Reportage Importfahrzeuge

Autos aus China Autos aus China

Reportage Importfahrzeuge

— 28.02.2007

China-Autos vom Fischhändler

Ein Unternehmen auf Sylt will Fahrzeuge aus Fernost importieren. Die Technik ist veraltert und anfällig. Doch bis zum Verkaufsstart im Juni soll alles besser werden.

Dick wie Austernperlen kriechen die Regentropfen über den teuren Limousinenlack. Die Besucher des noblen Sylter Strönwai haben eine Mauer aus Autos um die feinen Champagnerbars und Restaurants gezogen, ein millionenschwerer Wall aus Blech.

An diesem Wintertag aber hat die Automauer in der "Whiskystraße" Lücken. Es ist noch Platz für einen Kleinwagen, der zwar keinen Stern auf der Haube trägt, dafür aber einen Namen wie von einem anderen Planeten: Jonway Ufo. Ernst Schwarz parkt den schwarzen Zweitürer hinter einem Jaguar ein. Bis vor etwa einem Jahr war der Ufo für den Sylter Kaufmann noch ein unbekanntes Fahr-Objekt. Mittlerweile kennt der Fisch- und Medikamentenhändler jedes Detail des Fronttrieblers aus China. Spätestens im Juni soll die Kopie des Toyota RAV4 im Handel sein. Außerdem der Gonow Victor, der dem Toyota Land Cruiser ähnelt. Seit einem halben Jahr versuchen Schwarz und sein Geschäftspartner Matthias Bangel, die Vorserien-Modelle so sicher und zuverlässig zu machen, dass sie in Europa eine Chance haben. Die beiden haben sich für Sylt als Firmensitz entschieden, "weil wir hier unsere Ruhe haben. Wir wollten nicht verrissen werden, bevor wir unsere Hausaufgaben gemacht haben."

Und die waren schwer genug: Die Ufo-Bremsen fielen beim ersten TÜV-Termin glatt durch. Nur mit nachgerüsteten Teilen aus deutscher Produktion klappte es. Außerdem waren die Bremsleitungen zu lose.

Jonway Ufo 2WD: 17.900 Euro.

Schwarz schraubte sie fest, fotografierte sein Werk und mailte die Bilder nach Fernost. Die Arbeiter im ostchinesischen Taizhou machen es seitdem wie auf dem Bild. Laut Schwarz schafft der Victor jetzt schon die Abgasnorm Euro 4, der Ufo soll im Sommer so weit sein. Dem Crashtest nach ECE-Norm stellen sich alle Modelle noch im Frühjahr. Der 64-Jährige will von Sylt aus den deutschen Markt erobern. 2007 möchte er bis zu 3000 Autos verkaufen, die "technisch auf dem Stand von 1994 bis 1998 sind", wie er offen zugibt. Folglich fehlt ESP, das ABS funktioniert bei den von AUTO BILD gefahrenen Vorserienautos nicht oder fällt nach einer Vollbremsung plötzlich aus.

Die Verarbeitung ist rustikal: Zwischen den Plastikverkleidungen an der Lenksäule des Ufo klaffen Lücken, die wie Gletscherspalten aussehen. Dafür erscheinen die blau beleuchteten Instrumente hochwertig und sind gut ablesbar, während die Airbagabdeckung des Ufo an die Laubsägearbeit eines mittelmäßig begabten Grundschülers erinnert.

Gonow Victor 2 WD: 19.900 Euro.

Der Ufo-Innenraum riecht nach Chemiefabrik, und beim Rückwärtsfahren kräht eine Computerstimme irgendwas auf Chinesisch. Der Victor stampft bei großen Bodenwellen wie ein Nordseedampfer durch die See, die gefühllose Lenkung macht in Kurven Angst. "Und dass der zweite Gang im Ufo eine Katastrophe ist, weiß ich auch", sagt Schwarz noch bevor er auf die sehr hakelige Schaltung angesprochen wird. Die Probleme seiner Autos verschweigt er nicht, besonders die Sicherheit ist ihm wichtig. "Ich will nicht schuld daran sein, wenn wegen kaputter Bremsen ein Kind totgefahren wird", sagt der Familienmensch, der mit Frau, Kindern und Enkeln in der gleichen Straße wohnt.

In der Whiskystraße können sich seine Exoten schon sehen lassen, schnell wecken sie die Neugier der betuchten Barbesucher. "Sportlich und schick" findet Nina Bösebeck aus Mülheim den Ufo. "Nur mein großer Hund passt nicht in den Kofferraum", sagt die Fahrerin eines Mercedes ML.

Gonow Troy 2WD: 17.900 Euro.

Vor allem die üppige Serienausstattung beeindruckt die junge Frau: MP3-Player, Aluräder, Lederimitat, Klima und vieles mehr sind Serie. Für stolze 17.900 Euro soll es den Jonway Ufo geben – mit einem 120 PS starken Benzinmotor, den Mitsubishi liefern wird. Der vom gleichen Zweiliter-Triebwerk angetriebene Gonow Victor soll im Mai für 19.900 Euro zu haben sein. Außerdem sind für beide Modelle und den Pick-up Troy zwei Common-Rail-Diesel mit 140 PS (2,6 Liter) aus Europa geplant. Kaufmann Schwarz weiß, dass er noch mitten in seinem "Abenteuer" steckt, wie er es nennt. "Wenn man schlecht ist, fällt das Geschäft zusammen wie ein Reifen, dem die Luft ausgeht."

Autor: Claudius Maintz

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.