unbedingt fahren, um gut auszusehen. Türen auf, Spot an. Fertig. Zugegeben, der 177.000-Euro-Knaller kann mehr. Viel mehr. autobild.de war mit dem neuen Flügeltürer auf der Rennstrecke unterwegs.
Weitere Galerien werden geladen ...
ANZEIGE
News und Tests zum SLS? Hier geht es zur Modellseite

Kampfansage aus Affalterbach. Der Mercedes SLS AMG ist ein Hingucker und soll der Konkurrenz zeigen, "wo der Hammer hängt!"
Vier Schaltprogramme helfen beim Sortieren der sieben Gänge

Schöner wohnen: Was auf der Mittelkonsole nach Alu aussieht, ist auch Alu. Die Lüftungsdüsen sollen an Turbinen erinnern.
ANZEIGE
Gebrüllt wird immer
Mit einem fiesen Knall sortiert das Speedshift-Getriebe die Gänge, ein Streicheln übers Gaspedal schubst den 4,64-Meter-Sportler aus der Boxengasse. Es geht ein gutes Stück bergab, dann wird der Griff ums dicke Performance-Lenkrad (476 Euro) fester. Die "Andretti Hairpin" führt in zwei Bögen 180 Grad ums Eck und hängt dabei leicht nach rechts – ein biestiges Stück Linkskurve, das selbst gestandene Rennfahrer um Bestzeiten bringt. Fuß vom Gas, hart anbremsen, einlenken, kurz nach außen treiben lassen, noch mal einlenken, Lenkung öffnen und mit viel Gebrüll raus aus der Kurve. Man muss kein Virtuose hinterm Steuer sein, um mit dem SLS würdevoll ums Eck zu kommen. Die optionale Keramik-Bremse entsorgt überschüssige Geschwindigkeit zuverlässig und bleibt dabei immer wunderbar dosierbar, die Servolenkung reicht jede Spurrille an die Finger weiter, das Doppelkupplungsgetriebe erledigt die Schaltarbeit. Den Rest übernehmen die sportlich abgestimmten Assistenzsysteme oder das Popometer des Fahrers – je nachdem, wer am Steuer sitzt. Ganz ehrlich: Bei mir waren es die Assistenzsysteme.Eine 4,7 Kilo schwere Carbon-Welle überträgt die Kraft
Rechts, rechts, links, links – 571 PS und 650 Newtonmeter schieben den SLS die trockene Lagune hoch zur "Corkscrew" – einer Kurvenkombination, für die Laguna Seca berüchtigt ist. Der "Korkenzieher" fällt mit einem Links- und Rechtsschwung in die Tiefe. Uneinsehbar und unheimlich, dafür aber umso unterhaltsamer. Ein Fest für Fahrwerk, Lenkung, Reifen und Magenschleimhaut. Die ersten drei Kandidaten schlagen sich prächtig, das Zauberwort heißt Gewichtsverteilung. V8 vorne, Getriebe hinten. Dazwischen ein steifer Tunnel, bei Mercedes "Torque Tube" (Drehmoment-Röhre) genannt, in dem eine Carbon-Welle (4,7 Kilo) mit Motordrehzahl rotiert und bis zu 650 Newtonmeter Drehmoment an die Hinterräder weiterreicht. Lohn der Mühe: Eine Gewichtsverteilung von 47 zu 53 Prozent (vorne/hinten) und ein damit verbundenes messerscharfes Handling. Das heißt: Bösartigkeiten ausgeschlossen, fährt der Mercedes SLS AMG immer zuverlässig in die Richtung, die der Fahrer vorgibt. Was im "Korkenzieher" vor allem für den Magen ein Problem sein kann. Barbeque? "Besser erst nach dem Turn" – danke, Herr Zollino!Flügeltüren sind schick – aber unpraktisch
Die letzte Herausforderung in Laguna Seca heißt schlicht "Corner 11" und ist die letzte Kurve vor Start und Ziel. Fast 90 Grad links ums Eck – geometrisch hübsch anzuschauen aber Gift für Menschen, die nicht seit dem Kindergarten Ideallinien ins Kleinhirn gebrannt bekommen haben. Anker werfen, nicht zu früh einlenken und so langsam wie nötig auf die Zielgerade einschwenken. Aber wie langsam ist "so langsam wie nötig"? Eine Frage, die das Sport-ESP entschieden anders beantwortet als ich. Viele Runden lang. Sei's drum. Wenige Minuten später steht die Horde SLS wieder knisternd vor der Boxengasse und wartet auf die nächsten Piloten. Ein Höllenritt für die unerfahrene Journaille, lockere Runden für die Instruktoren. Gefallen hat es auch dem Chef. Dr. Dieter Zetsche steigt bestens gelaunt aus dem 1620 Kilo-Renner und vergisst dabei die Sache mit der Demut. Klong – Helm trifft Flügeltür. Die Dinger sehen unverschämt gut aus – sind aber alles andere als praktisch. In Maranello werden sie das gerne hören.Mit 177.000 Euro gegen die Wand? Hier geht es zum SLS-Crashtest!









Kommentare zum Artikel (45)
Das sehen Sie auch so? Oder anders? Diskutieren Sie mit!07.11.2009 14:14Uhr
Luxusvilla, Yacht, Golfen oder teure Hotels könnten mir gestohlen bleiben.
Aber dieses Teil wollte ich haben - unbedingt - am besten zwei. Einen zum Konservieren in der Klimagarage und einen zum Heizen auf der Rennstrecke.
Wird wohl nie was draus werden, aber es gibt Schlimmeres.
07.11.2009 14:40Uhr
07.11.2009 14:55Uhr
07.11.2009 15:25Uhr
Viel sportlicher als der SLR Vorgänger und der Preis ist zwar sehr hoch, aber nicht übertrieben. Ein 911 Turbo kostet ja auch schon 150.000€ und da ist der SLS nicht weit von entfernt und viel Exklusiver!
07.11.2009 16:23Uhr
der slr dagegen ist gott
Kommentar verfassen
Fügen Sie Ihre Meinung der aktuellen Artikeldiskussion hinzu.