Rinspeed Cayenne Turbo

Rinspeed Cayenne Turbo

— 06.08.2003

Gentleman auf Abwegen

Es ist verrckt. Da bringt Porsche den weltweit schnellsten Gelndewagen auf den Markt und den Leuten reicht es immer noch nicht. Rinspeed legt noch ein paar PS drauf fr reiche Mtter und Scheichs.

Gesucht: Dezentes Auto fr den Alltag

Wer braucht schon 505 PS, um seinen Pferdeanhnger zu ziehen? Wer will schon mit Tempo 272 km/h ber einen Feldweg brettern? Und wer, bitte schn, blttert 131.247 Euro auf den Tisch, damit solch automobiles Treiben relativ diskret vonstatten geht?

Die Antworten auf diese Fragen sind hnlich undurchsichtig wie das Wasser im Genfer See: Einerseits gilt der Porsche Cayenne in der Schweiz als Frauenauto. Reiche Muttis bringen ihre verzogenen Gren damit zum Kindergarten: "Aber der Turbo muss es schon sein." Andererseits sucht die Royal Family der Arabischen Emirate 6000 Kilometer weiter sdlich immer mal wieder nach einem dezenten Auto fr den Alltag. Einem Bro-Cruiser, mit dem man nicht ganz so sehr auffllt: "Aber getunt muss er sein."

Als Angebot fr beide Zielgruppen entsteht der Rinspeed Porsche Cayenne. Durch diverse Anbauteile edel verfeinert und durch effektives Chip-Tuning (fr 3513 Euro) uerst heftig auf Trab gebracht. Die flgelstarken ihi-Lader drfen dank Rinspeeds Eingriff 0,3 Bar mehr Ladedruck in die Brennrume pusten. Gleichzeitig werden die Werte fr Zndung, Einspritzmenge und Klopfregelung modifiziert.

Scheich von Sharja setzt auf 505 PS

Unser Testauto wurde eigens fr den Scheich von Sharja gebaut. Extra abgestimmt auf 95 Oktan. Normales Super, bleifrei. Wir lernen: Die Benzinqualitt in den Emiraten ist nur sehr durchschnittlich. Trotzdem mobilisiert der schnellste Bollerwagen der Welt irrwitzige 505 PS bei 6200/min. In nur 5,1 Sekunden strmt das achtzylindrige Einfamilienhaus auf Tempo 100. Die bis zu fnf Passagiere werden von der barbarischen Kraft in die Sitze gepresst, bis das Leder quietscht.

Schade nur, dass sich die Sechsstufenautomatik von Bleifen derart beeindrucken lsst, dass sie das Drehzahlniveau mutwillig auch dann noch erhht, wenn der Fahrer schon lngst wieder auf eine ruhige Gangart umgeswitcht hat. Andererseits muss der Gasfu mehrere Sekunden auf den rechten Pedal verharren, wenn abrupt von Schleichen auf Spurten gewechselt wird. Die Bedenkzeit des adaptiven Schaltprogramms ist ein rgerliches Manko ab Werk, fr das Rinspeed nichts kann.

Manchmal wre es tatschlich sinnvoller, wenn unsere Autos weniger denken, dafr besser fahren wrden. Denn: Die stndige Grbelei des Automaten bewirkt hochtouriges Fahren und treibt den Verbrauch unntig hoch: Werte zwischen 20 und 40 Litern/100 km auf dem Bordcomputer sollten selbst in arabischen Lndern weh tun.

Innen hat Porsche gute Arbeit geleistet

Begleitet wird der Geschwindigkeitsrausch nur vom leisen Arbeitsgerusch der beiden Turbos. "Wusch- Pahh!" tnt es bei jedem Beschleunigungsvorgang das Wastegate (berdruckventil) lsst gren. Die acht Zylinder sind kaum zu vernehmen, trotz groer verchromter Endrohre hlt sich der 4,5-Liter vornehm zurck.

Was ist los? Rinspeed-Marketing-Chef Jens Hawner erklrt: "Natrlich knnen wir auch soundstarke Auspuffanlagen bauen. Aber unser Cayenne-Pilot liebt das dezente, leise Motorengerusch. Er mchte nicht auffallen."

Apropos dezent. Im Innenraum hat Rinspeed nur minimal Hand angelegt. Ein schwarzer Dachhimmel aus Alcantara soll als Individualisierung reichen Preis auf Anfrage. Mit dem Karosserieumbau ist Rinspeed ein kleines Meisterstck gelungen. Obwohl die achtteiligen Kotflgelverbreiterungen (1120 Euro), die Frontschrze (1350 Euro) und die Heckpartie erst auf den zweiten Blick zu erkennen sind, wirkt der Schweizer Cayenne im Vergleich zum Original stimmiger.

Pltzlich wirkt das Heck richtig bullig

Vor allem der Heckdeckel-Aufsatz (400 Euro) ist genial: Durch die konvexe Auswlbung beim gewhnlichen Cayenne hngt das Heck wie ein schlaffer Schmutzfnger nach unten wirkt das dicke Ende pltzlich richtig bullig. Wenn das Porsche sieht, steht ein Facelift an. Die schnen Rder kennen wir brigens schon von der Studie Rinspeed Bedouin. Mit 275/40-20-Zoll-Bereifung (3996 Euro fr den kompletten Radsatz) wirken sie nochmals kraftvoller.

Eigentlich ist der Rinspeed-SUV viel zu schade frs Gelnde. Trotzdem: Wer will, der kann. Dafr sorgen serienmig Differenzialsperren und ein Untersetzungsgetriebe. Motorschutzelemente am Unterboden bewahren den sndhaft teuren V8 vor Schden durch scharfkantige Felsen.

Und dann gibt es ja noch die Hhenverstellung. Mehr als einen halben Meter Bodenfreiheit im "Sonder-Gelndeniveau" der Luftfederung und ein maximaler vorderer Bschungswinkel von stattlichen 32,4 Grad erffnen verblffende Kletterqualitten.

Technische Daten im berblick

Geordneter Rckzug oder Vortrieb, ganz wie man will ist jederzeit mglich. Ob neben der Strae oder obendrauf, in jedem Fall fhrt der Cayenne supersicher. Wird's glitschig, fngt die Porsche-eigene Stabilittskontrolle PSM den 2,5-Tonner wieder ein. Umkippen ist (nahezu) unmglich.

Von Mutti zum Macho mit dem 50 Millimeter elektronisch abgesenkten Fahrwerk (kostet 1630 Euro) geht der Rinspeed Cayenne noch mal eine Spur hrter ums Karree. Wer sich den Spa leisten kann, bekommt mit dem Rinspeed Cayenne einen Cowboy im Nadelstreifen-Anzug. Oder besser: einen Gentleman auf Abwegen.

Technische Daten V8, zwei Turbolader 4 Ventile pro Zylinder Hubraum 4511 cm3 371 kW (505 PS) bei 6200/min maximales Drehmoment 700 Nm bei 23504750/min Sechsstufenautomatik Allradantrieb vorn Doppelquerlenkerachse, hinten Mehrlenkerachse Einzelradaufhngung Luftfederung, um 50 Millimeter abgesenkt innenbelftete Scheibenbremsen Reifen 275/40 R 20 Lnge/Breite/Hhe 4786/2216/1789 mm Radstand 2855 mm Leergewicht 2355 kg Kofferraumvolumen 540 l Tankinhalt 100 l 0100 km/h in 5,1 s Spitze 272 km/h Preis 131.247 Euro

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