Retrocars: Autos, die uns fehlen

Ford Granada Illustration Porsche 928 Illustration Wartburg 353

Retrocars, Teil 6

— 29.01.2015

Autos, die uns fehlen

Ein Tag wie Weihnachten im Opel-Designstudio: AUTO BILD-Chef Bernd Wieland durfte seinen Traum-Opel gestalten – den neuen GT. Hier sehen Sie das Ergebnis. Außerdem: weitere Klassiker, die wir gern wiedersehen würden.

"WOOOAAMM! WOOOOOAMM!! RRRRRRROOOOOOOOR!!" lautete eine Textzeile der Opel-GT-Werbung in den 60ern. Vielleicht war es diese tolle Reklame, vielleicht auch einfach nur die unglaubliche Form. Jedenfalls war der Opel GT von 1968 immer mein Traum-Opel. Mit dem beigefarbenen Rekord C, den mein Vater damals fuhr, hatte der GT den genialen Hüftschwung über den Hinterrädern gemein, der einer Cola-Flasche so ähnlich war. Das "Coke-Bottle-Design" ging in die Autogeschichte ein. Als begeisterter Fan dieser Linien nerve ich seit Jahren die Opel-Designer, endlich einmal eine historische Ikone wieder aufleben zu lassen – sei es ein Manta, ein Admiral oder ein Commodore. Am liebsten aber ein GT. Um so an die besten Zeiten der Marke anzuknüpfen. Irgendwann hatte Opel-Designchef Mark Adams dann die Nase voll: Der AUTO BILD-Mann sollte jetzt mal nicht immer nur mäkeln – sondern selber zeigen, was er draufhat.

Die Grundidee des Alten übernehmen

Im Opel-Designstudio: AUTO BILD-Chefredakteur Bernd Wieland gibt vor, Designer Martin Schaufler zeichnet.

So kam die Einladung wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Ich durfte ins Allerheiligste kommen – das ansonsten hermetisch abgeriegelte Rüsselsheimer Designstudio. Und dort meinen Traum wahr machen: Selbst meinen Lieblings-Opel zu stylen. Als Erstes suche ich die technische Basis aus dem GM-Konzernbaukasten aus. Meine Wahl fällt auf die kleinste Cadillac-Plattform, deren Radstand ich um einen halben Meter verkürze. Damit sind schon einmal gute Proportionen gesichert: breite Spur und dank Hinterradantrieb ein knackig-kurzer vorderer Überhang. Dann lege ich die Designphilosophie fest: Der neue GT soll kein Retroauto werden, aber die Grundidee des Alten übernehmen und einige Stilelemente des Achtundsechzigers in die Neuzeit überführen. So weit, so einfach. Doch nun wird es unheimlich spannend. Wie kommt man zu einer schönen Form, einfach so, aus dem Nichts?

Der Ablauf ähnelt einer Vollgasfahrt im ICE

Beim alten GT lief das so: Der damalige Designchef Clare McKichan fertigte Zeichnungen im Maßstab 1:1 und hängte sie an die Wand des Designstudios. Geschulte Modelleure formten dann aus einem unförmigen Klumpen Ton unter Einsatz diverser Schaber und Kratzer ein Modell in 3D. Dieser Prozess wirkt wie die beschauliche Reise in einer Dampflok, wenn man ihn mit dem heutigen Ablauf vergleicht. Der ähnelt eher einer Vollgasfahrt im ICE. Opel-Designboss Adams stellt mir seinen Assistenten Martin Schaufler zur Verfügung. Die linke Hand an der Tastatur, die rechte am Zeichenstick: In der Zeit, die sich andere für eine Kaffeepause nehmen, setzt er meine Form-Kommandos blitzschnell in digitale Bilder um. Mit der Linken vorwählen: Fläche oder Linie, Schatten oder Spiegelung. Mit der Rechten zeichnen – hier zeigt sich der Künstler. In kürzester Zeit haben wir die Grundform. Coke Bottle, genau wie früher. Dazu will ich ein paar typische GT-Elemente: Lufteinlässe vorn, Doppelrückleuchten, mittiger Doppelauspuff.

Der neue GT muss ins aktuelle Programm passen

Das Original: der GT. Kein Opel nach ihm war so flach und so wild. "Nur Fliegen ist schöner!", textete die Werbung.

Designboss Mark Adams macht sich heute klein und gibt den kongenialen Assistenten: "Der GT muss ja ins aktuelle Programm passen", bemerkt er ganz richtig. Das stelle ich sicher, indem ich die Opel-typischen Bumerangs vorn und hinten über den Lampen anbringe. Nach 90 Minuten – unfassbar schnell – ist der neue GT fertig. "Fürs erste Mal nicht schlecht", lacht Adams. Wird Opel meinen Entwurf in Serie bauen? Träum weiter, Wieland. Aber eins gibt mir Hoffnung auf einen neuen GT, ob der Neue nun so aussehen wird wie meiner oder ganz anders: Opel-Chef Karl-Theodor Neumann hat sich gerade einen alten GT gekauft, in Quietschgelb.

AUTO BILD hat weitere coole Klassiker gezeichnet, die wir gern wiedersehen würden. In der Bildergalerie sehen Sie die Entwürfe!

Retrocars: Autos, die uns fehlen

Illustration Ford Granada Ford Granada Illustration Porsche 928

Autor: Bernd Wieland

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