Restwert- und Kilometerleasing im Vergleich

Restwertleasing und Kilometerleasing im Vergleich

— 21.04.2016

Wie leasen Sie richtig?

Beim Leasing unterscheidet man grundsätzlich zwei Varianten: Kilometerleasing und Restwertleasing. Wo liegen die Unterschiede und was ist für wen geeignet?

Der grundlegende Unterschied zwischen Restwertleasing und Kilometerleasing ist schnell erklärt. Beim Restwertleasing wird zu Beginn vertraglich ein Wert festgelegt, den das Fahrzeug am Ende der Leasing-Periode haben soll. Die Differenz aus Fahrzeugpreis und diesem festgelegten Restwert bildet die Grundlage für die Berechnung der Monatsraten. Je höher der relative Restwert, desto niedriger also die Raten. Beim Kilometerleasing wird zu Beginn festgelegt, wie viele Kilometer das Fahrzeug über den Leasingzeitraum zurücklegen soll. Was ein Kilometer kostet, berechnet sich nach einer recht logischen Formel. Der Listenpreis des Fahrzeugs geteilt durch die zu erwartende Gesamtleistung, die für das betreffende Modell veranschlagt wird, also quasi die "Lebenserwartung" in Kilometern. Früher wurde generell für alle Fahrzeuge eine Laufleistung von 150.000 Kilometern veranschlagt. Die darauf basierende "0,67-Prozent-Formel" gilt inzwischen allerdings als überholt, da vor allem höherwertige Fahrzeuge eine deutlich höhere Gesamtleistung aufweisen. Je höher die Gesamtleistung, desto niedriger also der Kilometerpreis.

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Restwertleasing: Die Nachteile überwiegen

Ein hoher Restwert garantiert niedrige Monatsraten. Restwertleasing scheint daher durchaus eine lohnende Sache zu sein. Unangenehm wird es allerdings, wenn sich am Ende der Leasingzeit herausstellt, dass das Fahrzeug weniger Wert ist, als vertraglich festgelegt wurde. Dann ist der Händler berechtigt, einen sogenannten Restwertausgleich einzufordern. In der Praxis geschieht dies relativ häufig, denn einige Händler setzen den Restwert bisweilen bewusst unrealistisch hoch an, um attraktive Monatsraten bieten zu können. Dazu sind sie nach einem Urteil des BGH vom Mai 2014 auch berechtigt. Der Restwert, so die Richter, sei nicht der Zeitwert bei Vertragsablauf, sondern ebenso wie die Leasingraten lediglich ein Posten in der Gesamtkalkulation. Wer niedrige Monatsraten zahlen will, muss also einkalkulieren, am Ende zur Kasse gebeten zu werden. Daran muss nicht immer unbedingt ein berechnender Händler schuld sein. Denn viele Faktoren beeinflussen den Wert des Fahrzeugs: Die allgemeine Marktlage kann sich ändern, neue Gesetze und Verordnungen können den Wert des Wagens senken und auch die Entwicklung von Steuern, Versicherungen oder Benzinpreis lässt sich nicht vorhersehen.
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Außerdem spielt der Zustand des Fahrzeugs eine Rolle. Hier streiten sich Kunde und Händler bisweilen darüber, was normale Abnutzung und was übermäßiger Gebrauch ist. Kleinere Dellen, Schrammen oder Kratzer im Lack gelten als normale Gebrauchsspuren – auch wenn der Händler dies anders sieht. Bei größeren Beulen wird es allerdings kritisch. Wenn das geleaste Fahrzeug in einen Unfall verwickelt wurde, verliert es dadurch an Wert. Auch für diese Wertminderung darf der Händler von Ihnen einen Ausgleich verlangen. Die Reparaturkosten muss er allerdings selbst tragen. Bei Leasingfahrzeugen sorgt hierfür in der Regel allerdings ohnehin die obligatorische Vollkaskoversicherung. Die Vorteile beim Restwertleasing sind eher übersichtlich. Niedrige Raten bei einem hohen Restwert gehören zum Beispiel dazu. Für den Fall, dass sich der Markt für das betreffende Fahrzeug günstig entwickelt, fällt dann auch kein Restwertausgleich an. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass Sie so viele Kilometer fahren können, wie Sie wollen.

Kilometerleasing: Kalkulierbares Risiko

Wenn Sie regelmäßig Ihren Wagen nutzen, um die gleiche Strecke zu fahren, beispielsweise den Weg zur Arbeit, dann können Sie relativ genau vorhersagen, wie viele Kilometer Sie jährlich zurücklegen. Fahren Sie jedoch mehr als die vertraglich festgelegten Kilometer, müssen Sie für die Mehrkilometer zahlen. Die meisten Händler räumen allerdings eine Toleranz von etwa 2500 Kilometern ein. Das betrifft unter Umständen allerdings auch die Minderkilometer. Das heißt, wenn Sie statt der Festgelegten 20.000 Kilometern nur 18.000 fahren, bekommen Sie die Minderkilometer nicht erstattet, wenn es sich um eine "+/- Toleranz" handelt. Wichtig zu wissen: Nur geschätzt ein Drittel aller Anbieter berechnet für Mehr- und Minderkilometer die gleiche Summe. Meist zahlen Sie für Mehrkilometer mehr, als Sie für Minderkilometer erstattet bekommen.

Die Kosten pro Kilometer berechnen sich nach der zu erwartenden Gesamtlaufleistung des Fahrzeugs. Diese wird in der Regel von den Herstellern festgelegt. Überraschungen sind dabei nicht ausgeschlossen. BMW beispielsweise berechnete 2012 für seine Leasingfahrzeuge eine Gesamtlaufleistung von 150.000 Kilometern – und damit einen relativ hohen Kilometerpreis. Man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass ein BMW – bei sachgemäßer Nutzung – wesentlich mehr Kilometer abreißen kann. Daher beschäftigen sich oft Gerichte mit der Frage nach der Gesamtlaufleitung. Einige Urteile im Überblick:
•    Gehobene Mittelklasse (z.B. VW Sharan): 200.000 km
•    Dieselfahrzeuge mit ausdauernden Motoren: 250.000 km
•    6-Zylinder-Fahrzeuge: 250.000 km (alle im gleichen Urteil des OLG Saarbrücken, 2005)
•    VW Golf TD, 1,8: 250.000 km (LG Duisburg 2006),
•    Mercedes 560 SEC: 300.000 km (OLG Hamm, 1996)
•    Mercedes 250 D: 350.000 km (OLG Koblenz 2004)
Alle Urteile liegen also deutlich über 150.000 Kilometer.

Die Kosten für Mehrkilometer sind im Vertrag genau festgelegt. Falls Sie unerwartet eine längere Strecke fahren müssen und damit deutlich mehr Kilometer anfallen, als vertraglich festgelegt wurden, sollten Sie prüfen, ob Sie eventuell mit einem günstigen Mietwagen besser fahren.

Was Sie beim Leasing grundsätzlich beachten sollten

Wenn Sie  mit einem geleasten Fahrzeug in einen Unfall verwickelt werden, kommt entweder die Haftpflichtversicherung des Gegners oder die eigene Vollkaskoversicherung für die Reparatur auf. Da der Wagen durch den Unfall aber auch an Wert verliert, haben Sie ein Problem. Denn der Wert des Wagens nach einer Reparatur liegt in der Regel unter dem vertraglich vereinbarten Restwert. Unter Umständen müssen Sie die Differenz zahlen. Da diese Summe oft recht hoch ist, kann eine sogenannte Gap-Versicherung sinnvoll sein. Diese zahlt die Differenz (englisch "gap") zwischen vertraglich festgelegtem Restwert und dem tatsächlichen Wert des Wagens nach einem Unfall. Beachten Sie auch, dass kurze Laufzeiten bei einem Leasingvertrag grundsätzlich günstiger sind. Bei längeren Laufzeiten von beispielsweise 60 Monaten oder mehr sollten Sie darauf achten, dass eine vorzeitige Kündigung vertraglich zulässig ist. Leider ist dies meist nur bei einem Totalschaden oder Diebstahl des Fahrzeugs möglich. Unter Umständen lässt sich die Leasing-Firma aber darauf ein, dass eine andere Person Ihren Vertrag übernimmt. Im Internet gibt es bereits mehrere Tauschbörsen für solche Fälle.
Autor:

Gerald Beeckmann

Fazit

Die Vorteile überwiegen beim Kilometerleasing gegenüber dem Restwertleasing. Sie sollten aber realistisch einschätzen können, wie viele Kilometer Sie während des Leasingzeitraums zurücklegen werden. Achten Sie beim Vertrag auch darauf, wie hoch die Toleranzgrenze ist und ob die Berechnung für Mehr- und Minderkilometer in einem angemessenem Verhältnis stehen.

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